am Montag, 13. Februar 2012 um 09:30 h
in der
Vertretung des Saarlandes beim Bund
In den Ministergärten 4, 10 117 Berlin
Tagesordnung:
· Konstituierung der Sitzung
· Berichte des Vorstands
· Kassenbericht / Bericht der Kassenprüfer
· Allgemeine Aussprache
· Beitragsanpassung
· Satzungsänderung
· Entlastung des Vorstand
· Neuwahl
-Mittagspause-
· Ruth Hieronymi (Rundfunkratsvorsitzende des WDR und Vorsitzende der ARD-Gremienvorsitzendenkonferenz): "Qualitätsprogramm unter Aufsicht: Von Möglichkeiten und Grenzen der Rundfunkräte" / Impuls-Referat und Diskussion
· Thomas Frickel/Cay Wesnigk: "Rundfunkbeitrag für Internet-Projekte - Ein Zwischenruf der AG Dokumentarfilm"
· Verschiedenes
Gäste sind -wie immer- herzlich willkommen
für den Vorstand der AG Dokumentarfilm
Thomas Frickel, Vorsitzender und Geschäftsführer
am Montag, 13. Februar 2012 um 09:30 h
in der
Vertretung des Saarlandes beim Bund
In den Ministergärten 4, 10 117 Berlin
Tagesordnung:
· Konstituierung der Sitzung
· Berichte des Vorstands
· Kassenbericht / Bericht der Kassenprüfer
· Allgemeine Aussprache
· Beitragsanpassung
· Satzungsänderung
· Entlastung des Vorstand
· Neuwahl
-Mittagspause-
· Ruth Hieronymi (Rundfunkratsvorsitzende des WDR und Vorsitzende der ARD-Gremienvorsitzendenkonferenz): "Qualitätsprogramm...
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Einladung zur Mitgliederversammlung
von Susanne Binninger
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(c) 2011 Martin Jehnichen
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(05.12.11) Daß sie kommt, ist beschlossene Sache. Ab 2013 wird die Abgabe für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht mehr an den Besitz eines Empfangsgeräts gekoppelt, sondern pro Haushalt erhoben. Medienexperten rechnen im Zuge dieser Umstellung mit Mehreinnahmen von 800 Millionen Euro. Die Mittel zur Rundfunkfinanzierung würden damit auf mehr als 8 Milliarden Euro steigen. Zehn Prozent dieser Summe sollen nach Vorschlag der AG DOK nun dem System der bestehenden öffentlich-rechtlichen Senderketten...
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Öffentlich-rechtliches Internet: Ein Vorschlag der AG DOK zur Haushaltsabgabe
von Susanne Binninger
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(c) 2011 Martin Jehnichen
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(05.12.11) Daß sie kommt, ist beschlossene Sache. Ab 2013 wird die Abgabe für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht mehr an den Besitz eines Empfangsgeräts gekoppelt, sondern pro Haushalt erhoben. Medienexperten rechnen im Zuge dieser Umstellung mit Mehreinnahmen von 800 Millionen Euro. Die Mittel zur Rundfunkfinanzierung würden damit auf mehr als 8 Milliarden Euro steigen. Zehn Prozent dieser Summe sollen nach Vorschlag der AG DOK nun dem System der bestehenden öffentlich-rechtlichen Senderketten entzogen und direkt zur Finanzierung freier Internet-Projekte eingesetzt werden. Das sieht ein Thesenpapier des Verbandes vor, das am 20. Oktober beim Dokumentarfilmfestival in Leipzig vorgestellt und mit Vertretern der Netzgemeinde unter dem Titel DIE HAUSHALTSABGABE - NEUE CHANCEN FÜR DEN UNABHÄNGIGEN FILM? diskutiert wurde.
Thomas Frickel, Vorstandsvorsitzender der AG DOK, nutzte die Eröffnung der Veranstaltung zu einer medienpolitischen Analyse und wiederholte die wesentlichen Kritikpunkte des Verbandes an der öffentlich-rechtlichen Programmpolitik: die seit Jahren zu beobachtende Verflachung der Inhalte, das Abschieben von anspruchvollen Produktionen auf immer spätere Sendeplätze, Quotendenken statt Wahrnehmung des Bildungsauftrags. Statt am gigantischen Personalapparat wird am Programm gespart und überhaupt - was ist das für ein Markt, wenn die Käufer die Marktbedingungen diktieren? Demgegenüber steht der Funktionsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, den auch der Heidelberger Verfassungsrechtler Prof. Paul Kirchhof in seinem Gutachten zur Rundfunkfinanzierung noch einmal ausdrücklich hervorgehoben hat: für den Bestand der Demokratie ist freier Zugang zu Information lebensnotwendig, deshalb muss der Staat dafür sorgen, dass Informationsangebote bereit gestellt werden, und zwar unabhängig von Einschaltquoten und Massenattraktivität. Entscheidend ist das Angebot selbst, nicht die Nutzung im Einzelfall. Das begründet den hohen verfassungsrechtlichen Rang des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, und auch die Notwendigkeit seiner Finanzierung durch die Allgemeinheit. Weil der öffentlich-rechtliche Rundfunk durch die digitale Revolution seine Monopolstellung als Alleinanbieter und Leitmedium verliert, müssten folgerichtig auch andere von pluralistisch besetzten Gremien überwachte kosten- und werbefreie Medienangebote, die zur Stärkung der Informations- und Meinungsfalt beitragen, als eine neue Form des öffentlich-rechtlichen Rundfunks an dieser Finanzierung teilhaben.
Gebühren splitten und anders verteilen
Die AG DOK schlägt daher vor, im Unterschied zum bisherigen Procedere zehn Prozent des gesamten Gebührenaufkommens –also die erwähnten 800 Millionen Euro- direkt den Programmherstellern zukommen zu lassen – und zwar nicht nur Dokumentarfilmern, sondern allen Netzaktiven, die kostenfreie Angebote ins Netz stellen, die werbefrei, nicht-kommerziell und staatsfern die inhaltlichen Vorgaben des Programm-Auftrags erfüllen. Die so entstehenden Inhalte sollen unzensiert und ohne Quotendruck die pluralistische Gesellschaft abbilden und Diskurs und Teilhabe ermöglichen. Die Vergabe der Mittel könnte -ähnlich wie heute bereits in der Filmförderung- durch unabhängige Gremien erfolgen, wie sie ja zum Beispiel in den Landesmedienanstalten bereits existieren.
Um zu diskutieren wie das genau gehen könnte, wie nun wer das Geld auf welche Weise und an wen verteilen könnte, lud die AG DOK Vertreter von Netzinitiativen ein, die ebenfalls an alternativen Verteilmodellen arbeiten.
Modelle
Cay Wesnigk, Vorsitzender und Motor der onlinefilm.org, begreift das Internet als einen Teil der Öffentlichkeit. Weil Kunst und Kultur aber nicht per Mehrheitsvotum entschieden werden können, plädiert Wesnigk für einen Mix aus dirigistischen und plebiszitären Elementen: der für das Internet vorgesehene Prozentsatz der Haushaltsabgabe wird zum einen Teil als „Projektförderung“ über Gremien verteilt und zum anderen Teil mit einem Social-Payment-Service kombiniert. Jeder Gebührenzahler kann frei über einen festgelegten Teilbetrag (z.B. € 5.-/Monat) verfügen und selbst entscheiden, welche Projekte er/sie damit unterstützt. Dafür versehen die Macher ihre Inhalte im Netz mit flattr-buttons, die bei Gefallen angeklickt werden. Am Monatsende wird der Betrag des Nutzers gemäß seinen Klicks an die Medienanbieter verteilt; ein Modell, das nicht zuletzt durch die relativ erfolgreiche „wir-brauchen-frisches-Geld“-Aktion der alternativen Tageszeitung taz populär wurde.
Falk Lüke, Mitbegründer der „Digitale Gesellschaft e.V.“, einer kampagnenorientierten Initiative für eine bürgerrechts- und verbraucherfreundliche Netzpolitik, ist in seinen Forderungen etwas bescheidener. Er wirft die schöne Zahl von 7.545.000.000 an die Wand und ins Publikum: das Jahresbudget der GEZ in Euro 2010. Die digitale Gesellschaft begnügt sich mit einem Prozent dieser Summe, das soll ebenfalls via flattr verteilt werden; je nach individueller Präferenz des Users an Konzepte, Sendungen, Formate, Radiostationen, Kooperationen, was auch immer. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Beträge fürs Folgejahr gelten. Wenn mir heute etwas gefällt, gebe ich Geld dafür, dass es im nächsten Jahr produziert oder fortgesetzt wird. Lüke verspricht sich davon zweierlei: die Nutzer wären aktiv beteiligt und hätten ein Mitspracherecht; man würde endlich inhaltliche Diskussionen führen – darüber was das Publikum wirklich sehen will (und was nicht). Seinen launig vorgetragenen Vorschlag nennt Lüke „einen kleinen Schritt mit offenem Ausgang“ – nicht zuletzt deswegen, weil „vielleicht bleibt ja Jauch hochdotiert und die Doku kriegt am Ende nix“.
Der Medienexperte Volker Grassmuck unternimmt in seinem Kurzvortrag eine rasante Reise durch bestehende finanzielle Beteiligungsmodelle im Internet: entweder werden Projekte kollektiv vorab finanziert (das so genannte „crowdfunding“, wie es z.B. die Plattform Kickstarter betreibt); ein bestehendes Werk kann nachträglich „freigekauft“ und damit im Netz öffentlich zugänglich gemacht werden oder bereits finanzierte und veröffentlichte Inhalte werden nachträglich belohnt (z.B. flattr). Studien haben gezeigt, dass Nutzer grundsätzlich bereit sind, für Inhalte zu bezahlen - Musiker verdienen im Netz mehr, wenn man die Höhe des Obulus für einen Download selbst bestimmen kann anstatt einen fixen Satz bezahlen zu müssen. Grassmuck plädiert für sein Modell einer Tauschlizenz: die basiert auf der Idee der Kulturflatrate und sieht vor, dass alle Internet-Nutzer einen pauschalen Betrag bezahlen, der denen zugute kommt, die die kreativen und urheberrechtlich geschützten Werke schaffen, die im Netz privat kopiert, getauscht und remixt werden. Die gesamte Vergütungssumme soll zwischen Urhebern und Publikum ausgehandelt und an die Macherausgeschüttet werden. Am Ende stünde im Falle einer solchen Verteilung der Rundfunkgebühr die „totale Demokratie“: die Entscheidung darüber, welches Programm angeboten wird, fällen die Nutzer und nicht die Intendanten oder Rundfunkräte.
Zwischendurch sprach sich der Medienjournalist Kai Hinrich Renner, Autor des Buches „GEZ für alle“, dafür aus, die Rundfunkabgabe generell in eine Medienabgabe umzudenken: alles geht im Netz auf, auch die Existenz freier Presse ist eine Säule der Demokratie, aber als Printprodukt findet sie immer weniger statt. Von einer Medienabgabe müssten alle Anbieter mit hochqualitativen Angeboten profitieren; analog zu den Filmförderungen und der Subvention von Theatern sollte auch die Presse gefördert werden.
Elitenentscheid versus Plebiszit
Die anschließende Diskussion unter der Moderation von Heiko Hilker (Dresdner Institut für Medien, Bildung und Beratung) ergab zwar nicht den versprochenen Dialog, verdeutlichte aber zumindest die Positionen: die AG DOK hält fest an der Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und hofft dass ein partizipatorisches Bezahlungsmodell die Gebührenakzeptanz erhält bzw. erhöht. Vor allem aber erinnerte Thomas Frickel unermüdlich an den Programmauftrag der Sender: sie sind verpflichtet, Inhalte zu produzieren, die der freie Markt nicht anbietet anstatt mit Gebührengeldern Marktmechanismen außer Kraft zu setzen wie zuletzt im Poker um die Champions League. Die Netzaktivisten, allen voran Falk Lüke, nennen das einen elitären Ansatz. Sie favorisieren eine quasi basisdemokratisch hergestellte Programmvielfalt. Im Kern geht es der Netzgemeinde immer darum, Werke lizenzfrei zur Nutzung im Netz freizugeben – entweder weil sie anderweitig finanziert oder durch eine Abgabe quasi ausgelöst wurden.
Dass dafür das deutsche Urheberrecht geändert werden müsste, fand in der Runde keine Beachtung. Die alles entscheidende Frage aber illustrierte Cay Wesnigk mit dem schönen Bild von der Sch… und den Fliegen (und zwar unter Berufung auf einen Slogan aus der Kampagne der Studentenbewegung gegen die Bild-Zeitung, die anscheinend ja auch zu den schützenswerten Kulturgütern gehört): vertragen sich Kunst und Kultur mit demokratischen Strukturen oder nicht? Erreicht man mit einer plebiszitär verteilten Haushaltsabgabe nicht doch die totale „Anbiederung an den Massengeschmack“, also genau den Zustand, den Paul Kirchhof als nicht verfassungsgerecht ansieht?
Die Veranstaltung war Teil der Reihe German Day auf dem Dokumentarfilmfestival in Leipzig und ist als audiofile nachzuhören. Dort sind auch Fotos hinterlegt.
Thomas Frickel, Vorstandsvorsitzender der AG DOK, nutzte die Eröffnung der Veranstaltung zu einer medienpolitischen Analyse und wiederholte die wesentlichen Kritikpunkte des Verbandes an der öffentlich-rechtlichen Programmpolitik: die seit Jahren zu beobachtende Verflachung der Inhalte, das Abschieben von anspruchvollen Produktionen auf immer spätere Sendeplätze, Quotendenken statt Wahrnehmung des Bildungsauftrags. Statt am gigantischen Personalapparat wird am Programm gespart und überhaupt - was ist das für ein Markt, wenn die Käufer die Marktbedingungen diktieren? Demgegenüber steht der Funktionsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, den auch der Heidelberger Verfassungsrechtler Prof. Paul Kirchhof in seinem Gutachten zur Rundfunkfinanzierung noch einmal ausdrücklich hervorgehoben hat: für den Bestand der Demokratie ist freier Zugang zu Information lebensnotwendig, deshalb muss der Staat dafür sorgen, dass Informationsangebote bereit gestellt werden, und zwar unabhängig von Einschaltquoten und Massenattraktivität. Entscheidend ist das Angebot selbst, nicht die Nutzung im Einzelfall. Das begründet den hohen verfassungsrechtlichen Rang des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, und auch die Notwendigkeit seiner Finanzierung durch die Allgemeinheit. Weil der öffentlich-rechtliche Rundfunk durch die digitale Revolution seine Monopolstellung als Alleinanbieter und Leitmedium verliert, müssten folgerichtig auch andere von pluralistisch besetzten Gremien überwachte kosten- und werbefreie Medienangebote, die zur Stärkung der Informations- und Meinungsfalt beitragen, als eine neue Form des öffentlich-rechtlichen Rundfunks an dieser Finanzierung teilhaben.
Gebühren splitten und anders verteilen
Die AG DOK schlägt daher vor, im Unterschied zum bisherigen Procedere zehn Prozent des gesamten Gebührenaufkommens –also die erwähnten 800 Millionen Euro- direkt den Programmherstellern zukommen zu lassen – und zwar nicht nur Dokumentarfilmern, sondern allen Netzaktiven, die kostenfreie Angebote ins Netz stellen, die werbefrei, nicht-kommerziell und staatsfern die inhaltlichen Vorgaben des Programm-Auftrags erfüllen. Die so entstehenden Inhalte sollen unzensiert und ohne Quotendruck die pluralistische Gesellschaft abbilden und Diskurs und Teilhabe ermöglichen. Die Vergabe der Mittel könnte -ähnlich wie heute bereits in der Filmförderung- durch unabhängige Gremien erfolgen, wie sie ja zum Beispiel in den Landesmedienanstalten bereits existieren.
Um zu diskutieren wie das genau gehen könnte, wie nun wer das Geld auf welche Weise und an wen verteilen könnte, lud die AG DOK Vertreter von Netzinitiativen ein, die ebenfalls an alternativen Verteilmodellen arbeiten.
Modelle
Cay Wesnigk, Vorsitzender und Motor der onlinefilm.org, begreift das Internet als einen Teil der Öffentlichkeit. Weil Kunst und Kultur aber nicht per Mehrheitsvotum entschieden werden können, plädiert Wesnigk für einen Mix aus dirigistischen und plebiszitären Elementen: der für das Internet vorgesehene Prozentsatz der Haushaltsabgabe wird zum einen Teil als „Projektförderung“ über Gremien verteilt und zum anderen Teil mit einem Social-Payment-Service kombiniert. Jeder Gebührenzahler kann frei über einen festgelegten Teilbetrag (z.B. € 5.-/Monat) verfügen und selbst entscheiden, welche Projekte er/sie damit unterstützt. Dafür versehen die Macher ihre Inhalte im Netz mit flattr-buttons, die bei Gefallen angeklickt werden. Am Monatsende wird der Betrag des Nutzers gemäß seinen Klicks an die Medienanbieter verteilt; ein Modell, das nicht zuletzt durch die relativ erfolgreiche „wir-brauchen-frisches-Geld“-Aktion der alternativen Tageszeitung taz populär wurde.
Falk Lüke, Mitbegründer der „Digitale Gesellschaft e.V.“, einer kampagnenorientierten Initiative für eine bürgerrechts- und verbraucherfreundliche Netzpolitik, ist in seinen Forderungen etwas bescheidener. Er wirft die schöne Zahl von 7.545.000.000 an die Wand und ins Publikum: das Jahresbudget der GEZ in Euro 2010. Die digitale Gesellschaft begnügt sich mit einem Prozent dieser Summe, das soll ebenfalls via flattr verteilt werden; je nach individueller Präferenz des Users an Konzepte, Sendungen, Formate, Radiostationen, Kooperationen, was auch immer. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Beträge fürs Folgejahr gelten. Wenn mir heute etwas gefällt, gebe ich Geld dafür, dass es im nächsten Jahr produziert oder fortgesetzt wird. Lüke verspricht sich davon zweierlei: die Nutzer wären aktiv beteiligt und hätten ein Mitspracherecht; man würde endlich inhaltliche Diskussionen führen – darüber was das Publikum wirklich sehen will (und was nicht). Seinen launig vorgetragenen Vorschlag nennt Lüke „einen kleinen Schritt mit offenem Ausgang“ – nicht zuletzt deswegen, weil „vielleicht bleibt ja Jauch hochdotiert und die Doku kriegt am Ende nix“.
Der Medienexperte Volker Grassmuck unternimmt in seinem Kurzvortrag eine rasante Reise durch bestehende finanzielle Beteiligungsmodelle im Internet: entweder werden Projekte kollektiv vorab finanziert (das so genannte „crowdfunding“, wie es z.B. die Plattform Kickstarter betreibt); ein bestehendes Werk kann nachträglich „freigekauft“ und damit im Netz öffentlich zugänglich gemacht werden oder bereits finanzierte und veröffentlichte Inhalte werden nachträglich belohnt (z.B. flattr). Studien haben gezeigt, dass Nutzer grundsätzlich bereit sind, für Inhalte zu bezahlen - Musiker verdienen im Netz mehr, wenn man die Höhe des Obulus für einen Download selbst bestimmen kann anstatt einen fixen Satz bezahlen zu müssen. Grassmuck plädiert für sein Modell einer Tauschlizenz: die basiert auf der Idee der Kulturflatrate und sieht vor, dass alle Internet-Nutzer einen pauschalen Betrag bezahlen, der denen zugute kommt, die die kreativen und urheberrechtlich geschützten Werke schaffen, die im Netz privat kopiert, getauscht und remixt werden. Die gesamte Vergütungssumme soll zwischen Urhebern und Publikum ausgehandelt und an die Macherausgeschüttet werden. Am Ende stünde im Falle einer solchen Verteilung der Rundfunkgebühr die „totale Demokratie“: die Entscheidung darüber, welches Programm angeboten wird, fällen die Nutzer und nicht die Intendanten oder Rundfunkräte.
Zwischendurch sprach sich der Medienjournalist Kai Hinrich Renner, Autor des Buches „GEZ für alle“, dafür aus, die Rundfunkabgabe generell in eine Medienabgabe umzudenken: alles geht im Netz auf, auch die Existenz freier Presse ist eine Säule der Demokratie, aber als Printprodukt findet sie immer weniger statt. Von einer Medienabgabe müssten alle Anbieter mit hochqualitativen Angeboten profitieren; analog zu den Filmförderungen und der Subvention von Theatern sollte auch die Presse gefördert werden.
Elitenentscheid versus Plebiszit
Die anschließende Diskussion unter der Moderation von Heiko Hilker (Dresdner Institut für Medien, Bildung und Beratung) ergab zwar nicht den versprochenen Dialog, verdeutlichte aber zumindest die Positionen: die AG DOK hält fest an der Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und hofft dass ein partizipatorisches Bezahlungsmodell die Gebührenakzeptanz erhält bzw. erhöht. Vor allem aber erinnerte Thomas Frickel unermüdlich an den Programmauftrag der Sender: sie sind verpflichtet, Inhalte zu produzieren, die der freie Markt nicht anbietet anstatt mit Gebührengeldern Marktmechanismen außer Kraft zu setzen wie zuletzt im Poker um die Champions League. Die Netzaktivisten, allen voran Falk Lüke, nennen das einen elitären Ansatz. Sie favorisieren eine quasi basisdemokratisch hergestellte Programmvielfalt. Im Kern geht es der Netzgemeinde immer darum, Werke lizenzfrei zur Nutzung im Netz freizugeben – entweder weil sie anderweitig finanziert oder durch eine Abgabe quasi ausgelöst wurden.
Dass dafür das deutsche Urheberrecht geändert werden müsste, fand in der Runde keine Beachtung. Die alles entscheidende Frage aber illustrierte Cay Wesnigk mit dem schönen Bild von der Sch… und den Fliegen (und zwar unter Berufung auf einen Slogan aus der Kampagne der Studentenbewegung gegen die Bild-Zeitung, die anscheinend ja auch zu den schützenswerten Kulturgütern gehört): vertragen sich Kunst und Kultur mit demokratischen Strukturen oder nicht? Erreicht man mit einer plebiszitär verteilten Haushaltsabgabe nicht doch die totale „Anbiederung an den Massengeschmack“, also genau den Zustand, den Paul Kirchhof als nicht verfassungsgerecht ansieht?
Die Veranstaltung war Teil der Reihe German Day auf dem Dokumentarfilmfestival in Leipzig und ist als audiofile nachzuhören. Dort sind auch Fotos hinterlegt.
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(11.11.11) Nach monatelangen Verhandlungen um bessere Rahmenbedingungen für die Dokumentarfilmproduktion im Deutschen Fernsehen sind die Gespräche zwischen der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm/AG DOK und Vertretern der ARD jetzt ergebnislos abgebrochen worden. „Wir hätten zwar hier und da ein paar kosmetische und Verbesserungen erreichen können, aber in den zentralen Fragen hat sich die Sender-Seite keinen Millimeter bewegt“, resümiert AG DOK-Vorsitzender Thomas Frickel das Ergebnis der...
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ARD lässt Dokumentarfilm-Verhandlungen scheitern
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(11.11.11) Nach monatelangen Verhandlungen um bessere Rahmenbedingungen für die Dokumentarfilmproduktion im Deutschen Fernsehen sind die Gespräche zwischen der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm/AG DOK und Vertretern der ARD jetzt ergebnislos abgebrochen worden. „Wir hätten zwar hier und da ein paar kosmetische und Verbesserungen erreichen können, aber in den zentralen Fragen hat sich die Sender-Seite keinen Millimeter bewegt“, resümiert AG DOK-Vorsitzender Thomas Frickel das Ergebnis der insgesamt sechs Verhandlungsrunden, an denen auch Produzenten aus dem Umfeld der vor kurzem gegründeten Dokumentarfilm-Sektion der Produzenten-Allianz beteiligt waren. „Wir brauchen keine Placebos mehr. Was wir brauchen, sind substantielle Fortschritte, die den kleinen unabhängigen Produktionsfirmen und ihrem wichtigen kreativen Potential das Überleben sichern!“
Ziel der Gespräche sollte die Vereinbarung fairer Vertragsbedingungen in einem Programm-Bereich sein, der zwar im Mittelpunkt des öffentlich-rechtlichen Programmauftrags steht, der aber von den Sendern finanziell ausgetrocknet und vernachlässigt wird. Die Mittel für unabhängige Dokumentarfilmproduktionen stagnieren seit Jahren ohne Inflationsausgleich auf unterstem Niveau. Während jede einzelne Sendeminute mit Talkmaster Günter Jauch der ARD 4487,18 Euro wert ist, müssen zeit- und arbeitsintensive dokumentarische Programme mit einem Bruchteil dieses Betrages zurechtkommen.
Nicht zuletzt deshalb hatten die Bundesländer bereits 2008 in einer Protokollnotiz zum 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag gefordert, die Sender müssten Urhebern und freien Produzenten „ausgewogene Vertragsbedingungen und eine faire Aufteilung der Verwertungsrechte“ gewähren. „Wenn aber trotz monatelanger Verhandlungen für so genannte voll finanzierte Auftragsproduktionen noch nicht einmal die tatsächlichen Produktionskosten anerkannt werden, dann ist das weder fair noch ausgewogen.“ Die öffentlich-rechtlichen Sender nutzten dokumentarische Programme zwar gerne als Feigenblatt, wenn sie die Erfüllung ihres Informations- und Kulturauftrags betonen – aber keiner sagt, unter welchen Bedingungen solche Aushängeschilder des Qualitätsfernsehens entstehen. „Autoren und Regisseure, die im Dokumentarfilmbereich für freie Produktionsfirmen arbeiten, werden von allen Kreativen in der Medienbranche am miserabelsten bezahlt, sie kriegen keine Wiederholungshonorare und die Produzenten können aus den Erlösen noch nicht einmal die laufenden Betriebskosten finanzieren“, stellt die AG DOK fest. Einer entsprechenden Modellrechnung der Produzentenseite hat die ARD nicht widersprochen.
Statt dessen haben die Sender zentrale und für das wirtschaftliche Überleben der kleinen und mittleren Produktionsfirmen entscheidende Kalkulationsposten rigoros als „nicht verhandelbar“ bezeichnet. Abweichungen sollten allenfalls „im Einzelfall“ und „mit besonderer Begründung“ möglich sein. Diese starre Haltung brachte die Verhandlungen letztlich zum Scheitern. Denn, so die AG DOK: „Wenn wir das ARD-Angebot angenommen hätten, wären die meisten Produktionen auch weiterhin chronisch unterfinanziert - und, was noch schlimmer ist: wir hätten diesen Zustand akzeptiert und auf fünf Jahre festgeschrieben. Das ist mit uns nicht zu machen!“
Pressereaktionen auf den Abbruch der Verhandlungen:
Keine Einigung zwischen ARD und Dokumentarfilmern in BlickpunktFilm/mediabiz
AG DOK-Vorsitzender Thomas Frickel im Deutschlandfunk :
"Wir sind im Dokumentarfilmbereich diejenigen Beschäftigten im ganzen Mediensektor die am miserabelsten bezahlt werden. (...) Es muss sich jetzt substanziell etwas ändern, sonst wird ein großer Teil der Firmen, die es in der Branche gibt und der Leute, die davon leben, dokumentarisches zu liefern, das aufgeben müssen."
Ziel der Gespräche sollte die Vereinbarung fairer Vertragsbedingungen in einem Programm-Bereich sein, der zwar im Mittelpunkt des öffentlich-rechtlichen Programmauftrags steht, der aber von den Sendern finanziell ausgetrocknet und vernachlässigt wird. Die Mittel für unabhängige Dokumentarfilmproduktionen stagnieren seit Jahren ohne Inflationsausgleich auf unterstem Niveau. Während jede einzelne Sendeminute mit Talkmaster Günter Jauch der ARD 4487,18 Euro wert ist, müssen zeit- und arbeitsintensive dokumentarische Programme mit einem Bruchteil dieses Betrages zurechtkommen.
Nicht zuletzt deshalb hatten die Bundesländer bereits 2008 in einer Protokollnotiz zum 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag gefordert, die Sender müssten Urhebern und freien Produzenten „ausgewogene Vertragsbedingungen und eine faire Aufteilung der Verwertungsrechte“ gewähren. „Wenn aber trotz monatelanger Verhandlungen für so genannte voll finanzierte Auftragsproduktionen noch nicht einmal die tatsächlichen Produktionskosten anerkannt werden, dann ist das weder fair noch ausgewogen.“ Die öffentlich-rechtlichen Sender nutzten dokumentarische Programme zwar gerne als Feigenblatt, wenn sie die Erfüllung ihres Informations- und Kulturauftrags betonen – aber keiner sagt, unter welchen Bedingungen solche Aushängeschilder des Qualitätsfernsehens entstehen. „Autoren und Regisseure, die im Dokumentarfilmbereich für freie Produktionsfirmen arbeiten, werden von allen Kreativen in der Medienbranche am miserabelsten bezahlt, sie kriegen keine Wiederholungshonorare und die Produzenten können aus den Erlösen noch nicht einmal die laufenden Betriebskosten finanzieren“, stellt die AG DOK fest. Einer entsprechenden Modellrechnung der Produzentenseite hat die ARD nicht widersprochen.
Statt dessen haben die Sender zentrale und für das wirtschaftliche Überleben der kleinen und mittleren Produktionsfirmen entscheidende Kalkulationsposten rigoros als „nicht verhandelbar“ bezeichnet. Abweichungen sollten allenfalls „im Einzelfall“ und „mit besonderer Begründung“ möglich sein. Diese starre Haltung brachte die Verhandlungen letztlich zum Scheitern. Denn, so die AG DOK: „Wenn wir das ARD-Angebot angenommen hätten, wären die meisten Produktionen auch weiterhin chronisch unterfinanziert - und, was noch schlimmer ist: wir hätten diesen Zustand akzeptiert und auf fünf Jahre festgeschrieben. Das ist mit uns nicht zu machen!“
Pressereaktionen auf den Abbruch der Verhandlungen:
Keine Einigung zwischen ARD und Dokumentarfilmern in BlickpunktFilm/mediabiz
AG DOK-Vorsitzender Thomas Frickel im Deutschlandfunk :
"Wir sind im Dokumentarfilmbereich diejenigen Beschäftigten im ganzen Mediensektor die am miserabelsten bezahlt werden. (...) Es muss sich jetzt substanziell etwas ändern, sonst wird ein großer Teil der Firmen, die es in der Branche gibt und der Leute, die davon leben, dokumentarisches zu liefern, das aufgeben müssen."
Kritik der AG DOK wird aufgegriffen
(16.11.11) Spiegel online hat sich vorab das neue Programmschema unter dem Titel: „Huch. Wo ist denn unser Anspruch hin?" vorgeknöpft: "Eine große Programmoffensive im kommenden Jahr soll dem Sender eine "gewisse Leichtigkeit" und mehr Zuschauer bringen. Damit droht der eigene Anspruch des Kulturkanals flöten zu gehen. (...) Unter Dokumentarfilmern, die in Arte bislang ihren wohl wichtigsten Abnehmer haben, geht inzwischen angesichts dieser...
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Pressereaktionen zur ARTE-Programmreform
Kritik der AG DOK wird aufgegriffen
(16.11.11) Spiegel online hat sich vorab das neue Programmschema unter dem Titel: „Huch. Wo ist denn unser Anspruch hin?" vorgeknöpft: "Eine große Programmoffensive im kommenden Jahr soll dem Sender eine "gewisse Leichtigkeit" und mehr Zuschauer bringen. Damit droht der eigene Anspruch des Kulturkanals flöten zu gehen. (...) Unter Dokumentarfilmern, die in Arte bislang ihren wohl wichtigsten Abnehmer haben, geht inzwischen angesichts dieser Neuausrichtung die Angst um. Thomas Frickel etwa, Geschäftsführer des Dokumentarfilmerverbands AG DOK, sagt: "Das sind Töne, die wir bislang von Arte nicht kannten". Er befürchtet, dass der kreative Freiraum schwindet, den der Sender bisher bot. (...) Bereits im Juni, als bekanntgegeben wurde, dass man das Arte-Programm reformieren wolle, hatte die AG DOK gemeinsam mit zwei französischen Produzentenverbänden auf dem Branchentreffen "Sunny Side of the Doc" in La Rochelle ihrer Sorge Ausdruck verliehen und eine "Abkehr von den Gründungsidealen" des Kulturkanals beklagt. Im Oktober trafen sich die Organisationen auf der Leipziger Dokumentarfilmwoche erneut - und legten nach.
Das Hamburger Abendblatt nimmt Bezug auf den Spiegel-Titel: "Die Zeile bezieht sich auf das neue durchformatisierte Programmschema von Arte, das befürchten lässt, dass es für Sperriges, für das es auf ARD und ZDF längst keine Sendeplätze mehr gibt, auch bei dem Kulturkanal eng wird. Dazu präsentierte der Online-Dienst Zitate aus einem internen Arte-Papier. (...) Die Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen, sagten die Arte-Offiziellen gestern. Mag sein. Aber schon seit Längerem beobachtet der Geschäftsführer der Dokumentarfilmervereinigung AG DOK, Thomas Frickel, dass Angehörige seiner Zunft immer seltener Anspruchsvolles bei Arte unterbringen können. Wer ihn kennt, weiß, dass er nicht der Querulant ist, als den ihn die Arte-Gewaltigen gern darstellen.
Im Hamburger Abendblatt an anderer Stelle: "Zu vernehmen waren aber auch Töne, die man bei Arte-Programmpressekonferenzen sonst so nicht hört. Man wolle "Kultur demokratisieren", sagte Arte-Präsidentin Véronique Cayla salbungsvoll, "damit alle Zuschauerschichten teilhaben können". Inhalte sollten einem "breiten Publikum zugänglich" gemacht werden. Zu Deutsch: Arte, das hierzulande auf einen Marktanteil von 0,8 Prozent kommt, will mehr Zuschauer. Erreichen soll die ein neues, komplett durchformatisiertes Programmschema."
Die Süddeutsche schreibt: "Neues Programmschema - Arte umwirbt Dokumentarfilmer": Für die Präsentation des neuen Programmschemas am Montag in Hamburg schien sich Arte vor allem ein Ziel gesetzt zu haben: Den Dokumentarfilmern der Republik sollte warm ums Herz werden. Arte sei weiterhin der Sender der Autoren, das gehöre zu den "Basics" des Unternehmens, sagte Programmdirektor Christoph Hauser (...). Grund für die verbale Umarmung einer ganzen Branche war die vorab von der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok) geäußerte Kritik am künftigen Programmschema. Der Interessenverband befürchtet, Arte werde sich allzu populär ausrichten und stützt sich auf interne Papiere des deutsch-französischen Kulturkanals - dort heißt es etwa, "der Ton" des Programms müsse "freundlicher, emotionaler und zugänglicher werden".
Auch Die tageszeitung greift die Kritik der AG DOK auf: "Arte-Programmdirektor Christoph Hauser widersprach den Dokumentarfilmern am Montag. Fast 40 Prozent des neuen Programmschemas seien Dokumentationen. Zudem gebe es im kommenden Jahr 80 Stunden mehr dokumentarische Erstausstrahlungen als im laufenden Jahr. Trotzdem erhält die AG Dok ihre Kritik am neuen Arte-Schema aufrecht. "Darauf hinzuweisen, dass es im kommenden Jahr mehr Dokumentationen gibt, reicht nicht aus", sagt Geschäftsführer Thomas Frickel. Mehr Quantität bedeute nicht mehr Qualität."
René Martens in der Funkkorrespondenz :
"Thomas Frickel, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok), war zwar nicht anwesend, als der deutsch-französische Fernsehsender Arte am 14. November auf einer Pressekonferenz in Hamburg sein ab Januar 2012 geltendes neues Programmschema vorstellte. Besser gesagt: Er war physisch nicht anwesend. Die Kritik, die Frickel bereits vorab an der künftigen Ausrichtung des in Straßburg ansässigen Kultursenders geäußert hatte, prägte allerdings zahlreiche Wortbeiträge der Veranstaltung. Der Vorsitzende des Interessenverbandes, der befürchtet, dass bei Arte unabhängige, randständige Dokumentarfilme künftig zu kurz kommen, hatte verschiedenen Medien – so auch der FK – die im Juni dieses Jahres von der Arte-Mitgliederversammlung verabschiedete Beschlussfassung des Vorstands zukommen lassen. Besonders verärgert zeigten sich die Verantwortlichen des Senders in Hamburg über einen Artikel bei „Spiegel Online“, der am 11. November unter der interessanten Überschrift „Huch, wo ist denn unser Anspruch hin?“ erschienen war. Der Autor des Beitrags hatte aus den internen Arte-Papieren zitiert."
Das Hamburger Abendblatt nimmt Bezug auf den Spiegel-Titel: "Die Zeile bezieht sich auf das neue durchformatisierte Programmschema von Arte, das befürchten lässt, dass es für Sperriges, für das es auf ARD und ZDF längst keine Sendeplätze mehr gibt, auch bei dem Kulturkanal eng wird. Dazu präsentierte der Online-Dienst Zitate aus einem internen Arte-Papier. (...) Die Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen, sagten die Arte-Offiziellen gestern. Mag sein. Aber schon seit Längerem beobachtet der Geschäftsführer der Dokumentarfilmervereinigung AG DOK, Thomas Frickel, dass Angehörige seiner Zunft immer seltener Anspruchsvolles bei Arte unterbringen können. Wer ihn kennt, weiß, dass er nicht der Querulant ist, als den ihn die Arte-Gewaltigen gern darstellen.
Im Hamburger Abendblatt an anderer Stelle: "Zu vernehmen waren aber auch Töne, die man bei Arte-Programmpressekonferenzen sonst so nicht hört. Man wolle "Kultur demokratisieren", sagte Arte-Präsidentin Véronique Cayla salbungsvoll, "damit alle Zuschauerschichten teilhaben können". Inhalte sollten einem "breiten Publikum zugänglich" gemacht werden. Zu Deutsch: Arte, das hierzulande auf einen Marktanteil von 0,8 Prozent kommt, will mehr Zuschauer. Erreichen soll die ein neues, komplett durchformatisiertes Programmschema."
Die Süddeutsche schreibt: "Neues Programmschema - Arte umwirbt Dokumentarfilmer": Für die Präsentation des neuen Programmschemas am Montag in Hamburg schien sich Arte vor allem ein Ziel gesetzt zu haben: Den Dokumentarfilmern der Republik sollte warm ums Herz werden. Arte sei weiterhin der Sender der Autoren, das gehöre zu den "Basics" des Unternehmens, sagte Programmdirektor Christoph Hauser (...). Grund für die verbale Umarmung einer ganzen Branche war die vorab von der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok) geäußerte Kritik am künftigen Programmschema. Der Interessenverband befürchtet, Arte werde sich allzu populär ausrichten und stützt sich auf interne Papiere des deutsch-französischen Kulturkanals - dort heißt es etwa, "der Ton" des Programms müsse "freundlicher, emotionaler und zugänglicher werden".
Auch Die tageszeitung greift die Kritik der AG DOK auf: "Arte-Programmdirektor Christoph Hauser widersprach den Dokumentarfilmern am Montag. Fast 40 Prozent des neuen Programmschemas seien Dokumentationen. Zudem gebe es im kommenden Jahr 80 Stunden mehr dokumentarische Erstausstrahlungen als im laufenden Jahr. Trotzdem erhält die AG Dok ihre Kritik am neuen Arte-Schema aufrecht. "Darauf hinzuweisen, dass es im kommenden Jahr mehr Dokumentationen gibt, reicht nicht aus", sagt Geschäftsführer Thomas Frickel. Mehr Quantität bedeute nicht mehr Qualität."
René Martens in der Funkkorrespondenz :
"Thomas Frickel, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok), war zwar nicht anwesend, als der deutsch-französische Fernsehsender Arte am 14. November auf einer Pressekonferenz in Hamburg sein ab Januar 2012 geltendes neues Programmschema vorstellte. Besser gesagt: Er war physisch nicht anwesend. Die Kritik, die Frickel bereits vorab an der künftigen Ausrichtung des in Straßburg ansässigen Kultursenders geäußert hatte, prägte allerdings zahlreiche Wortbeiträge der Veranstaltung. Der Vorsitzende des Interessenverbandes, der befürchtet, dass bei Arte unabhängige, randständige Dokumentarfilme künftig zu kurz kommen, hatte verschiedenen Medien – so auch der FK – die im Juni dieses Jahres von der Arte-Mitgliederversammlung verabschiedete Beschlussfassung des Vorstands zukommen lassen. Besonders verärgert zeigten sich die Verantwortlichen des Senders in Hamburg über einen Artikel bei „Spiegel Online“, der am 11. November unter der interessanten Überschrift „Huch, wo ist denn unser Anspruch hin?“ erschienen war. Der Autor des Beitrags hatte aus den internen Arte-Papieren zitiert."
von Heiko Hilker
(19.12.11) „Dokumentarfilme können auch anders“, heißt es beim MDR. „Der MITTELDEUTSCHE RUNDFUNK wird 20 Jahre alt. Der perfekte Anlass, um mit 20 jungen Leuten ein innovatives Projekt auf die Beine zu stellen. Im Rahmen einer engen Zusammenarbeit zwischen der Dokumentarfilmredaktion des MDR FERNSEHENS und den mitteldeutschen Universitäten und Hochschulen in Weimar, Dessau, Leipzig, Merseburg, Halle und Mittweida haben Studentinnen und Studenten verschiedenster Fachrichtungen spannende Kurzfilme...
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20 Kurzfilme zum 20. Geburtstag des MDR: "I love Mitteldeutschland"
von Heiko Hilker
(19.12.11) „Dokumentarfilme können auch anders“, heißt es beim MDR. „Der MITTELDEUTSCHE RUNDFUNK wird 20 Jahre alt. Der perfekte Anlass, um mit 20 jungen Leuten ein innovatives Projekt auf die Beine zu stellen. Im Rahmen einer engen Zusammenarbeit zwischen der Dokumentarfilmredaktion des MDR FERNSEHENS und den mitteldeutschen Universitäten und Hochschulen in Weimar, Dessau, Leipzig, Merseburg, Halle und Mittweida haben Studentinnen und Studenten verschiedenster Fachrichtungen spannende Kurzfilme über unsere Heimat gedreht. (…) In insgesamt 20 Filmen mit einer Länge von vier bis acht Minuten werden teils klassisch dokumentarisch, teils kreativ-experimentell die verschiedensten Lebensgeschichten erzählt. Sie zeigen ein schillerndes Gesamtbild Mitteldeutschlands, das dem Hier und Jetzt zugewandt ist und das es uns ermöglicht, unsere Heimat durch die Augen junger Menschen zu betrachten.“
Die Projektleiterin Dr. Katja Wildermuth beschreibt die Idee der Kurzrfilmreihe mit dem Titel I love Mitteldeutschland : „20 Jahre MDR - da stand die Frage im Raum: "Was machen wir?" Es gibt schon viele Projekte, die die Umbruchszeit in der Region dokumentierten und zeigten, welche Bedeutung sie für die Menschen hatte. Historisch ist das alles sehr gut aufgearbeitet. Also machen wir als Dokumentarfilm-Redaktion etwas Neues: Wir betrachten den Osten aus dem Heute. Und das aus der Sicht von jungen Leuten - unverbraucht. Wir wollten ohne den historischen Hall auf die Region blicken und schauen, warum die Leute gern hier leben. (…) Die Filme porträtieren Menschen aus Mitteldeutschland, teilweise sind es auch Selbstporträts. Die Studenten konnten alles machen. Ihre Werke sind also bewusst offen gehalten. Wir zeigen natürlich nur spannende und interessante Filme, Porträts über tolle Typen. Einige sind mir besonders im Gedächtnis geblieben.“
Als der RBB vor einem Jahr, am 1. Oktober 2010, die dokumentarische Kurzfilmreihe „20x Brandenburg“ zeigte, die 2011 auch mit dem Grimmepreis ausgezeichnet wurde, liefen die 20 fünfzehnminütigen Filme ab 20.15 Uhr hintereinander weg – also zur besten Sendezeit. Der MDR zeigte sein „schillerndes Gesamtbild Mitteldeutschlands“ von 113 Minuten am zweiten Adventssonntag ab 23.40 Uhr (!).
Handelt es sich um ein „schillerndes Gesamtbild Mitteldeutschlands“? Das kann man in der MDR-Mediathek weitestgehend nachvollziehen. Denn von den 20 Filmen sind 18 in der Mediathek. Allerdings ist es fraglich, ob ein Gesamtbild Mitteldeutschlands entsteht, wenn man „unsere Heimat durch die Augen junger Menschen“ betrachtet. Zumal in dem dazugehörigen Trailer („I love Mitteldeutschland“) behauptet wird, dass die Protagonisten Mitteldeutschland „lieben“ (1:06). Gehört zu Mitteldeutschland nicht mehr? Wo bleiben Natur und Kultur, aber auch die Unternehmen? Ja, wer identifiziert sich mit „Mitteldeutschland“? Was kann man sich unter Mitteldeutschland überhaupt vorstellen? „Es handelt sich dabei um ein historisch sehr flexibles Konstrukt. Das war einmal das Wirtschaftsgebiet Halle/ Leipzig – ein sehr beachtetes, starkes Wirtschaftsgebiet, was man auch entsprechend zur Geltung bringen wollte“, so Prof. Dr. Kurt Mühler. „In der westdeutschen Politiksprache der 1960er Jahre wurde der Begriff verwendet, um indirekt auf die Nichtanerkennung der Oder-Neiße-Grenze zu verweisen. Damit war Mitteldeutschland ein Synonym für die DDR oder Ostdeutschland. Und heute haben wir drei Bundesländer, die Mitteldeutschland repräsentieren sollen. Zum anderen ist der Markt an regionalen Identifikationsangeboten zu groß. Auf der nationalen und auf der lokalen Ebene ist alles klar.“ Dass Mitteldeutschland etwas Eigenständiges darstellen soll, ist kaum im Bewusstsein der Menschen. Sie können nicht sagen, was sie darunter verstehen sollen. Eine Identifikation mit Mitteldeutschland habe für den Alltag der Menschen keinen großen Nutzen. Zumal die Bundesländer als Identifikationsobjekte ziemlich stark etabliert seien. „Allenfalls verbinden sie den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) damit.“ Das könnte sich ändern, wenn Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu einem Bundesland fusionieren. „Dann wäre Mitteldeutschland eine administrative, etablierte Bezugseinheit, zu der man eine Beziehung aufbauen kann“, so Kurt Mühler.
„Dokumentarfilme sind in ihrer Mehrheit große, 90-minütige, teure und mit viel Arbeit und Zeit verbundene Kunstwerke. Wir wollten zeigen, dass Dokumentarfilme auch anders können“, so Katja Wildermuth. Doch nur wenige große Dokumentarfilme sind 90 Minuten lang. Und selbst die 90-Minüter sind im Fernsehen die Minderheit. Zudem können selbst kurze Filme mit viel Arbeit und Zeit verbunden sein.
Die Projekte sind vergleichbar. Der MDR hat gezeigt, dass er es anders kann – als der RBB. Vom inhaltlichen und finanziellen Aufwand her, vom Anspruch und von der Platzierung im Programm wie auch mit der dazugehörigen Öffentlichkeitsarbeit. Während man die neueste Ausgabe des studentischen Filmmagazins UNCATO (18.12., 1.40 Uhr) am 8.12. ankündigte wie auch die MDR/BBC-Dokumentation über Wladimir Putin auf dem Doku-Platz am Sonntag bewarb, findet sich dazu im MDR-Pressebereich kein Hinweis auf „I love Mitteldeutschland“. Wenn man von den Filmen der Studierenden so überzeugt war, hätte man sie auch ab 20.15 Uhr zeigen können. Dann hätten wesentlich mehr Menschen sie sehen können.
So bleibt festzustellen: „I love Mitteldeutschland“ war und ist für den MDR kein Prestigeprojekt.
Die Projektleiterin Dr. Katja Wildermuth beschreibt die Idee der Kurzrfilmreihe mit dem Titel I love Mitteldeutschland : „20 Jahre MDR - da stand die Frage im Raum: "Was machen wir?" Es gibt schon viele Projekte, die die Umbruchszeit in der Region dokumentierten und zeigten, welche Bedeutung sie für die Menschen hatte. Historisch ist das alles sehr gut aufgearbeitet. Also machen wir als Dokumentarfilm-Redaktion etwas Neues: Wir betrachten den Osten aus dem Heute. Und das aus der Sicht von jungen Leuten - unverbraucht. Wir wollten ohne den historischen Hall auf die Region blicken und schauen, warum die Leute gern hier leben. (…) Die Filme porträtieren Menschen aus Mitteldeutschland, teilweise sind es auch Selbstporträts. Die Studenten konnten alles machen. Ihre Werke sind also bewusst offen gehalten. Wir zeigen natürlich nur spannende und interessante Filme, Porträts über tolle Typen. Einige sind mir besonders im Gedächtnis geblieben.“
Als der RBB vor einem Jahr, am 1. Oktober 2010, die dokumentarische Kurzfilmreihe „20x Brandenburg“ zeigte, die 2011 auch mit dem Grimmepreis ausgezeichnet wurde, liefen die 20 fünfzehnminütigen Filme ab 20.15 Uhr hintereinander weg – also zur besten Sendezeit. Der MDR zeigte sein „schillerndes Gesamtbild Mitteldeutschlands“ von 113 Minuten am zweiten Adventssonntag ab 23.40 Uhr (!).
Handelt es sich um ein „schillerndes Gesamtbild Mitteldeutschlands“? Das kann man in der MDR-Mediathek weitestgehend nachvollziehen. Denn von den 20 Filmen sind 18 in der Mediathek. Allerdings ist es fraglich, ob ein Gesamtbild Mitteldeutschlands entsteht, wenn man „unsere Heimat durch die Augen junger Menschen“ betrachtet. Zumal in dem dazugehörigen Trailer („I love Mitteldeutschland“) behauptet wird, dass die Protagonisten Mitteldeutschland „lieben“ (1:06). Gehört zu Mitteldeutschland nicht mehr? Wo bleiben Natur und Kultur, aber auch die Unternehmen? Ja, wer identifiziert sich mit „Mitteldeutschland“? Was kann man sich unter Mitteldeutschland überhaupt vorstellen? „Es handelt sich dabei um ein historisch sehr flexibles Konstrukt. Das war einmal das Wirtschaftsgebiet Halle/ Leipzig – ein sehr beachtetes, starkes Wirtschaftsgebiet, was man auch entsprechend zur Geltung bringen wollte“, so Prof. Dr. Kurt Mühler. „In der westdeutschen Politiksprache der 1960er Jahre wurde der Begriff verwendet, um indirekt auf die Nichtanerkennung der Oder-Neiße-Grenze zu verweisen. Damit war Mitteldeutschland ein Synonym für die DDR oder Ostdeutschland. Und heute haben wir drei Bundesländer, die Mitteldeutschland repräsentieren sollen. Zum anderen ist der Markt an regionalen Identifikationsangeboten zu groß. Auf der nationalen und auf der lokalen Ebene ist alles klar.“ Dass Mitteldeutschland etwas Eigenständiges darstellen soll, ist kaum im Bewusstsein der Menschen. Sie können nicht sagen, was sie darunter verstehen sollen. Eine Identifikation mit Mitteldeutschland habe für den Alltag der Menschen keinen großen Nutzen. Zumal die Bundesländer als Identifikationsobjekte ziemlich stark etabliert seien. „Allenfalls verbinden sie den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) damit.“ Das könnte sich ändern, wenn Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu einem Bundesland fusionieren. „Dann wäre Mitteldeutschland eine administrative, etablierte Bezugseinheit, zu der man eine Beziehung aufbauen kann“, so Kurt Mühler.
„Dokumentarfilme sind in ihrer Mehrheit große, 90-minütige, teure und mit viel Arbeit und Zeit verbundene Kunstwerke. Wir wollten zeigen, dass Dokumentarfilme auch anders können“, so Katja Wildermuth. Doch nur wenige große Dokumentarfilme sind 90 Minuten lang. Und selbst die 90-Minüter sind im Fernsehen die Minderheit. Zudem können selbst kurze Filme mit viel Arbeit und Zeit verbunden sein.
Die Projekte sind vergleichbar. Der MDR hat gezeigt, dass er es anders kann – als der RBB. Vom inhaltlichen und finanziellen Aufwand her, vom Anspruch und von der Platzierung im Programm wie auch mit der dazugehörigen Öffentlichkeitsarbeit. Während man die neueste Ausgabe des studentischen Filmmagazins UNCATO (18.12., 1.40 Uhr) am 8.12. ankündigte wie auch die MDR/BBC-Dokumentation über Wladimir Putin auf dem Doku-Platz am Sonntag bewarb, findet sich dazu im MDR-Pressebereich kein Hinweis auf „I love Mitteldeutschland“. Wenn man von den Filmen der Studierenden so überzeugt war, hätte man sie auch ab 20.15 Uhr zeigen können. Dann hätten wesentlich mehr Menschen sie sehen können.
So bleibt festzustellen: „I love Mitteldeutschland“ war und ist für den MDR kein Prestigeprojekt.
AG DOK kritisiert Programmreform
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(c) arte
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(12.11.11) Seit Jahren wird die Tendenz zur Popularisierung bei ARTE von der AG DOK kritisiert, nun ist es amtlich: der Kulturkanal entfernt sich noch weiter von der Idee seiner Gründer, ein deutsch-französisches Gemeinschaftsprogramm mit Anspruch auf die Beine zu stellen. Nachzulesen ist dieser Wandel vor allem in den Sendeplatzbeschreibungen , die am kommenden Montag zusammen mit dem neuen Sendeschema
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ARTE: Popularisierung und Profilverlust
AG DOK kritisiert Programmreform
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(c) arte
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(12.11.11) Seit Jahren wird die Tendenz zur Popularisierung bei ARTE von der AG DOK kritisiert, nun ist es amtlich: der Kulturkanal entfernt sich noch weiter von der Idee seiner Gründer, ein deutsch-französisches Gemeinschaftsprogramm mit Anspruch auf die Beine zu stellen. Nachzulesen ist dieser Wandel vor allem in den Sendeplatzbeschreibungen , die am kommenden Montag zusammen mit dem neuen Sendeschema bei einer Pressekonferenz in Hamburg vorgestellt werden sollen.
Von dem „Sicheinlassen auf Unbekanntes“, von „einer anderen Art fernzusehen“ und von der Aussage „Wir machen Prototypen“ – also von den Programm-Grundsätzen , die noch zum zehnjährigen ARTE-Jubiläum im Mittelpunkt standen und in Veröffentlichungen als einzigartiges Sender-Profil gefeiert wurden, ist heute jedenfalls nicht mehr die Rede.
Spiegel online hat sich das neue Programmschema vorgeköpft und fragt erstaunt: „Huch. Wo ist denn unser Anspruch hin?“
Die AG DOK hat sich bereits im Juni 2011 am Rande eines deutsch-französischen Koproduktionstreffens in La Rochelle zusammen mit zwei französischen Produzentenverbänden sehr intensiv mit der aktuellen Programmstrukturreform des deutsch-französischen Kulturkanals ARTE beschäftigt und eine gemeinsame Presse-Erklärung verabschiedet.
Von dem „Sicheinlassen auf Unbekanntes“, von „einer anderen Art fernzusehen“ und von der Aussage „Wir machen Prototypen“ – also von den Programm-Grundsätzen , die noch zum zehnjährigen ARTE-Jubiläum im Mittelpunkt standen und in Veröffentlichungen als einzigartiges Sender-Profil gefeiert wurden, ist heute jedenfalls nicht mehr die Rede.
Spiegel online hat sich das neue Programmschema vorgeköpft und fragt erstaunt: „Huch. Wo ist denn unser Anspruch hin?“
Die AG DOK hat sich bereits im Juni 2011 am Rande eines deutsch-französischen Koproduktionstreffens in La Rochelle zusammen mit zwei französischen Produzentenverbänden sehr intensiv mit der aktuellen Programmstrukturreform des deutsch-französischen Kulturkanals ARTE beschäftigt und eine gemeinsame Presse-Erklärung verabschiedet.
ein Diskussionsvorschlag der AG DOK
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(c) 2011 Martin Jehnichen
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(20.10.2011) Berechnungen zufolge spült der neue Rundfunkbeitrag 800 Mio. zusätzlich in die Kassen von ARD und ZDF. Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK) schlägt deshalb vor, einen Teil der Haushaltsabgabe durch pluralistische Gremien anders verteilen zu lassen: zehn Prozent sollen für freie Internet-Projekte – darunter natürlich auch Filme – zur Verfügung gestellt werden, um damit Information, Bildung und Kultur, aufregende Experimente, gewagte Themen und Formen zu ermöglichen...
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Von der Rundfunkgebühr zur Haushaltsabgabe: Die historische Chance für Demokratie, Pluralismus und kulturelle Vielfalt!
ein Diskussionsvorschlag der AG DOK
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(c) 2011 Martin Jehnichen
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(20.10.2011) Berechnungen zufolge spült der neue Rundfunkbeitrag 800 Mio. zusätzlich in die Kassen von ARD und ZDF. Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK) schlägt deshalb vor, einen Teil der Haushaltsabgabe durch pluralistische Gremien anders verteilen zu lassen: zehn Prozent sollen für freie Internet-Projekte – darunter natürlich auch Filme – zur Verfügung gestellt werden, um damit Information, Bildung und Kultur, aufregende Experimente, gewagte Themen und Formen zu ermöglichen und das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem auf eine bereitere und zukunftsfähige Basis zu stellen.
Auf unserer Veranstaltung DIE HAUSHALTSABGABE - NEUE CHANCEN FÜR DEN UNABHÄNGIGEN FILM? in Zusammenarbeit mit DOK Leipzig haben wir dieses Konzept vorgestellt und mit Vertretern der „Netzgemeinde" diskutiert.
LInk zum Thesenpapier der AG DOK
Auf unserer Veranstaltung DIE HAUSHALTSABGABE - NEUE CHANCEN FÜR DEN UNABHÄNGIGEN FILM? in Zusammenarbeit mit DOK Leipzig haben wir dieses Konzept vorgestellt und mit Vertretern der „Netzgemeinde" diskutiert.
LInk zum Thesenpapier der AG DOK
von Eckart Lottmann
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(c) 2011 Angelika Huber
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(18.10.11) Der Kinosaal im Kölner „Filmhaus“ war prall gefüllt. Viele jüngere Menschen waren gekommen, um drei Tage lang (13.-15.10.2011) Referate zu hören, Filme zu sehen, Positionen zu vergleichen, das Thema war prominent („Politik im Dokumentarfilm“), die Veranstalter renommiert (zumindest die Dokumentarfilminiative, DFI). Petra Schmitz (DFI) sagte anfangs, worum es bei dieser Tagung gehe: Die Kategorien und Analysen der Wissenschaft zusammen zu bringen mit denen der Filmemacher. Das...
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„Politik im Dokumentarfilm“ - Die Kölner Tagung der Dokumentarfilminiative bringt Wissenschaftler zusammen
von Eckart Lottmann
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(c) 2011 Angelika Huber
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(18.10.11) Der Kinosaal im Kölner „Filmhaus“ war prall gefüllt. Viele jüngere Menschen waren gekommen, um drei Tage lang (13.-15.10.2011) Referate zu hören, Filme zu sehen, Positionen zu vergleichen, das Thema war prominent („Politik im Dokumentarfilm“), die Veranstalter renommiert (zumindest die Dokumentarfilminiative, DFI). Petra Schmitz (DFI) sagte anfangs, worum es bei dieser Tagung gehe: Die Kategorien und Analysen der Wissenschaft zusammen zu bringen mit denen der Filmemacher. Das klappte nicht so ganz, trotzdem war es eine interessante Veranstaltung.
Die Rede war zunächst von einer „Renaissance des Politischen im Dokumentarfilm“, doch Jan Verwoert (Berlin) gab gleich zu bedenken, dass man einen Begriff wie diesen zwar in einem Förderantrag verwende, aber … das Weitere ließ er beziehungsreich in der Schwebe. Jan Verwoerts Vortrag über das Dokumentarische in der Kunst war spannend, verständlich, frei gehalten, hier begriffen die Anwesenden viel vom Wollen und Vorgehen einer Kunst, die sich (auch) als politische versteht. Julia Zutavern sprach dann über den „Bewegungsfilm als politische Praxis“. Die junge Filmwissenschaftlerin aus Zürich gestand verlegen, dass sie quasi zum ersten Mal ihr Promotionsthema öffentlich vorstelle. Und trotz mancher brauchbaren Einteilung, klug gefundener Kategorie ahnte man: Hier fehlt es an Lebenserfahrung, hier fehlt es an praktischer und emotionaler Beteiligtheit am gewählten Thema.
Ein Eindruck, den manche der Referenten, die vom Mit-Organisator der Tagung, der „Diskurswerkstatt Bochum-Dortmund“ gestellt wurden, bestätigten. Manche, gewiss nur manche, hatten Mühe, ihr Manuskript ordentlich vorzulesen, so nervös waren sie. Dabei war das Publikum durchaus nett und willig, alles mitzumachen. Die Referenten retteten sich in akademische Analysen, in lange mit Fremdwörtern gespickten Sätzen. Sie sprachen von „Diskursivierungen der dokumentarischen Form“, von „polizeilicher Ordnung“, von „Referenzwert des einzelnen Bildes“, von „Prozessen“, in denen „Bilder zu Markierungen“ werden. Und immer wieder bezogen sie sich auf Thesen des französischen Philosophen Jacques Rancière. Rancière ist, so scheint es, der neue Guru der jüngeren Filmwissenschaftler: Berief man sich früher auf Adorno, auf Habermas, auf Negt/Kluge, so kommt heute kaum einer der Referenten ohne Zitate von Rancière aus. Mehrere Werke von Rancière beziehen sich auf Medien, speziell das Medium Film, „welches sowohl Repräsentation als auch enthierarchisierter Diskurs ist“ (so Wikipedia).
Interessant, dass etliche der jüngeren Referenten Filmausschnitte ankündigten mit den Worten, sie belegten das eben Gesagte. Und wenn dann der Filmausschnitt (der einige Minuten dauerte) gelaufen war, bezogen sie sich nicht weiter auf ihn, sondern fuhren fort in ihren Darlegungen.
Einige der Filme wurden in ganzer Länge gezeigt. Der Film „Standard Operating Procedure” von Errol Morris zeigt im Wesentlichen Interviews mit den Soldatinnen und Soldaten, die im irakischen Gefängnis Abu Ghraib irakische Häftlinge misshandelten, diese Misshandlungen auch noch fotografierten und deshalb zum Teil zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Ein fast zweistündiger Film, der emotional sehr beeindruckt, an dem man gleichwohl Kritik üben kann. Volko Kamensky aus Hamburg tat dies, deutlich bezogen auf die Tonebene. Er legte dar, dass der Film mit vorgefertigter, emotional klischeehafter Musik und Geräuschen arbeite. Er fand, dass die „Fiktionalisierung“ des Films durch den Filmton befördert wurde. Da hatte er Recht. Er hatte nicht Recht, als er den Film wegen dieser Tonbearbeitung insgesamt als „apolitisch“ wertete. Da schoss er, meiner Meinung nach, über das Ziel hinaus.
Mehreren Referaten war gemein, dass sie die Kriterien „politisch“ und „apolitisch“ nicht nur an Inhalt und Zielen, an der Wirkung des Films festmachen wollten. Sie sprachen auch von der Gestaltung: Sind die Bilder „konventionell“, folge die Machart insgesamt den wie Klischees bekannten Prinzipien, waren sie eher geneigt, den Film (oder Teile des Films) als „apolitisch“ einzuordnen. Zu spüren war, wenn ich es einmal emotional formulieren darf, der kalte Hauch der Wissenschaft: Da werden Kategorien formuliert, Einteilungen getroffen, und von Leidenschaft, Sensibilität, von Gefühlen ist nichts zu spüren.
Klaus Theweleit, der inzwischen schon ältere, aber sehr lebhafte Autor und Kulturwissenschaftler, sagte, über Musik zu reden, sei ziemlich unerträglich. Und fast so furchtbar wie über Musik zu reden, sei es, über Film zu reden. Er tat es dann doch, aber auf seine Art. Er redete hauptsächlich über einen Film, „Eure Kinder werden so wie wir“ von Andree Korpys und Markus Löffler, der vorher gelaufen war. Theweleit zeigte damit, dass man sehr wohl kluge Sachen zur Analyse von Filmen sagen kann – und dass man trotzdem in wesentlichen Aussagen daneben liegen kann.
„Eure Kinder werden so wie wir“ ist ein „Dokumentarfilm“, der auf einen Kommentar verzichtet. Er zeigt Ereignisse von Demonstrationen in Gorleben und Heiligendamm, erklärtermaßen den Rand von ihnen. Dass der Film irgendwann von Schauplätzen bei Gorleben übergeht zu denen bei Heiligendamm, macht er selbst nicht konkret nachvollziehbar – erst der Abspann informiert die Zuschauer darüber. Zu sehen sind anfangs lyrische Bilder in den Wäldern um Gorleben, dann nächtliche Szenen des Demonstranten-Lagers und der polizeilichen Räumung dieses Lagers, dann das Einfahren der Castorp-Behälter und weitere Bilder von auffahrenden Transportern und LKWs. Interessant ist u.a. die Tonebene: Zunächst schlafen die Demonstranten zu einem offenbar von ihnen selbst bewirkten Percussion-Konzert friedlich, dann fängt die Polizei an, die Leute wegzuziehen, aber der südamerikanisch klingende Percussion-Sound bleibt so, wie er ist. Später ist ausführlich das Quaken der Frösche in der wohl feuchten Umgebung zu hören, damit wir verstehen, dass hier die kalte Technik die Natur belästigt.
Theweleit fand diesen Film gut, analysierte Zutreffendes, wie das Zitieren verschiedener Filmgenres durch die Bilder dieses Films. Er sprach nicht vom Inhalt des Films. Kann man heute noch einen Film so beschreiben lassen, dass uniformierte Polizisten andere zivil gekleidete Menschen wegräumen, und darauf hoffen, dass die politischen Zusammenhänge den Zuschauern bekannt sind? Ich will keine trockenen Beweis-Sequenzen fordern, nur fragen: Handelt es sich hier nicht um einen „Bewegungsfilm“ der alten Form, der eigentlich nur für die damals Beteiligten und ihre Sympatisanten interessant ist, aber nicht für andere, die Argumente brauchen?
Judith Keilbach, Fernsehwissenschaftlerin aus Utrecht, brachte einige interessante Filmausschnitte mit, zum Beispiel einen aus dem Film „Lagerstraße Auschwitz“, ein Interview, das Autor Ebbo Demant mit dem damals verurteilten Auschwitz-Mörder Josef Klehr führte. Klehr konnte in diesem Film ausführlich sagen, wie die Juden in Auschwitz umgebracht wurden – daran war er massgeblich beteiligt. Hier ergaben sich Parallelen zu „Standing Operating Procedure“: Die Täter können ihre Sichtweise mitteilen. Keilbach hätte dazu, wäre dafür die Zeit gewesen, sicherlich viel Erhellendes sagen können. Wenn sie sagt, politische dokumentarische Filme machten sich zum „Anwalt einer Sache“, dann steckt darin eine gesellschafts¬politische Grundierung, man könnte auch sagen: moralische Grundlage, die freilich mit den auf der Tagung präsentierten Methoden nicht zu fassen war.
Matthias Thiele von der „Diskurswerkstatt Bochum-Dortmund“ sprach abschließend noch von den Begriffen, die er nicht „zum Tanzen bringen lassen“ will: Begriffe wie „Freiheit“ oder „Gleichheit“. Sie sollten, so verstehe ich ihn, nicht durch vielfältige Analysemethoden aufgelöst und bedeutungslos, unwichtig gemacht werden. Hier war sie wohl, die „moralische“ oder „politische“ Grundlage. Das Politische, sagte Thiele, sei immer auf den „Dissens“ angewiesen, auf Brüche, Widersprüche zu dem Bestehenden, er verstand das Politische als „Einmischung“. Das reine Beobachten, das Nennen von Zahlen und Zusammenhängen allein sei nicht politisch. Doch: Wie weit kann ein Film gehen in der Beschreibung, wo fängt die Analyse an, wo die Einmischung, wie sieht sie aus? Das wäre eine andere Diskussion gewesen. Eine, deren Notwendigkeit wenigstens am Schluss klar wurde. Hier ging es aber um die Wissenschaft, zumindest um die, die die jungen Theoretiker gelernt haben. Man kann auch anders über Filme reden. Und ich meine: Man sollte auch anders über sie reden. Auch wenn die Tagung in Köln anregend war.
Silvia Hallensleben schreibt in der taz über die Kölner Tagung unter dem Titel Blick in die postkapitalistische Zukunft
Die Rede war zunächst von einer „Renaissance des Politischen im Dokumentarfilm“, doch Jan Verwoert (Berlin) gab gleich zu bedenken, dass man einen Begriff wie diesen zwar in einem Förderantrag verwende, aber … das Weitere ließ er beziehungsreich in der Schwebe. Jan Verwoerts Vortrag über das Dokumentarische in der Kunst war spannend, verständlich, frei gehalten, hier begriffen die Anwesenden viel vom Wollen und Vorgehen einer Kunst, die sich (auch) als politische versteht. Julia Zutavern sprach dann über den „Bewegungsfilm als politische Praxis“. Die junge Filmwissenschaftlerin aus Zürich gestand verlegen, dass sie quasi zum ersten Mal ihr Promotionsthema öffentlich vorstelle. Und trotz mancher brauchbaren Einteilung, klug gefundener Kategorie ahnte man: Hier fehlt es an Lebenserfahrung, hier fehlt es an praktischer und emotionaler Beteiligtheit am gewählten Thema.
Ein Eindruck, den manche der Referenten, die vom Mit-Organisator der Tagung, der „Diskurswerkstatt Bochum-Dortmund“ gestellt wurden, bestätigten. Manche, gewiss nur manche, hatten Mühe, ihr Manuskript ordentlich vorzulesen, so nervös waren sie. Dabei war das Publikum durchaus nett und willig, alles mitzumachen. Die Referenten retteten sich in akademische Analysen, in lange mit Fremdwörtern gespickten Sätzen. Sie sprachen von „Diskursivierungen der dokumentarischen Form“, von „polizeilicher Ordnung“, von „Referenzwert des einzelnen Bildes“, von „Prozessen“, in denen „Bilder zu Markierungen“ werden. Und immer wieder bezogen sie sich auf Thesen des französischen Philosophen Jacques Rancière. Rancière ist, so scheint es, der neue Guru der jüngeren Filmwissenschaftler: Berief man sich früher auf Adorno, auf Habermas, auf Negt/Kluge, so kommt heute kaum einer der Referenten ohne Zitate von Rancière aus. Mehrere Werke von Rancière beziehen sich auf Medien, speziell das Medium Film, „welches sowohl Repräsentation als auch enthierarchisierter Diskurs ist“ (so Wikipedia).
Interessant, dass etliche der jüngeren Referenten Filmausschnitte ankündigten mit den Worten, sie belegten das eben Gesagte. Und wenn dann der Filmausschnitt (der einige Minuten dauerte) gelaufen war, bezogen sie sich nicht weiter auf ihn, sondern fuhren fort in ihren Darlegungen.
Einige der Filme wurden in ganzer Länge gezeigt. Der Film „Standard Operating Procedure” von Errol Morris zeigt im Wesentlichen Interviews mit den Soldatinnen und Soldaten, die im irakischen Gefängnis Abu Ghraib irakische Häftlinge misshandelten, diese Misshandlungen auch noch fotografierten und deshalb zum Teil zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Ein fast zweistündiger Film, der emotional sehr beeindruckt, an dem man gleichwohl Kritik üben kann. Volko Kamensky aus Hamburg tat dies, deutlich bezogen auf die Tonebene. Er legte dar, dass der Film mit vorgefertigter, emotional klischeehafter Musik und Geräuschen arbeite. Er fand, dass die „Fiktionalisierung“ des Films durch den Filmton befördert wurde. Da hatte er Recht. Er hatte nicht Recht, als er den Film wegen dieser Tonbearbeitung insgesamt als „apolitisch“ wertete. Da schoss er, meiner Meinung nach, über das Ziel hinaus.
Mehreren Referaten war gemein, dass sie die Kriterien „politisch“ und „apolitisch“ nicht nur an Inhalt und Zielen, an der Wirkung des Films festmachen wollten. Sie sprachen auch von der Gestaltung: Sind die Bilder „konventionell“, folge die Machart insgesamt den wie Klischees bekannten Prinzipien, waren sie eher geneigt, den Film (oder Teile des Films) als „apolitisch“ einzuordnen. Zu spüren war, wenn ich es einmal emotional formulieren darf, der kalte Hauch der Wissenschaft: Da werden Kategorien formuliert, Einteilungen getroffen, und von Leidenschaft, Sensibilität, von Gefühlen ist nichts zu spüren.
Klaus Theweleit, der inzwischen schon ältere, aber sehr lebhafte Autor und Kulturwissenschaftler, sagte, über Musik zu reden, sei ziemlich unerträglich. Und fast so furchtbar wie über Musik zu reden, sei es, über Film zu reden. Er tat es dann doch, aber auf seine Art. Er redete hauptsächlich über einen Film, „Eure Kinder werden so wie wir“ von Andree Korpys und Markus Löffler, der vorher gelaufen war. Theweleit zeigte damit, dass man sehr wohl kluge Sachen zur Analyse von Filmen sagen kann – und dass man trotzdem in wesentlichen Aussagen daneben liegen kann.
„Eure Kinder werden so wie wir“ ist ein „Dokumentarfilm“, der auf einen Kommentar verzichtet. Er zeigt Ereignisse von Demonstrationen in Gorleben und Heiligendamm, erklärtermaßen den Rand von ihnen. Dass der Film irgendwann von Schauplätzen bei Gorleben übergeht zu denen bei Heiligendamm, macht er selbst nicht konkret nachvollziehbar – erst der Abspann informiert die Zuschauer darüber. Zu sehen sind anfangs lyrische Bilder in den Wäldern um Gorleben, dann nächtliche Szenen des Demonstranten-Lagers und der polizeilichen Räumung dieses Lagers, dann das Einfahren der Castorp-Behälter und weitere Bilder von auffahrenden Transportern und LKWs. Interessant ist u.a. die Tonebene: Zunächst schlafen die Demonstranten zu einem offenbar von ihnen selbst bewirkten Percussion-Konzert friedlich, dann fängt die Polizei an, die Leute wegzuziehen, aber der südamerikanisch klingende Percussion-Sound bleibt so, wie er ist. Später ist ausführlich das Quaken der Frösche in der wohl feuchten Umgebung zu hören, damit wir verstehen, dass hier die kalte Technik die Natur belästigt.
Theweleit fand diesen Film gut, analysierte Zutreffendes, wie das Zitieren verschiedener Filmgenres durch die Bilder dieses Films. Er sprach nicht vom Inhalt des Films. Kann man heute noch einen Film so beschreiben lassen, dass uniformierte Polizisten andere zivil gekleidete Menschen wegräumen, und darauf hoffen, dass die politischen Zusammenhänge den Zuschauern bekannt sind? Ich will keine trockenen Beweis-Sequenzen fordern, nur fragen: Handelt es sich hier nicht um einen „Bewegungsfilm“ der alten Form, der eigentlich nur für die damals Beteiligten und ihre Sympatisanten interessant ist, aber nicht für andere, die Argumente brauchen?
Judith Keilbach, Fernsehwissenschaftlerin aus Utrecht, brachte einige interessante Filmausschnitte mit, zum Beispiel einen aus dem Film „Lagerstraße Auschwitz“, ein Interview, das Autor Ebbo Demant mit dem damals verurteilten Auschwitz-Mörder Josef Klehr führte. Klehr konnte in diesem Film ausführlich sagen, wie die Juden in Auschwitz umgebracht wurden – daran war er massgeblich beteiligt. Hier ergaben sich Parallelen zu „Standing Operating Procedure“: Die Täter können ihre Sichtweise mitteilen. Keilbach hätte dazu, wäre dafür die Zeit gewesen, sicherlich viel Erhellendes sagen können. Wenn sie sagt, politische dokumentarische Filme machten sich zum „Anwalt einer Sache“, dann steckt darin eine gesellschafts¬politische Grundierung, man könnte auch sagen: moralische Grundlage, die freilich mit den auf der Tagung präsentierten Methoden nicht zu fassen war.
Matthias Thiele von der „Diskurswerkstatt Bochum-Dortmund“ sprach abschließend noch von den Begriffen, die er nicht „zum Tanzen bringen lassen“ will: Begriffe wie „Freiheit“ oder „Gleichheit“. Sie sollten, so verstehe ich ihn, nicht durch vielfältige Analysemethoden aufgelöst und bedeutungslos, unwichtig gemacht werden. Hier war sie wohl, die „moralische“ oder „politische“ Grundlage. Das Politische, sagte Thiele, sei immer auf den „Dissens“ angewiesen, auf Brüche, Widersprüche zu dem Bestehenden, er verstand das Politische als „Einmischung“. Das reine Beobachten, das Nennen von Zahlen und Zusammenhängen allein sei nicht politisch. Doch: Wie weit kann ein Film gehen in der Beschreibung, wo fängt die Analyse an, wo die Einmischung, wie sieht sie aus? Das wäre eine andere Diskussion gewesen. Eine, deren Notwendigkeit wenigstens am Schluss klar wurde. Hier ging es aber um die Wissenschaft, zumindest um die, die die jungen Theoretiker gelernt haben. Man kann auch anders über Filme reden. Und ich meine: Man sollte auch anders über sie reden. Auch wenn die Tagung in Köln anregend war.
Silvia Hallensleben schreibt in der taz über die Kölner Tagung unter dem Titel Blick in die postkapitalistische Zukunft
Mittwoch, 19.10.2011 in Leipzig
Die AG DOK lädt ein zur ausserordentlichen Mitgliederversammlung am Mittwoch, den 19. Oktober 2011 um 10:00 Uhr in die Alte Nicolaischule, Nikolaikirchhof 2, in 04 109 Leipzig.
Thema: AUFBRUCH IN DIE MEDIENZUKUNFT
- Wo stehen wir? -
Ergebnisse der aktuellen Mitglieder-Befragung
- Was fehlt? -
Neue „Geschäftsfelder“ für die AG DOK
- Nomen est omen -
Brauchen wir einen neuen Namen?
- Was ist unsere Arbeit wert? -
Vorschläge zur Beitragsordnung
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AG DOK: AUSSERORDENTLICHE MITGLIEDERVERSAMMLUNG und Veranstaltung zur Haushaltsabgabe
Mittwoch, 19.10.2011 in Leipzig
Die AG DOK lädt ein zur ausserordentlichen Mitgliederversammlung am Mittwoch, den 19. Oktober 2011 um 10:00 Uhr in die Alte Nicolaischule, Nikolaikirchhof 2, in 04 109 Leipzig.
Thema: AUFBRUCH IN DIE MEDIENZUKUNFT
- Wo stehen wir? -
Ergebnisse der aktuellen Mitglieder-Befragung
- Was fehlt? -
Neue „Geschäftsfelder“ für die AG DOK
- Nomen est omen -
Brauchen wir einen neuen Namen?
- Was ist unsere Arbeit wert? -
Vorschläge zur Beitragsordnung
Anschließend ab 15:00 Uhr in Zusammenarbeit mit DOK Leipzig
im Zeitgeschichtlichen Forum, Grimmaische Str. 6, 04 109 Leipzig:
DIE HAUSHALTSABGABE - NEUE CHANCEN FÜR DEN UNABHÄNGIGEN FILM?
Berechnungen zufolge spült der neue Rundfunkbeitrag 800 Mio. zusätzlich in die Kassen von ARD und ZDF. Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK) schlägt deshalb vor, einen Teil der Haushaltsabgabe durch pluralistische Gremien anders verteilen zu lassen: zehn Prozent sollen für freie Internet-Projekte – darunter natürlich auch Filme – zur Verfügung gestellt werden, um damit Information, Bildung und Kultur, aufregende Experimente, gewagte Themen und Formen zu ermöglichen und das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem auf eine bereitere und zukunftsfähige Basis zu stellen.
Die AG DOK stellt dieses Konzept vor und diskutiert es mit Vertretern der „Netzgemeinde".
Kurzreferate:
1. Auftrag erfüllt?
Warum der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht leistet, was er soll – und wie man ihm bei der Erfüllung seines Auftrags helfen könnte: ein Modell der AG DOK
Thomas Frickel, Vorsitzender der AG DOK, www.agdok.de
2. Förderung, Vergabe oder Flattr - wie lässt sich die Rundfunkabgabe neu verteilen?..
Cay Wesnigk, Mitglied des Vorstands der AG DOK sowie Vorstandsvorsitzender der Onlinefilm AG, www.onlinefilm.org
3. GEZ für alle
Kai-Hinrich Renner, Medienjournalist (Hamburger Abendblatt) und Autor des Buches „Digital ist besser“
4. Warum gibt die GEZ nicht einen Teil der Gebühren für das Internet?
Falk Lüke, u.a. Autor und Projektmanager (u.a. newthinking communications), Vorstand DIGITALE GESELLSCHAFT digitalegesellschaft.de/
5. Alternative Finanzierungsmodelle: Kulturwertmark, Kulturflatrate und Tauschlizenz
Volker Grassmuck, Mediensoziologie www.vgrass.de
Anschließende Diskussionsrunde mit Kai-Hinrich Renner, Volker Grassmuck, Falk Lüke, Cay Wesnigk, Thomas Frickel. Moderation: Heiko Hilker, Dresdner Institut für Medien, Bildung und Beratung www.dimbb.de
Thema: AUFBRUCH IN DIE MEDIENZUKUNFT
- Wo stehen wir? -
Ergebnisse der aktuellen Mitglieder-Befragung
- Was fehlt? -
Neue „Geschäftsfelder“ für die AG DOK
- Nomen est omen -
Brauchen wir einen neuen Namen?
- Was ist unsere Arbeit wert? -
Vorschläge zur Beitragsordnung
Anschließend ab 15:00 Uhr in Zusammenarbeit mit DOK Leipzig
im Zeitgeschichtlichen Forum, Grimmaische Str. 6, 04 109 Leipzig:
DIE HAUSHALTSABGABE - NEUE CHANCEN FÜR DEN UNABHÄNGIGEN FILM?
Berechnungen zufolge spült der neue Rundfunkbeitrag 800 Mio. zusätzlich in die Kassen von ARD und ZDF. Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK) schlägt deshalb vor, einen Teil der Haushaltsabgabe durch pluralistische Gremien anders verteilen zu lassen: zehn Prozent sollen für freie Internet-Projekte – darunter natürlich auch Filme – zur Verfügung gestellt werden, um damit Information, Bildung und Kultur, aufregende Experimente, gewagte Themen und Formen zu ermöglichen und das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem auf eine bereitere und zukunftsfähige Basis zu stellen.
Die AG DOK stellt dieses Konzept vor und diskutiert es mit Vertretern der „Netzgemeinde".
Kurzreferate:
1. Auftrag erfüllt?
Warum der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht leistet, was er soll – und wie man ihm bei der Erfüllung seines Auftrags helfen könnte: ein Modell der AG DOK
Thomas Frickel, Vorsitzender der AG DOK, www.agdok.de
2. Förderung, Vergabe oder Flattr - wie lässt sich die Rundfunkabgabe neu verteilen?..
Cay Wesnigk, Mitglied des Vorstands der AG DOK sowie Vorstandsvorsitzender der Onlinefilm AG, www.onlinefilm.org
3. GEZ für alle
Kai-Hinrich Renner, Medienjournalist (Hamburger Abendblatt) und Autor des Buches „Digital ist besser“
4. Warum gibt die GEZ nicht einen Teil der Gebühren für das Internet?
Falk Lüke, u.a. Autor und Projektmanager (u.a. newthinking communications), Vorstand DIGITALE GESELLSCHAFT digitalegesellschaft.de/
5. Alternative Finanzierungsmodelle: Kulturwertmark, Kulturflatrate und Tauschlizenz
Volker Grassmuck, Mediensoziologie www.vgrass.de
Anschließende Diskussionsrunde mit Kai-Hinrich Renner, Volker Grassmuck, Falk Lüke, Cay Wesnigk, Thomas Frickel. Moderation: Heiko Hilker, Dresdner Institut für Medien, Bildung und Beratung www.dimbb.de
AG DOK: ein wichtiges Signal
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(c) 2011/Deutsche Filmakademie
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(26.08.11) Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK), Berufsverband von rund 900 Dokumentarfilmautoren-, Regisseuren und Produzenten in Deutschland, freut sich über die Schaffung einer dritten dotierten Nominierung in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ des Deutschen Filmpreises.
„Wir sehen in dieser Entscheidung nicht nur die Anerkennung der herausragenden Qualität und der künstlerischen Vielfalt des deutschen Dokumentarfilmschaffens, sondern es ist zugleich ein politisches Signal...
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BKM stellt 100.000 Euro für dritte Dokumentarfilm-Nominierung bereit!
AG DOK: ein wichtiges Signal
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(c) 2011/Deutsche Filmakademie
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(26.08.11) Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK), Berufsverband von rund 900 Dokumentarfilmautoren-, Regisseuren und Produzenten in Deutschland, freut sich über die Schaffung einer dritten dotierten Nominierung in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ des Deutschen Filmpreises.
„Wir sehen in dieser Entscheidung nicht nur die Anerkennung der herausragenden Qualität und der künstlerischen Vielfalt des deutschen Dokumentarfilmschaffens, sondern es ist zugleich ein politisches Signal an alle, die das Dokumentarfilm-Genre immer noch in die Randbereiche der Kino- und Fernsehprogramme abdrängen wollen“, kommentierte AG DOK-Vorsitzender Thomas Frickel die gute Nachricht, die Kulturstaatsminister Bernd Neumann am Freitag bekanntgab. Die AG DOK erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass sie bereits seit Jahren für die Einführung einer dritten Dokumentarfilm-Nominierung im Reglement des Deutschen Filmpreises eingetreten ist. Allerdings kam die entsprechende Initiative lange Zeit zwischen finanziellen Engpässen und Selbstfindungsproblemen bei der Übernahme des Deutschen Filmpreises durch die Filmakademie nicht richtig voran. Die AG DOK dankt daher allen, die diese eigentlich überfällige Diskussion neu belebt haben: der Dokumentarfilm-Sektion der Deutschen Filmakademie, dem Akademie-Vorstand um Thomas Kufus, der Bundestagsabgeordneten Angelika Krüger-Leißner, die sich wiederholt für die Schaffung einer dritten Dokumentarfilm-Nominierung eingesetzt hat –vor allem aber Kulturstaatsminister Bernd Neumann, der jetzt die gordische Verknotung durchgeschlagen hat und dem damit –wieder einmal- etwas gelungen ist, was seine drei Amts-Vorgänger nicht durchsetzen konnten. Vor allem der Umstand, dass das Preisgeld zusätzlich zur Verfügung gestellt werden soll, grenzt in diesen Zeiten an ein kleines kulturpolitisches Wunder.
zur Pressemitteilung von Kulturstaatsminister Bernd Neumann
„Wir sehen in dieser Entscheidung nicht nur die Anerkennung der herausragenden Qualität und der künstlerischen Vielfalt des deutschen Dokumentarfilmschaffens, sondern es ist zugleich ein politisches Signal an alle, die das Dokumentarfilm-Genre immer noch in die Randbereiche der Kino- und Fernsehprogramme abdrängen wollen“, kommentierte AG DOK-Vorsitzender Thomas Frickel die gute Nachricht, die Kulturstaatsminister Bernd Neumann am Freitag bekanntgab. Die AG DOK erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass sie bereits seit Jahren für die Einführung einer dritten Dokumentarfilm-Nominierung im Reglement des Deutschen Filmpreises eingetreten ist. Allerdings kam die entsprechende Initiative lange Zeit zwischen finanziellen Engpässen und Selbstfindungsproblemen bei der Übernahme des Deutschen Filmpreises durch die Filmakademie nicht richtig voran. Die AG DOK dankt daher allen, die diese eigentlich überfällige Diskussion neu belebt haben: der Dokumentarfilm-Sektion der Deutschen Filmakademie, dem Akademie-Vorstand um Thomas Kufus, der Bundestagsabgeordneten Angelika Krüger-Leißner, die sich wiederholt für die Schaffung einer dritten Dokumentarfilm-Nominierung eingesetzt hat –vor allem aber Kulturstaatsminister Bernd Neumann, der jetzt die gordische Verknotung durchgeschlagen hat und dem damit –wieder einmal- etwas gelungen ist, was seine drei Amts-Vorgänger nicht durchsetzen konnten. Vor allem der Umstand, dass das Preisgeld zusätzlich zur Verfügung gestellt werden soll, grenzt in diesen Zeiten an ein kleines kulturpolitisches Wunder.
zur Pressemitteilung von Kulturstaatsminister Bernd Neumann
(29.06.11) Die Presseerklärung von AG DOK und zwei französischen Produzentenverbänden zur geplanten ARTE-Programmreform hat ein vielfältiges Echo bei Agenturen und Fachpresse gefunden:
Junge Welt: Die Idee, mit der Arte antrat, steht zur Disposition
Dokumentarfilmer befürchten »planmäßige Selbstzerstörung« des deutsch-französischen Kulturkanals. Ein Gespräch mit Thomas Frickel
DWDL: Neues Schema: Dokumentarfilmer bangen um Arte
Die...
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Reaktionen auf AG DOK-Presseerklärung
(29.06.11) Die Presseerklärung von AG DOK und zwei französischen Produzentenverbänden zur geplanten ARTE-Programmreform hat ein vielfältiges Echo bei Agenturen und Fachpresse gefunden:
Junge Welt: Die Idee, mit der Arte antrat, steht zur Disposition
Dokumentarfilmer befürchten »planmäßige Selbstzerstörung« des deutsch-französischen Kulturkanals. Ein Gespräch mit Thomas Frickel
DWDL: Neues Schema: Dokumentarfilmer bangen um Arte
Die für das kommende Jahr beschlossene Programmreform von Arte sorgt für Unmut bei den Dokumentarfilmern. Sie sehen darin eine Beschleunigung der bereits begonnenen schleichenden Verabschiedung von den Gründungsideen.
süddeutsche.de: Eine starke Säule - Wie populär darf Arte sein?
Auf Nachfrage erklärt die AG Dok, die Zahl der Neuproduktionen auf dem Sendeplatz des großen Dokumentarfilms am späten Freitag solle nach ihrer Kenntnis von 40 auf zwölf reduziert werden. Ein weiterer Vorwurf der Filmemacher: ARD und ZDF zögen 'Gelder zur Finanzierung des eigenen Programms und ihrer internen redaktionellen Strukturen' aus dem Arte-Budget.
evangelisch.de: Allerlei Mittelfinger
Schließlich lanciert das ZDF laufend neue coole Digitalprogramme - nach ZDF-Neo gerade "zdf.kultur" (...) Wie das ZDF aber alle diese kultur-orientierten, auch mit allerhand Eigenproduktionen gefüllten Sender finanzieren möchte, ohne auf höhere GEZ-Einnahmen zu spekulieren und ohne die älteren kultur-orientierten Sender, an denen es beteiligt ist, 3sat und eben Arte, anzuknapsen - das wurde bislang noch nicht richtig einleuchtend erklärt.
MEEDIA: Dokumentarfilmer kritisieren Arte scharf
Am Rande eines deutsch-französischen Koproduktionstreffens in La Rochelle haben die AG Dokumentarfilm und zwei französische Produzentenverbände eine gemeinsame Erklärung verabschiedet, in der sie sich intensiv mit der aktuellen Programmstrukturreform des deutsch-französischen Kulturkanals Arte auseinandersetzen.
digitalfernsehen.de: Arte: Dokumentarfilmer sehen Ideale des Senders in Gefahr
Die AG Dokumentarfilm und zwei französische Produzentenverbände haben dem Kultursender Arte vorgeworfen, sich mit seiner geplanten Programmreform immer weiter von seinen ursprünglichen Ideen zu entfernen.
wunschliste.de: AG DOK kritisiert arte-Programmreform
Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK) hat sich kritisch zu den aktuellen Plänen des Kultursenders arte geäußert. Mit der "gerade beschlossenen Neuordnung der Programmstruktur hat der Trend zur Popularisierung des arte-Programms einen neuen Höhepunkt erreicht", heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der AG DOK sowie der beiden französischen Produzentenorganisationen USPA und SPI.
Junge Welt: Die Idee, mit der Arte antrat, steht zur Disposition
Dokumentarfilmer befürchten »planmäßige Selbstzerstörung« des deutsch-französischen Kulturkanals. Ein Gespräch mit Thomas Frickel
DWDL: Neues Schema: Dokumentarfilmer bangen um Arte
Die für das kommende Jahr beschlossene Programmreform von Arte sorgt für Unmut bei den Dokumentarfilmern. Sie sehen darin eine Beschleunigung der bereits begonnenen schleichenden Verabschiedung von den Gründungsideen.
süddeutsche.de: Eine starke Säule - Wie populär darf Arte sein?
Auf Nachfrage erklärt die AG Dok, die Zahl der Neuproduktionen auf dem Sendeplatz des großen Dokumentarfilms am späten Freitag solle nach ihrer Kenntnis von 40 auf zwölf reduziert werden. Ein weiterer Vorwurf der Filmemacher: ARD und ZDF zögen 'Gelder zur Finanzierung des eigenen Programms und ihrer internen redaktionellen Strukturen' aus dem Arte-Budget.
evangelisch.de: Allerlei Mittelfinger
Schließlich lanciert das ZDF laufend neue coole Digitalprogramme - nach ZDF-Neo gerade "zdf.kultur" (...) Wie das ZDF aber alle diese kultur-orientierten, auch mit allerhand Eigenproduktionen gefüllten Sender finanzieren möchte, ohne auf höhere GEZ-Einnahmen zu spekulieren und ohne die älteren kultur-orientierten Sender, an denen es beteiligt ist, 3sat und eben Arte, anzuknapsen - das wurde bislang noch nicht richtig einleuchtend erklärt.
MEEDIA: Dokumentarfilmer kritisieren Arte scharf
Am Rande eines deutsch-französischen Koproduktionstreffens in La Rochelle haben die AG Dokumentarfilm und zwei französische Produzentenverbände eine gemeinsame Erklärung verabschiedet, in der sie sich intensiv mit der aktuellen Programmstrukturreform des deutsch-französischen Kulturkanals Arte auseinandersetzen.
digitalfernsehen.de: Arte: Dokumentarfilmer sehen Ideale des Senders in Gefahr
Die AG Dokumentarfilm und zwei französische Produzentenverbände haben dem Kultursender Arte vorgeworfen, sich mit seiner geplanten Programmreform immer weiter von seinen ursprünglichen Ideen zu entfernen.
wunschliste.de: AG DOK kritisiert arte-Programmreform
Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK) hat sich kritisch zu den aktuellen Plänen des Kultursenders arte geäußert. Mit der "gerade beschlossenen Neuordnung der Programmstruktur hat der Trend zur Popularisierung des arte-Programms einen neuen Höhepunkt erreicht", heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der AG DOK sowie der beiden französischen Produzentenorganisationen USPA und SPI.
gemeinsame Presseerklärung AG DOK / SPI / USPA
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(c) arte
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(27.06.11) Am Rande eines deutsch-französischen Koproduktionstreffens in La Rochelle haben sich die AG Dokumentarfilm und zwei befreundete französische Produzentenverbände sehr intensiv mit der aktuellen Programmstrukturreform des deutsch-französischen Kulturkanals ARTE beschäftigt und eine gemeinsame Erklärung verabschiedet. Anders, als es die offiziellen Verlautbarungen glauben machen wollen, sehen wir die Programmreform als ein Alarmzeichen, denn aus unserer Sicht beschleunigt sie den Trend...
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ARTE: planmäßige Selbstzerstörung?
gemeinsame Presseerklärung AG DOK / SPI / USPA
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(c) arte
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(27.06.11) Am Rande eines deutsch-französischen Koproduktionstreffens in La Rochelle haben sich die AG Dokumentarfilm und zwei befreundete französische Produzentenverbände sehr intensiv mit der aktuellen Programmstrukturreform des deutsch-französischen Kulturkanals ARTE beschäftigt und eine gemeinsame Erklärung verabschiedet. Anders, als es die offiziellen Verlautbarungen glauben machen wollen, sehen wir die Programmreform als ein Alarmzeichen, denn aus unserer Sicht beschleunigt sie den Trend zur Beliebigkeit und die bereits vor zwei Jahren begonnene schleichende Verabschiedung von den Gründungsideen, die den Kulturkanal aus allen anderen Fernseh-Angeboten herausheben:
ARTE: planmäßige Selbstzerstörung?
Mit wachsender Sorge beobachten die französischen Produzentenorganisationen USPA und SPI sowie die deutsche Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm / AG DOK die aktuelle Programmpolitik des deutsch-französischen Kulturkanals ARTE. Denn mit der gerade beschlossenen Neuordnung der Programmstruktur hat der Trend zur Popularisierung des ARTE-Programms einen neuen Höhepunkt erreicht.
ARTE wurde gegründet, um das Zusammenwachsen der Völker und Kulturen Europas zu stärken. Heute, zwanzig Jahre danach, durchlebt dieses Europa eine seiner schwersten Krisen. In dieser Situation gewinnen die Gründungsideen von ARTE ganz neue Aktualität und eine enorme Bedeutung.
Wir, die Autoren, Regisseure und Produzenten des kulturellen Filmschaffens in Deutschland und Frankreich, stellen daher die folgenden Fragen:
- Mit welchen spezifischen Konzepten will Arte künftig sein europäisches Publikum erreichen?
- Wie will ARTE verhindern, dass künstlerische, vom persönlichen Blick der Autoren geprägte Programme künftig noch stärker aus dem regulären Programm ins Internet abgedrängt werden?
- Warum ist es den deutschen Senderketten ARD und ZDF erlaubt, aus dem ARTE-Budget Gelder zur Finanzierung des eigenen Programms und ihrer internen redaktionellen Strukturen herausziehen? Wie lässt sich verhindern, dass ARTE auch in Frankreich zu einem beliebigen Fernsehkanal unter vielen wird?
- Kann der Kulturkanal unter solchen Umständen überhaupt sein einzigartiges Profil, seinen hervorragenden Ruf in der internationalen Fernseh-Landschaft und seine weltweit anerkannte Sonderstellung bewahren - oder steht der Kulturkanal in der Gefahr, seine Vorreiterrolle zu verspielen?
Unsere Welt, unsere Zeit und unsere beiden Kulturnationen brauchen dieses unverzichtbare Fernseh-Modell heute mehr denn je!
AG DOK / Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm, Deutschland
SPI / Syndicat des Producteurs Indépendants, France
USPA / Union Syndicale de la Production Audiovisuelle, France
s.a. ein Artikel des Mediennmagazins DWDL zur Programmreform bei ARTE: hier
ARTE: planmäßige Selbstzerstörung?
Mit wachsender Sorge beobachten die französischen Produzentenorganisationen USPA und SPI sowie die deutsche Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm / AG DOK die aktuelle Programmpolitik des deutsch-französischen Kulturkanals ARTE. Denn mit der gerade beschlossenen Neuordnung der Programmstruktur hat der Trend zur Popularisierung des ARTE-Programms einen neuen Höhepunkt erreicht.
ARTE wurde gegründet, um das Zusammenwachsen der Völker und Kulturen Europas zu stärken. Heute, zwanzig Jahre danach, durchlebt dieses Europa eine seiner schwersten Krisen. In dieser Situation gewinnen die Gründungsideen von ARTE ganz neue Aktualität und eine enorme Bedeutung.
Wir, die Autoren, Regisseure und Produzenten des kulturellen Filmschaffens in Deutschland und Frankreich, stellen daher die folgenden Fragen:
- Mit welchen spezifischen Konzepten will Arte künftig sein europäisches Publikum erreichen?
- Wie will ARTE verhindern, dass künstlerische, vom persönlichen Blick der Autoren geprägte Programme künftig noch stärker aus dem regulären Programm ins Internet abgedrängt werden?
- Warum ist es den deutschen Senderketten ARD und ZDF erlaubt, aus dem ARTE-Budget Gelder zur Finanzierung des eigenen Programms und ihrer internen redaktionellen Strukturen herausziehen? Wie lässt sich verhindern, dass ARTE auch in Frankreich zu einem beliebigen Fernsehkanal unter vielen wird?
- Kann der Kulturkanal unter solchen Umständen überhaupt sein einzigartiges Profil, seinen hervorragenden Ruf in der internationalen Fernseh-Landschaft und seine weltweit anerkannte Sonderstellung bewahren - oder steht der Kulturkanal in der Gefahr, seine Vorreiterrolle zu verspielen?
Unsere Welt, unsere Zeit und unsere beiden Kulturnationen brauchen dieses unverzichtbare Fernseh-Modell heute mehr denn je!
AG DOK / Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm, Deutschland
SPI / Syndicat des Producteurs Indépendants, France
USPA / Union Syndicale de la Production Audiovisuelle, France
s.a. ein Artikel des Mediennmagazins DWDL zur Programmreform bei ARTE: hier
ein Tagungsbericht von Ulla Kösterke (AG DOK)
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(c) 2011 HDF
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(10.06.11) Das Haus des Dokumentarfilms richtete am 26. und 27. Mai in Ludwigsburg eine Tagung aus mit dem Titel „Dokumentarfilm der Zukunft - Zukunft des Dokumentarfilms“.
Redakteure, Produzenten, Filmemacher und Fachleute aus den Bereichen Crowd-Funding, Video on Demand und digitale Projektion fanden sich zum Austausch zusammen. Hauptthema war der Umbau der Medienlandschaft durch Digitalisierung und Internet und die Folgen.
Nächtliche Sendeplätze, schrumpfende Etats
Das Leitmedium...
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DOKVILLE 2011
ein Tagungsbericht von Ulla Kösterke (AG DOK)
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(c) 2011 HDF
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(10.06.11) Das Haus des Dokumentarfilms richtete am 26. und 27. Mai in Ludwigsburg eine Tagung aus mit dem Titel „Dokumentarfilm der Zukunft - Zukunft des Dokumentarfilms“.
Redakteure, Produzenten, Filmemacher und Fachleute aus den Bereichen Crowd-Funding, Video on Demand und digitale Projektion fanden sich zum Austausch zusammen. Hauptthema war der Umbau der Medienlandschaft durch Digitalisierung und Internet und die Folgen.
Nächtliche Sendeplätze, schrumpfende Etats
Das Leitmedium Fernsehen scheint seine Rolle einzubüssen, die Jungen wandern ab, vor allem ins Internet. Eine Vielzahl neuer Anbieter kommt auf den Markt. Einerseits erhöht sich damit der Konkurrenzdruck, anderseits müssen die Chancen der grösser gewordenen Medienlandschaft ausgelotet werden.
Die aktuelle Diskussion in der AG DOK kreist vor allem um die Verdrängung des langen Dokumentarfilms aus der Primetime der öffentlich-rechtlichen Sender, um Auslagerung von anspruchsvollen Kulturprogrammen in die Spartenkanäle und um die zunehmend schrumpfenden Etats für dokumentarische Genres. All dies thematisierte die Tagung auf verschiedenen Panels, Einzelbeiträgen („Zwischenrufe“) und in Diskussionen.
Schluss mit Appellen
Andres Veiel setzte gleich zu Beginn ein Signal. Nur politischer Druck von aussen könne entscheidend etwas an der Situation in den Sendern ändern. Die jetzige Situation sei politisch so gewollt. Eine Umverteilung des vorhandenen Geldes zugunsten des Dokumentarfilms, könne nicht durch Appelle erreicht werden. Und auch Tagungen wie diese würden keine entscheidenden Veränderungen herbeiführen. „Seit zwanzig Jahren kenne ich die Debatten, sie ähneln sich. Und es wird in zwanzig Jahren die gleichen Debatten geben, wenn nicht politisch gewollt ist, dass sich das ändert.“ Er forderte systematische Lobbyarbeit von uns und unseren Verbänden.
Und was ist vom viel beschworenen Aufschwung des Kino-Dokumentarfilms in den letzten Jahren zu halten? Mehr ein brancheninternes Sich-Selbst-Hochjubeln als ein wirklich relevanter und wahrgenommener Faktor innerhalb der Medienlandschaft? Oder vielleicht doch seismographisch für ein wachsendes gesellschaftliches Bedürfnis nach Orientierung und wahrhaftigen Geschichten?
Orchideen und Guerilla
Wenn man die Stimmung und Wortwahl auf den Redakteurspanels betrachtet, kann von einem Dokumentarfilmboom, im Fernsehen jedenfalls, nicht die Rede sein. Im Gegenteil. „Überleben am Programmrand“, „Nische in der Nische“, die „letzten Mohikaner“, „Sauerstoffzelt“, „Nebensache für die Programmdirektoren“, „Orchideenleidenschaft“, „marginalisiert“ und die Redakteure als einsame „Guerillatruppe“, die im Untergrund wirkt, so einige Selbstcharakterisierungen. Überhaupt hatte man zwischendurch den Eindruck, die Redakteure stünden mit dem Rücken zur Wand, führten selber ein Schattendasein, und erlebten gerade ihre letzte Schonfrist kurz vor dem Aus. Bevor dann die grossen Player von Politik, Sport, Unterhaltung und Fiction das Feld zur Gänze übernehmen.
Trostpflaster
Wolfgang Landgraeber (Leiter Programmgruppe Gesellschaft/Dokumentation im WDR) und Jutta Krug (WDR) hatten ein für manchen schwer verdauliches Trostpflaster im Angebot. Das Abwandern der Kulturprogramme in die Randzeiten bei ARD und ZDF befreie vom Quotendruck und ermögliche damit freieres kreatives Arbeiten, was sonst gar nicht mehr möglich sei. „Denn nicht wenige der in den ARD Redaktionen Verantwortliche, Macher wie Redakteure, waren geradezu erleichtert, dass sie den ungeliebten Platz um 21.00 Uhr verlassen durften, auf dem sie nur dann ein Chance hatten, wenn ihre Dokumentationen genügen unterhaltsam waren.“ (Landgraeber) Auch der angebliche Boom der fernsehtypischen 30- und 45-Minüter stellt sich bei genauerem Hingucken als sein Gegenteil heraus. Vom MDR-Redakteur Martin Hübner war zu erfahren, dass es vor zwanzig Jahren zwölf Sendeplätze pro Jahr gab, mittlerweile einen pro Woche, also circa fünfzig – bei gleich bleibendem Etat! Das ist die Erfahrung der meisten Dokumentarfilmschaffenden (und nicht nur der) im Fernsehen. Die einzelnen Filme haben weniger Geld und damit immer weniger Zeit zur Verfügung. Das wirkt sich notgedrungen auf die Qualität aus, von der Arbeitszufriedenheit aller Beteiligten gar nicht erst zu reden.
Was ist also politisch gewollt? Was sind die Prioritäten, für die man Qualitätsverluste und Programmverflachung in Kauf nimmt?
Das gefährliche Ungetüm
Kerstin Stutterheim (HFF Potsdam) hatte zu Beginn auf den Formatierungs- druck in den Sendern, und das allmähliche Wegdenken, Wegsprechen des Wortes „Film“ im TV hingewiesen. Da gibt es Dokumentationen, Dokutales, Dokusoaps, Living-History, Infotainment etc. Und übrig bleibe „eine Art unbezwingbares, gefährliches Ungetüm“ namens „Künstlerischer Dokumentarfilm“. Eine Tautologie in sich, da Film immer auch künstlerisches, kreatives Gestalten impliziere. Aber genau das sei weniger und weniger gefragt im vorrangig von ökonomischen Interessen geleiteten Fernsehen. Dazu passten eher die domestizierten Macher, die Berechenbarkeit der Programme, und schließlich die formatierten Denkprozesse des Publikums. Ihr provozierender Vergleich der Sendeanstalten mit der Bundeswehr, beide streng hierarchisch aufgebaut und von „Loyalität gegenüber der Generalität“ geprägt, sorgte für ernste bis konsternierte Gesichter auf dem Redakteurspodium. Ebenso Stutterheims Äußerung, wenn mehrheitlicher Massengeschmack, vergleichbar der Quote, das entscheidende Handlungskriterium für die Politik wäre, „so wäre Theodor von Guttenberg noch weiter Verteidigungsminister und wir würden in Kürze die Todesstrafe wieder einführen.“ Manchmal braucht es eben drastische Vergleiche um zu verdeutlichen, was man sagen will.
Klicks und Quoten
Dass die Bestandsaufnahme nicht freundlich ausfallen würde, war zu erwarten. Fragen an die arte-Redakteure Peter Gottschalk und Peter Latzel (SWR/arte) nach möglichen Streichungen beim Grand Format und den Thementagen, konnten nicht konkret beantwortet werden, man sei derzeit in der Programm-reform. „Wir machen eine Programmreform, und kaum ist sie da, gibt es eine neue.“ (Gottschalk) Aber das Grand Format werde nicht abgeschafft, es gebe nur diese Begrifflichkeit nicht mehr, es werde aber die „langen Flächen“(?) noch geben.
In den Kultur-Spartensendern arte, 3sat, Phönix scheint die Quote jedenfalls beständiger Dreh- und Angelpunkt der Programmgestaltung zu sein. „Die Quotendiskussion läuft in allen Programmen gleich ab. Die Quotendiskussion tobt in der Primetime, sie tobt in den Spartenprogrammen... Quote ist kein Sündenfall, das sind die Zuschauer, die wir erreichen wollen, und die müssen wir messen.“ (Latzel ) Mehrere Versuche von Moderatorin Tina Mendelsohn und aus dem Publikum, etwas über Inhalte, Visionen oder den Bildungsauftrag zu erfahren, endeten immer wieder in Erläuterungen zu Programmstrukturen, die sich verändern müssten. „Schärfere Programmprofile“, „deutlichere Verspartung“, „flexiblere Programmplanung“, „klare Reaktionen auf den Shift zur Netzkultur“, „Ende des linearen TV-Programms,“ etc. Nur ein einsames Adorno-Porträt von 2003 tauchte immer wieder auf. Und musste als Beispiel für jede Argumentationsrichtung herhalten. Zuerst als Beispiel für das verstaubte Kulturprogramm früherer Zeiten „lief schlecht“, dann als Beispiel für den erfüllten Kulturauftrag „Vor fünf Jahren haben wir das in der Primetime gesendet, weil wir das wollten, trotz der zu erwartenden geringen Quote“. Dann als Beweis für die veränderten Zuschauerwünsche „Heute geht das in 3sat gar nicht mehr.“ (Was auch Heino Deckert/MaJaDe so ähnlich zum Beispiel über Thomas Heise-Filme äusserte.) Aus dem Publikum kam die Anmerkung, dass Adorno von der „Erziehung zur Mündigkeit“ gesprochen habe, und ob man sich sein Publikum nicht auch heranziehen könne, statt immer nur das zu zeigen, was alle vermeintlich wollen. Und zu guterletzt meldete sich der zufällig im Publikum sitzende Autor des Porträts selbst zu Wort. Er führte als Beweis für das Zuschauerinteresse die zahlreichen Klicks auf You-Tube ins Feld, die ein kurzer Clip seines Adornofilm bisher eingefahren habe!
Verspartung
Quoten im TV und Klicks im Internet, darum ging es auf dem Podium der Kulturredakteure fast ausschließlich. Seit der Digitalisierung gibt es fünfzig Sender und seitdem sei die „Quote im freien Fall“. Reagiert werden soll mit weiterer Verspartung, maßgerechten Programmen für die einzelnen Altersklassen. Die ARD werde von den über Sechzigjährigen geschaut, arte von den Mitte bis Ende Fünfzigjährigen, die Fünfzehn bis Fünfzigjährigen seien bei den Privaten oder zunehmend im Netz. Die müsse man zurückholen. Dazu sollen passgenaue Programme aufgelegt werden: für die Zehn bis- Zwanzigjährigen, die Einundzwanzig- bis Fünfunddreissigjährigen, die Sechsunddreissig- bis Fünfundfünzigjährigen etc. Zusätzlich seien die verschiedenen Bildungsgrade mit individuellen Programmen zu versorgen.
Wo nur soll diese Verspartung enden, zumal das Geld wohl kaum mehr wird? Was ist also zu tun? Von uns, von der AG DOK? Welche neuen Entwicklungen gibt es als Reaktion auf die Umbrüche?
Vollfinanzierung und ein Benimm-Code
Die von Andres Veiel eingeforderte politische Lobbyarbeit (die Politiker müssen von uns „gebrieft und mit Argumenten versehen“ werden, damit sie sich „profilieren“ können“) wird seit Jahren von der AG DOK geprägt, deren Vorsitzender Thomas Frickel einige der gerade aktuellen Themen benannte: „Unsere Forderung ist, dass Produktionen, die für bestimmte Sendeplätze gemacht werden und von denen absehbar ist, dass sie keine nennenswerte andere Auswertung haben werden, vom Fernsehen auch voll bezahlt werden... Allerdings haben die Sender bereits signalisiert, dass dann möglicherweise weniger Produktionen in Auftrag gegeben werden.“ In den derzeit laufenden Verhandlungen mit ARD und ZDF wird außerdem ein Verhaltenskodex zwischen TV und Produzenten ausgehandelt, und wohl im Sommer vorgelegt. Dort sollen Fristen festgelegt werden. Bis wann muss auf eingereichte Projekte geantwortet werden, wie sind die Fristen bei möglichen Vertragsabschlüssen. Und es geht um das Procedere bei Abnahmen. Auch Wiederholungshonorare, Bürgschaften und Nebenrechte (online und Video on Demand) sind ein Verhandlungsthema. Dass der Anteil der vorhandenen Geldmittel für Sport, Talk, Degeto-Produkte etc. ständig steige, während er für die Dokumentargenres sinke, sei wiederum Gegenstand für weitere politische Lobbyarbeit. Zu den grundsätzlichen filmpolitischen Forderungen der AG DOK gehört auch die Trennung von Fernseh- und Filmförderungsgeldern.
Video on Demand
Wo kann man die benötigten Gelder auftreiben? Neben den Chancen, die internationale Koproduktionen bieten (der Produzent Daniel Zuta berichtete von seinen Projekten „Plastic Planet“ und „Bulb Fiction“), kamen als breiter und auch aufmunternder Teil der Tagung, neue Finanzierungsmöglichkeiten ins Spiel. Crowd-Funding und Video on Demand wurden an verschiedenen Beispielen vorgeführt. Letzteres scheint ein halbwegs attraktiver Markt nur für die Grossen der Branche zu sein (Maxdome und Online Media/Studio Hamburg waren vertreten). Während die Großen der Branche (Maxdome und Online Media/Studio Hamburg) ihre Ergebnisse pflichtgemäß optimistisch schönfärbten (wobei sie auf dokumentarischem Terrain mit Hitler, Tierwelt, Naturphänomenen, Sex und Royals ja vielleicht tatsächlich ein paar Euros einnehmen), stellten Wolfgang Bergmann/Lichtfilm Köln (er vertreibt seine Filme über docufilms) und die onlinefilm AG, vertreten durch Cay Wesnigk, die derzeitige Situation nüchtern und realistisch dar: mit Abruf-Angeboten im Netz sind derzeit noch keine relevanten Erträge zu erzielen.
Crowds und Communities
Crowd-Funding als Finanzierungskonzept ließ mit Carl Fechner’s Film „Die 4. Revolution“ schon eher aufhorchen. Dieser gross angelegte Film über eine weltweite Energiewende, bekam seinen 1,25 Millionen Etat ausschließlich durch private Finanzierung zusammen, nicht zuletzt mithilfe der Präsentation im Internet. Sender und Filmförderungen hatten eine Finanzierung zuvor abgelehnt. Fechner gab ausführlich Auskunft über seine diversen Marketingmaßnahmen, vor, während und nach Fertigstellung des Films. Notwendig sei ein „hohes ideelles Ziel“, ein großes Netzwerk von Unterstützern und Leidenschaft.
Die zwei jungen Filmemacher Sarah Nörenberg und Karl-Martin Pold aus Wien stellten ihr Projekt „Sie nannten ihn Spencer“ vor. Beide begannen ihren Dokumentarfilm über Bud Spencer ohne jegliche finanzielle Ressourcen und bauen sich geschickt und mit Enthusiasmus eine Fangemeinde per soziale Netzwerke auf. Die Netzcommunity finanziert das Filmprojekt und nebenbei wohl auch ein wenig das tägliche Überleben der Filmemacher. „Ein Film von, mit und für die Fans“. Da repariert ein Fan das kaputtgegangene Auto während der Dreharbeiten, andere bieten Schlafplätze und Essen an, stellen Kamera und ihre Arbeitskraft zur Verfügung und sind hilfreich beim Auffinden von Protagonisten, steuern eigene Ideen bei etc. Die beiden Filmer verkörperten mit viel jugendlicher Frische etwas, das wir alle aus gelungenen Projekten kennen. Filmarbeit als tolles Lebensgefühl, energetisch, intensiv und berauschend. Kann süchtig machen. “Und wir haben uns gleich gestern hier auf der Tagung Wim Wenders geschnappt und ihn vor der Kamera zu Bud Spencer befragt.“ Und sofort ist ein Clip auf You Tube zu sehen, in dem Wim Wenders sich als Fan von Bud Spencer und als „Bud of it“ (das Markenlabel des Projekts) outet. Oberste Devise, immer und überall Werbung machen! Wenn außer Fanpower und launigem Trash auf You Tube dabei noch ein guter Film entsteht, soll es uns umso mehr freuen.
3D
Wim Wenders ist der andere Enthusiast auf dieser Tagung. Er (mit Unterstützung seines Producers Erwin M. Schmidt) versteht es auf seine ruhig eindringliche Weise, den 3D-Film „Pina“ und die neue Technik den Tagungsteilnehmern näher zubringen und wohlmöglich den einen oder die andere auch zu begeistern. Für ihn ist 3D als neue, ausdrucksvolle Sprache, geradezu geschaffen für den Dokumentarfilm. Noch nie habe er so ausdrucksstarke Gesichter gesehen, wie in 3D. Hier sei ein aufregendes neues Terrain, das es für den Dokumentarfilm zu erobern gelte. Nach dem Deutschen Filmpreis hat „Pina“ nun auch den Deutschen Dokumentarfilmpreis gewonnen, der in einer abendlichen Gala während der Tagung in Ludwigsburg verliehen wurde. Die weiteren Preisträger waren „How to Make a Book with Steidl“ von Gereon Wetzel und Jörg Adolph und „Der Tag des Spatzen“ von AG DOK-Mitglied Philip Scheffner. Die drei Preise, zusammen dotiert mit 25 000 Euro Preisgeld, werden von SWR, MFG, Haus des Dokumentarfilms und der Stadt Ludwigsburg ausgerichtet.
Es ist zu hoffen, dass der Hauptpreis für Wenders nicht in erster Linie der technischen Innovation, der 3D Pionierarbeit gilt, sondern auch und gerade die Tanzkunst Pina Bauschs, mit ihren (und auch Wenders) großen Themen Sehnsucht und Verlust, fasziniert hat.
Siencefiction?
Der individuelle, eigensinnige Dokumentarfilm der Zukunft, wird er also nur noch per Crowd-Funding „an der Bettelbörse“ finanzierbar und am besten mit kleinen beweglichen Consumer 3D Kameras gedreht? Dann per Video on Demand mehr schlecht als recht vermarktet (Weihnachten gibt es den Film als Werbegeschenk gratis zu den Blockbustern dazu). Und auch mal per Laserbeamer in einem spontanen Event auf Häuserwände projiziert? Werden die unzähligen arbeitslosen Absolventen der Filmschulen sich mithilfe von Fan-Communities durchfuttern, die „Silver Surfer“ von 50+ auf folgenlosen Medientagungen immer noch Appelle in die Welt senden (und nebenbei auch mal eine warme Mahlzeit ergattern)? Und wird die letzte verbliebene Dok-Redakteurin für den langen Dokumentarfilm in ihrer Guerillazelle einsam weiterkämpfen, bevor auch sie vor viertklassigen Sportübertragungen einknickt und sich endlich mit ihren Pensionsansprüchen zur wohlverdienten Ruhe setzt? Und bleibt schließlich nur noch ein einziges Dokfilmfestival übrig, auf dem Retrospektiven des Autorenfilms aus längst vergangenen Zeiten laufen?
Kulturgut
Ist also der lange Dokumentarfilm ein aussterbendes Kulturgut, werden die Programmkinos verschwinden, wird das Fernsehen seine Macht gänzlich ans Internet abgeben? Wolfgang Bergmann sagte: „Wir brauchen das lineare Fernsehprogramm für den gesellschaftlichen Diskurs. Ich glaube nicht, dass der gesellschaftliche Diskurs von Fangruppen übernommen werden kann. Obwohl die Finanzierung aus diesem Bereich hinzukommen muss... Wir müssen in die Offensive kommen.“ Und Andres Veiel: „Das Genre wird in der Zukunft für ein demokratisches Gemeinwesen notwendiger denn je sein. Als kulturelles Gedächtnis, als Instrumentarium, eine komplexe Wirklichkeit neu und in einem anderen Kontext zu betrachten. Als Rastplatz der Reflektion und damit als Sauerstoff einer Gesellschaft...“ Und Jutta Krug vom WDR fasste ihre Zukunftsvision sinngemäß so zusammen: „Storytelling wird immer Bedeutung haben, wir lieben Geschichten, der experimentelle Dokumentarfilm wird in die Museen und Video-Art abwandern, und die Filme werden politischer werden.“
Gala und Zeitgeist
Was könnte man den immer wieder krisengeplagten Gesprächen auf der Tagung, neben einer schönen festlichen Gala, Besseres entgegensetzen als die zehn nominierten Dokumentarfilme für den Deutschen Dokumentarfilmpreis? Sie behandeln in einem breiten Spektrum politische, historische, soziale, künstlerische und philosophische Themen. Allesamt gut erzählt, film- künstlerisch gekonnt gestaltet und mit Themen, die differenziert, intensiv und unterhaltend, ein Stück Zeitgeist widerspiegeln. Es ist vielleicht nicht der große gesellschaftliche Diskurs dabei, aber es gärt. So meinte auch Wim Wenders in seinem Dankesstatement, er fände derzeit die Dokumentarfilme im Kino spannender als die Spielfilme. Und das kommt von einem, der mit seinen Spielfilmen immerhin deutsche Kinogeschichte geschrieben hat. Aber vielleicht läutet Wim Wenders gerade eine neue Epoche für den Dokumentarfilm ein? Sein Preisgeld von 20 000,- Euro soll jedenfalls in ein nächstes 3D-Projekt fließen. Wir sind gespannt.
Risiko
Andres Veiel erwähnte zu Beginn, er bilde seine Filmstudenten an der dffb konsequent „nur in der Entwicklung ihrer eigenen Handschrift“ aus. Wo, wenn nicht dort, im letzten Schutzraum, bevor Markt und Marketing enorm bestimmend werden. Alle großen Dokumentarfilme zeichnen sich durch eine prägnante eigene Handschrift aus, durch den Mut, „inhaltlich und formal ins Risiko zu gehen“. Dies sind noch immer die Grundvoraussetzungen für Überzeugungskraft und Unterhaltungswert. Und damit auch für den langfristigen Erfolg dieses kulturell-wirtschaftlichen Zwitterwesens Film. Wenn jedoch ausschließlich auf marktgerechte Gestaltung und Thematik geschielt wird, dann erstickt sich das Genre selber. Dann gehen wir doch lieber ins Theater, der letzten kompromisslosen, kulturellen Hochburg. Oder? Aber die haben ja auch Probleme. Sollte nicht Pina Bauschs Wuppertaler Schauspielhaus 2012 geschlossen werden? Dann können wir ja froh sein, dass Wim Wenders noch rechtzeitig seinen Film drehen konnte.
PS.
Für mich eine ambitionierte, anregende Tagung mit Unterhaltungswert. Eine der vielen Anregungen: wieder mal Adorno lesen.
Die Dokumentation zu DOKVILLE ist hier zu finden; die Redebeiträge sind als mp3s zum Nachhören hinterlegt. Wer lieber lesen mag: die Beiträge von den AG DOK-Mitgliedern Dr. Kerstin Stutterheim "Ganz klar: Die Sender, die Journalisten und wir" ist hier als pdf verfügbar, Andres Veiels Rede zur "Zukunft des Dokumentarfilms" hier
Fritz Wolf schreibt in seinem Leitartikel in epd-medien zu Dokville: Kuratoren gesucht - Die Zukunft des Dokumentarfilms
Redakteure, Produzenten, Filmemacher und Fachleute aus den Bereichen Crowd-Funding, Video on Demand und digitale Projektion fanden sich zum Austausch zusammen. Hauptthema war der Umbau der Medienlandschaft durch Digitalisierung und Internet und die Folgen.
Nächtliche Sendeplätze, schrumpfende Etats
Das Leitmedium Fernsehen scheint seine Rolle einzubüssen, die Jungen wandern ab, vor allem ins Internet. Eine Vielzahl neuer Anbieter kommt auf den Markt. Einerseits erhöht sich damit der Konkurrenzdruck, anderseits müssen die Chancen der grösser gewordenen Medienlandschaft ausgelotet werden.
Die aktuelle Diskussion in der AG DOK kreist vor allem um die Verdrängung des langen Dokumentarfilms aus der Primetime der öffentlich-rechtlichen Sender, um Auslagerung von anspruchsvollen Kulturprogrammen in die Spartenkanäle und um die zunehmend schrumpfenden Etats für dokumentarische Genres. All dies thematisierte die Tagung auf verschiedenen Panels, Einzelbeiträgen („Zwischenrufe“) und in Diskussionen.
Schluss mit Appellen
Andres Veiel setzte gleich zu Beginn ein Signal. Nur politischer Druck von aussen könne entscheidend etwas an der Situation in den Sendern ändern. Die jetzige Situation sei politisch so gewollt. Eine Umverteilung des vorhandenen Geldes zugunsten des Dokumentarfilms, könne nicht durch Appelle erreicht werden. Und auch Tagungen wie diese würden keine entscheidenden Veränderungen herbeiführen. „Seit zwanzig Jahren kenne ich die Debatten, sie ähneln sich. Und es wird in zwanzig Jahren die gleichen Debatten geben, wenn nicht politisch gewollt ist, dass sich das ändert.“ Er forderte systematische Lobbyarbeit von uns und unseren Verbänden.
Und was ist vom viel beschworenen Aufschwung des Kino-Dokumentarfilms in den letzten Jahren zu halten? Mehr ein brancheninternes Sich-Selbst-Hochjubeln als ein wirklich relevanter und wahrgenommener Faktor innerhalb der Medienlandschaft? Oder vielleicht doch seismographisch für ein wachsendes gesellschaftliches Bedürfnis nach Orientierung und wahrhaftigen Geschichten?
Orchideen und Guerilla
Wenn man die Stimmung und Wortwahl auf den Redakteurspanels betrachtet, kann von einem Dokumentarfilmboom, im Fernsehen jedenfalls, nicht die Rede sein. Im Gegenteil. „Überleben am Programmrand“, „Nische in der Nische“, die „letzten Mohikaner“, „Sauerstoffzelt“, „Nebensache für die Programmdirektoren“, „Orchideenleidenschaft“, „marginalisiert“ und die Redakteure als einsame „Guerillatruppe“, die im Untergrund wirkt, so einige Selbstcharakterisierungen. Überhaupt hatte man zwischendurch den Eindruck, die Redakteure stünden mit dem Rücken zur Wand, führten selber ein Schattendasein, und erlebten gerade ihre letzte Schonfrist kurz vor dem Aus. Bevor dann die grossen Player von Politik, Sport, Unterhaltung und Fiction das Feld zur Gänze übernehmen.
Trostpflaster
Wolfgang Landgraeber (Leiter Programmgruppe Gesellschaft/Dokumentation im WDR) und Jutta Krug (WDR) hatten ein für manchen schwer verdauliches Trostpflaster im Angebot. Das Abwandern der Kulturprogramme in die Randzeiten bei ARD und ZDF befreie vom Quotendruck und ermögliche damit freieres kreatives Arbeiten, was sonst gar nicht mehr möglich sei. „Denn nicht wenige der in den ARD Redaktionen Verantwortliche, Macher wie Redakteure, waren geradezu erleichtert, dass sie den ungeliebten Platz um 21.00 Uhr verlassen durften, auf dem sie nur dann ein Chance hatten, wenn ihre Dokumentationen genügen unterhaltsam waren.“ (Landgraeber) Auch der angebliche Boom der fernsehtypischen 30- und 45-Minüter stellt sich bei genauerem Hingucken als sein Gegenteil heraus. Vom MDR-Redakteur Martin Hübner war zu erfahren, dass es vor zwanzig Jahren zwölf Sendeplätze pro Jahr gab, mittlerweile einen pro Woche, also circa fünfzig – bei gleich bleibendem Etat! Das ist die Erfahrung der meisten Dokumentarfilmschaffenden (und nicht nur der) im Fernsehen. Die einzelnen Filme haben weniger Geld und damit immer weniger Zeit zur Verfügung. Das wirkt sich notgedrungen auf die Qualität aus, von der Arbeitszufriedenheit aller Beteiligten gar nicht erst zu reden.
Was ist also politisch gewollt? Was sind die Prioritäten, für die man Qualitätsverluste und Programmverflachung in Kauf nimmt?
Das gefährliche Ungetüm
Kerstin Stutterheim (HFF Potsdam) hatte zu Beginn auf den Formatierungs- druck in den Sendern, und das allmähliche Wegdenken, Wegsprechen des Wortes „Film“ im TV hingewiesen. Da gibt es Dokumentationen, Dokutales, Dokusoaps, Living-History, Infotainment etc. Und übrig bleibe „eine Art unbezwingbares, gefährliches Ungetüm“ namens „Künstlerischer Dokumentarfilm“. Eine Tautologie in sich, da Film immer auch künstlerisches, kreatives Gestalten impliziere. Aber genau das sei weniger und weniger gefragt im vorrangig von ökonomischen Interessen geleiteten Fernsehen. Dazu passten eher die domestizierten Macher, die Berechenbarkeit der Programme, und schließlich die formatierten Denkprozesse des Publikums. Ihr provozierender Vergleich der Sendeanstalten mit der Bundeswehr, beide streng hierarchisch aufgebaut und von „Loyalität gegenüber der Generalität“ geprägt, sorgte für ernste bis konsternierte Gesichter auf dem Redakteurspodium. Ebenso Stutterheims Äußerung, wenn mehrheitlicher Massengeschmack, vergleichbar der Quote, das entscheidende Handlungskriterium für die Politik wäre, „so wäre Theodor von Guttenberg noch weiter Verteidigungsminister und wir würden in Kürze die Todesstrafe wieder einführen.“ Manchmal braucht es eben drastische Vergleiche um zu verdeutlichen, was man sagen will.
Klicks und Quoten
Dass die Bestandsaufnahme nicht freundlich ausfallen würde, war zu erwarten. Fragen an die arte-Redakteure Peter Gottschalk und Peter Latzel (SWR/arte) nach möglichen Streichungen beim Grand Format und den Thementagen, konnten nicht konkret beantwortet werden, man sei derzeit in der Programm-reform. „Wir machen eine Programmreform, und kaum ist sie da, gibt es eine neue.“ (Gottschalk) Aber das Grand Format werde nicht abgeschafft, es gebe nur diese Begrifflichkeit nicht mehr, es werde aber die „langen Flächen“(?) noch geben.
In den Kultur-Spartensendern arte, 3sat, Phönix scheint die Quote jedenfalls beständiger Dreh- und Angelpunkt der Programmgestaltung zu sein. „Die Quotendiskussion läuft in allen Programmen gleich ab. Die Quotendiskussion tobt in der Primetime, sie tobt in den Spartenprogrammen... Quote ist kein Sündenfall, das sind die Zuschauer, die wir erreichen wollen, und die müssen wir messen.“ (Latzel ) Mehrere Versuche von Moderatorin Tina Mendelsohn und aus dem Publikum, etwas über Inhalte, Visionen oder den Bildungsauftrag zu erfahren, endeten immer wieder in Erläuterungen zu Programmstrukturen, die sich verändern müssten. „Schärfere Programmprofile“, „deutlichere Verspartung“, „flexiblere Programmplanung“, „klare Reaktionen auf den Shift zur Netzkultur“, „Ende des linearen TV-Programms,“ etc. Nur ein einsames Adorno-Porträt von 2003 tauchte immer wieder auf. Und musste als Beispiel für jede Argumentationsrichtung herhalten. Zuerst als Beispiel für das verstaubte Kulturprogramm früherer Zeiten „lief schlecht“, dann als Beispiel für den erfüllten Kulturauftrag „Vor fünf Jahren haben wir das in der Primetime gesendet, weil wir das wollten, trotz der zu erwartenden geringen Quote“. Dann als Beweis für die veränderten Zuschauerwünsche „Heute geht das in 3sat gar nicht mehr.“ (Was auch Heino Deckert/MaJaDe so ähnlich zum Beispiel über Thomas Heise-Filme äusserte.) Aus dem Publikum kam die Anmerkung, dass Adorno von der „Erziehung zur Mündigkeit“ gesprochen habe, und ob man sich sein Publikum nicht auch heranziehen könne, statt immer nur das zu zeigen, was alle vermeintlich wollen. Und zu guterletzt meldete sich der zufällig im Publikum sitzende Autor des Porträts selbst zu Wort. Er führte als Beweis für das Zuschauerinteresse die zahlreichen Klicks auf You-Tube ins Feld, die ein kurzer Clip seines Adornofilm bisher eingefahren habe!
Verspartung
Quoten im TV und Klicks im Internet, darum ging es auf dem Podium der Kulturredakteure fast ausschließlich. Seit der Digitalisierung gibt es fünfzig Sender und seitdem sei die „Quote im freien Fall“. Reagiert werden soll mit weiterer Verspartung, maßgerechten Programmen für die einzelnen Altersklassen. Die ARD werde von den über Sechzigjährigen geschaut, arte von den Mitte bis Ende Fünfzigjährigen, die Fünfzehn bis Fünfzigjährigen seien bei den Privaten oder zunehmend im Netz. Die müsse man zurückholen. Dazu sollen passgenaue Programme aufgelegt werden: für die Zehn bis- Zwanzigjährigen, die Einundzwanzig- bis Fünfunddreissigjährigen, die Sechsunddreissig- bis Fünfundfünzigjährigen etc. Zusätzlich seien die verschiedenen Bildungsgrade mit individuellen Programmen zu versorgen.
Wo nur soll diese Verspartung enden, zumal das Geld wohl kaum mehr wird? Was ist also zu tun? Von uns, von der AG DOK? Welche neuen Entwicklungen gibt es als Reaktion auf die Umbrüche?
Vollfinanzierung und ein Benimm-Code
Die von Andres Veiel eingeforderte politische Lobbyarbeit (die Politiker müssen von uns „gebrieft und mit Argumenten versehen“ werden, damit sie sich „profilieren“ können“) wird seit Jahren von der AG DOK geprägt, deren Vorsitzender Thomas Frickel einige der gerade aktuellen Themen benannte: „Unsere Forderung ist, dass Produktionen, die für bestimmte Sendeplätze gemacht werden und von denen absehbar ist, dass sie keine nennenswerte andere Auswertung haben werden, vom Fernsehen auch voll bezahlt werden... Allerdings haben die Sender bereits signalisiert, dass dann möglicherweise weniger Produktionen in Auftrag gegeben werden.“ In den derzeit laufenden Verhandlungen mit ARD und ZDF wird außerdem ein Verhaltenskodex zwischen TV und Produzenten ausgehandelt, und wohl im Sommer vorgelegt. Dort sollen Fristen festgelegt werden. Bis wann muss auf eingereichte Projekte geantwortet werden, wie sind die Fristen bei möglichen Vertragsabschlüssen. Und es geht um das Procedere bei Abnahmen. Auch Wiederholungshonorare, Bürgschaften und Nebenrechte (online und Video on Demand) sind ein Verhandlungsthema. Dass der Anteil der vorhandenen Geldmittel für Sport, Talk, Degeto-Produkte etc. ständig steige, während er für die Dokumentargenres sinke, sei wiederum Gegenstand für weitere politische Lobbyarbeit. Zu den grundsätzlichen filmpolitischen Forderungen der AG DOK gehört auch die Trennung von Fernseh- und Filmförderungsgeldern.
Video on Demand
Wo kann man die benötigten Gelder auftreiben? Neben den Chancen, die internationale Koproduktionen bieten (der Produzent Daniel Zuta berichtete von seinen Projekten „Plastic Planet“ und „Bulb Fiction“), kamen als breiter und auch aufmunternder Teil der Tagung, neue Finanzierungsmöglichkeiten ins Spiel. Crowd-Funding und Video on Demand wurden an verschiedenen Beispielen vorgeführt. Letzteres scheint ein halbwegs attraktiver Markt nur für die Grossen der Branche zu sein (Maxdome und Online Media/Studio Hamburg waren vertreten). Während die Großen der Branche (Maxdome und Online Media/Studio Hamburg) ihre Ergebnisse pflichtgemäß optimistisch schönfärbten (wobei sie auf dokumentarischem Terrain mit Hitler, Tierwelt, Naturphänomenen, Sex und Royals ja vielleicht tatsächlich ein paar Euros einnehmen), stellten Wolfgang Bergmann/Lichtfilm Köln (er vertreibt seine Filme über docufilms) und die onlinefilm AG, vertreten durch Cay Wesnigk, die derzeitige Situation nüchtern und realistisch dar: mit Abruf-Angeboten im Netz sind derzeit noch keine relevanten Erträge zu erzielen.
Crowds und Communities
Crowd-Funding als Finanzierungskonzept ließ mit Carl Fechner’s Film „Die 4. Revolution“ schon eher aufhorchen. Dieser gross angelegte Film über eine weltweite Energiewende, bekam seinen 1,25 Millionen Etat ausschließlich durch private Finanzierung zusammen, nicht zuletzt mithilfe der Präsentation im Internet. Sender und Filmförderungen hatten eine Finanzierung zuvor abgelehnt. Fechner gab ausführlich Auskunft über seine diversen Marketingmaßnahmen, vor, während und nach Fertigstellung des Films. Notwendig sei ein „hohes ideelles Ziel“, ein großes Netzwerk von Unterstützern und Leidenschaft.
Die zwei jungen Filmemacher Sarah Nörenberg und Karl-Martin Pold aus Wien stellten ihr Projekt „Sie nannten ihn Spencer“ vor. Beide begannen ihren Dokumentarfilm über Bud Spencer ohne jegliche finanzielle Ressourcen und bauen sich geschickt und mit Enthusiasmus eine Fangemeinde per soziale Netzwerke auf. Die Netzcommunity finanziert das Filmprojekt und nebenbei wohl auch ein wenig das tägliche Überleben der Filmemacher. „Ein Film von, mit und für die Fans“. Da repariert ein Fan das kaputtgegangene Auto während der Dreharbeiten, andere bieten Schlafplätze und Essen an, stellen Kamera und ihre Arbeitskraft zur Verfügung und sind hilfreich beim Auffinden von Protagonisten, steuern eigene Ideen bei etc. Die beiden Filmer verkörperten mit viel jugendlicher Frische etwas, das wir alle aus gelungenen Projekten kennen. Filmarbeit als tolles Lebensgefühl, energetisch, intensiv und berauschend. Kann süchtig machen. “Und wir haben uns gleich gestern hier auf der Tagung Wim Wenders geschnappt und ihn vor der Kamera zu Bud Spencer befragt.“ Und sofort ist ein Clip auf You Tube zu sehen, in dem Wim Wenders sich als Fan von Bud Spencer und als „Bud of it“ (das Markenlabel des Projekts) outet. Oberste Devise, immer und überall Werbung machen! Wenn außer Fanpower und launigem Trash auf You Tube dabei noch ein guter Film entsteht, soll es uns umso mehr freuen.
3D
Wim Wenders ist der andere Enthusiast auf dieser Tagung. Er (mit Unterstützung seines Producers Erwin M. Schmidt) versteht es auf seine ruhig eindringliche Weise, den 3D-Film „Pina“ und die neue Technik den Tagungsteilnehmern näher zubringen und wohlmöglich den einen oder die andere auch zu begeistern. Für ihn ist 3D als neue, ausdrucksvolle Sprache, geradezu geschaffen für den Dokumentarfilm. Noch nie habe er so ausdrucksstarke Gesichter gesehen, wie in 3D. Hier sei ein aufregendes neues Terrain, das es für den Dokumentarfilm zu erobern gelte. Nach dem Deutschen Filmpreis hat „Pina“ nun auch den Deutschen Dokumentarfilmpreis gewonnen, der in einer abendlichen Gala während der Tagung in Ludwigsburg verliehen wurde. Die weiteren Preisträger waren „How to Make a Book with Steidl“ von Gereon Wetzel und Jörg Adolph und „Der Tag des Spatzen“ von AG DOK-Mitglied Philip Scheffner. Die drei Preise, zusammen dotiert mit 25 000 Euro Preisgeld, werden von SWR, MFG, Haus des Dokumentarfilms und der Stadt Ludwigsburg ausgerichtet.
Es ist zu hoffen, dass der Hauptpreis für Wenders nicht in erster Linie der technischen Innovation, der 3D Pionierarbeit gilt, sondern auch und gerade die Tanzkunst Pina Bauschs, mit ihren (und auch Wenders) großen Themen Sehnsucht und Verlust, fasziniert hat.
Siencefiction?
Der individuelle, eigensinnige Dokumentarfilm der Zukunft, wird er also nur noch per Crowd-Funding „an der Bettelbörse“ finanzierbar und am besten mit kleinen beweglichen Consumer 3D Kameras gedreht? Dann per Video on Demand mehr schlecht als recht vermarktet (Weihnachten gibt es den Film als Werbegeschenk gratis zu den Blockbustern dazu). Und auch mal per Laserbeamer in einem spontanen Event auf Häuserwände projiziert? Werden die unzähligen arbeitslosen Absolventen der Filmschulen sich mithilfe von Fan-Communities durchfuttern, die „Silver Surfer“ von 50+ auf folgenlosen Medientagungen immer noch Appelle in die Welt senden (und nebenbei auch mal eine warme Mahlzeit ergattern)? Und wird die letzte verbliebene Dok-Redakteurin für den langen Dokumentarfilm in ihrer Guerillazelle einsam weiterkämpfen, bevor auch sie vor viertklassigen Sportübertragungen einknickt und sich endlich mit ihren Pensionsansprüchen zur wohlverdienten Ruhe setzt? Und bleibt schließlich nur noch ein einziges Dokfilmfestival übrig, auf dem Retrospektiven des Autorenfilms aus längst vergangenen Zeiten laufen?
Kulturgut
Ist also der lange Dokumentarfilm ein aussterbendes Kulturgut, werden die Programmkinos verschwinden, wird das Fernsehen seine Macht gänzlich ans Internet abgeben? Wolfgang Bergmann sagte: „Wir brauchen das lineare Fernsehprogramm für den gesellschaftlichen Diskurs. Ich glaube nicht, dass der gesellschaftliche Diskurs von Fangruppen übernommen werden kann. Obwohl die Finanzierung aus diesem Bereich hinzukommen muss... Wir müssen in die Offensive kommen.“ Und Andres Veiel: „Das Genre wird in der Zukunft für ein demokratisches Gemeinwesen notwendiger denn je sein. Als kulturelles Gedächtnis, als Instrumentarium, eine komplexe Wirklichkeit neu und in einem anderen Kontext zu betrachten. Als Rastplatz der Reflektion und damit als Sauerstoff einer Gesellschaft...“ Und Jutta Krug vom WDR fasste ihre Zukunftsvision sinngemäß so zusammen: „Storytelling wird immer Bedeutung haben, wir lieben Geschichten, der experimentelle Dokumentarfilm wird in die Museen und Video-Art abwandern, und die Filme werden politischer werden.“
Gala und Zeitgeist
Was könnte man den immer wieder krisengeplagten Gesprächen auf der Tagung, neben einer schönen festlichen Gala, Besseres entgegensetzen als die zehn nominierten Dokumentarfilme für den Deutschen Dokumentarfilmpreis? Sie behandeln in einem breiten Spektrum politische, historische, soziale, künstlerische und philosophische Themen. Allesamt gut erzählt, film- künstlerisch gekonnt gestaltet und mit Themen, die differenziert, intensiv und unterhaltend, ein Stück Zeitgeist widerspiegeln. Es ist vielleicht nicht der große gesellschaftliche Diskurs dabei, aber es gärt. So meinte auch Wim Wenders in seinem Dankesstatement, er fände derzeit die Dokumentarfilme im Kino spannender als die Spielfilme. Und das kommt von einem, der mit seinen Spielfilmen immerhin deutsche Kinogeschichte geschrieben hat. Aber vielleicht läutet Wim Wenders gerade eine neue Epoche für den Dokumentarfilm ein? Sein Preisgeld von 20 000,- Euro soll jedenfalls in ein nächstes 3D-Projekt fließen. Wir sind gespannt.
Risiko
Andres Veiel erwähnte zu Beginn, er bilde seine Filmstudenten an der dffb konsequent „nur in der Entwicklung ihrer eigenen Handschrift“ aus. Wo, wenn nicht dort, im letzten Schutzraum, bevor Markt und Marketing enorm bestimmend werden. Alle großen Dokumentarfilme zeichnen sich durch eine prägnante eigene Handschrift aus, durch den Mut, „inhaltlich und formal ins Risiko zu gehen“. Dies sind noch immer die Grundvoraussetzungen für Überzeugungskraft und Unterhaltungswert. Und damit auch für den langfristigen Erfolg dieses kulturell-wirtschaftlichen Zwitterwesens Film. Wenn jedoch ausschließlich auf marktgerechte Gestaltung und Thematik geschielt wird, dann erstickt sich das Genre selber. Dann gehen wir doch lieber ins Theater, der letzten kompromisslosen, kulturellen Hochburg. Oder? Aber die haben ja auch Probleme. Sollte nicht Pina Bauschs Wuppertaler Schauspielhaus 2012 geschlossen werden? Dann können wir ja froh sein, dass Wim Wenders noch rechtzeitig seinen Film drehen konnte.
PS.
Für mich eine ambitionierte, anregende Tagung mit Unterhaltungswert. Eine der vielen Anregungen: wieder mal Adorno lesen.
Die Dokumentation zu DOKVILLE ist hier zu finden; die Redebeiträge sind als mp3s zum Nachhören hinterlegt. Wer lieber lesen mag: die Beiträge von den AG DOK-Mitgliedern Dr. Kerstin Stutterheim "Ganz klar: Die Sender, die Journalisten und wir" ist hier als pdf verfügbar, Andres Veiels Rede zur "Zukunft des Dokumentarfilms" hier
Fritz Wolf schreibt in seinem Leitartikel in epd-medien zu Dokville: Kuratoren gesucht - Die Zukunft des Dokumentarfilms
Zur Prinzenhochzeit konkurrieren ARD und ZDF nicht nur mit den Privatsendern, sondern sogar miteinander.
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Prinzenhochzeit
(c) |
(28.04.11) Adel bis zum Abwinken.
Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm kritisiert diese verschwenderische Quotenbuhlerei auf Kosten der Gebührenzahler.
Zweimal dasselbe ist nicht doppelt so gut.
Programmauftrag verfehlt. als pdf
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Bei uns sehen Sie DOPPELT
Zur Prinzenhochzeit konkurrieren ARD und ZDF nicht nur mit den Privatsendern, sondern sogar miteinander.
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Prinzenhochzeit
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(28.04.11) Adel bis zum Abwinken.
Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm kritisiert diese verschwenderische Quotenbuhlerei auf Kosten der Gebührenzahler.
Zweimal dasselbe ist nicht doppelt so gut.
Programmauftrag verfehlt. als pdf
Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm kritisiert diese verschwenderische Quotenbuhlerei auf Kosten der Gebührenzahler.
Zweimal dasselbe ist nicht doppelt so gut.
Programmauftrag verfehlt. als pdf
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(c) www.kerstin-hehmann.de
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(09.03.11) epd medien vom 04.03.11 dokumentiert im Wortlaut das Thesenpapier der AG DOK mit dem Titel Kulturelle Verarmung - Die AG DOK zum Verhältnis Kinofilm und Fernsehen , in dem die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm fordert, den Einfluss des Fernsehens auf die deutsche Filmförderung einzuschränken: "Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat nicht das Recht, die nationale Filmkultur nach seinem Geschmack zurechtzubiegen...
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AG DOK: Vorschläge zur Reform der Filmförderung veröffentlicht
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(c) www.kerstin-hehmann.de
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(09.03.11) epd medien vom 04.03.11 dokumentiert im Wortlaut das Thesenpapier der AG DOK mit dem Titel Kulturelle Verarmung - Die AG DOK zum Verhältnis Kinofilm und Fernsehen , in dem die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm fordert, den Einfluss des Fernsehens auf die deutsche Filmförderung einzuschränken: "Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat nicht das Recht, die nationale Filmkultur nach seinem Geschmack zurechtzubiegen und zu verändern, sondern es hat die Aufgabe, unter Einsatz seiner Gebührenmittel dem deutschen Film eine Plattform zu bieten und ihn der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Aus dem Funktionsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland lässt sich also eine direkte Verpflichtung zur Pflege der nationalen Filmkultur ableiten."
Auf der Medienseite der FAZ vom 15.02.11 schreibt AG DOK-Vorstand Thomas Frickel zum selben Thema: Sie pressen den Film in ihr Format - Bei der Förderung des Films ins Deutschland fungiert das Fernsehen immer mehr als Vorzensur
Auf der Medienseite der FAZ vom 15.02.11 schreibt AG DOK-Vorstand Thomas Frickel zum selben Thema: Sie pressen den Film in ihr Format - Bei der Förderung des Films ins Deutschland fungiert das Fernsehen immer mehr als Vorzensur
Thomas Frickel seit 25 Jahren erster Vorsitzender
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(c) 2011 AG DOK
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(18.02.11) Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm setzt auf Kontinuität: am Rande der Berliner Filmfestspiele wurde Thomas Frickel einstimmig als AG DOK-Vorsitzender bestätigt, zweiter Vorsitzender bleibt der Berliner Produzent Gunter Hanfgarn und Schatzmeister des Verbandes wird auch weiterhin Björn Jensen aus München sein. Auch die Ergebnisse der Beisitzerwahl signalisieren Zufriedenheit mit der geleisteten Arbeit: Martin Hagemann (Berlin), Herbert Schwering (Köln), Simone Baumann (Leipzig);...
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AG DOK Mitgliederversammlung bestätigt Vorstand
Thomas Frickel seit 25 Jahren erster Vorsitzender
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(c) 2011 AG DOK
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(18.02.11) Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm setzt auf Kontinuität: am Rande der Berliner Filmfestspiele wurde Thomas Frickel einstimmig als AG DOK-Vorsitzender bestätigt, zweiter Vorsitzender bleibt der Berliner Produzent Gunter Hanfgarn und Schatzmeister des Verbandes wird auch weiterhin Björn Jensen aus München sein. Auch die Ergebnisse der Beisitzerwahl signalisieren Zufriedenheit mit der geleisteten Arbeit: Martin Hagemann (Berlin), Herbert Schwering (Köln), Simone Baumann (Leipzig); Cay Wesnigk (Lübeck) und Dirk Szuszies (Berlin) wurden ebenfalls mit großer Mehrheit wiedergewählt, neu in den Vorstand kam Caroline Elias (Berlin).
Dass Thomas Frickel damit bereits zum 25. Mal in Folge an die Spitze des mit knapp 900 Autoren, Regisseuren und Produzenten größten Berufsverbands der deutschen Independent-Szene gewählt wurde, war der Versammlung eine besondere Erwähnung wert – die AG DOK bedankte sich bei ihrem langjährigen Vorsitzenden mit einem Jubiläums-Präsent, und dieser erinnerte daran, wie der Verband bei seiner ersten Wahl im Jahre 1986 gerade einmal 160 Mitglieder zählte und in heftig geführten Debatten um einen organisatorischen Neuanfang und um einen festen Platz innerhalb der deutschen Filmlandschaft rang.
Heute, so war den in der Versammlung vorgetragenen Rechenschaftsberichten zu entnehmen, muss die AG DOK nicht mehr um Anerkennung kämpfen – längst gilt sie in den film- und medienpolitischen Debatten dieses Landes als ernst zu nehmender Partner, und ihre Stellungnahmen haben Gewicht. Mit ARD und ZDF verhandelt die AG DOK derzeit intensiv um neue Rahmenbedingungen der Dokumentarfilmproduktion, was sie freilich nicht daran hindert, die Programmentscheidungen der Sender kritisch und öffentlichkeitswirksam zu begleiten. Ihr „offener Brief“ gegen den Wegfall dokumentarischer Sendeplätze im Zuge der letzten ARD-Programmstrukturreform wurde nicht nur von zahlreichen Journalisten aufgegriffen –auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann, der Kulturausschuss des Deutschen Bundestags und der Deutschen Kulturrat sprangen der AG DOK mit eigenen, scharf formulierten Protestbriefen zur Seite. Aufsehen erregte die Veröffentlichung eines internen NDR-Papiers zur Entwicklung öffentlich-rechtlicher „Scripted Reality“-Formate, und ganz aktuell mischt der Verband sich mit eigenen zukunftsweisenden Vorschlägen in die Diskussion um das Verhältnis zwischen Filmförderung und Fernsehen ein.
Die Debatte um die Qualität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks stand denn auch leitmotivisch über dem Gastreferat der diesjährigen AG DOK-Mitgliederversammlung: Jens Jessen, Feuilleton-Chef der Wochenzeitschrift „DIE ZEIT“ erläuterte seinen Vorwurf, das öffentlich-rechtliche Fernsehen verbanne die Kultur aus der Mitte der Gesellschaft und werde statt dessen zum Einfallstor einer zunehmenden Vulgarisierung.
Kurzporträts der einzelnen Vorstandsmitglieder
Fotos von der AG DOK-Mitgliederversammlung
Fotos von der AG DOK-Berlinale Party
Dass Thomas Frickel damit bereits zum 25. Mal in Folge an die Spitze des mit knapp 900 Autoren, Regisseuren und Produzenten größten Berufsverbands der deutschen Independent-Szene gewählt wurde, war der Versammlung eine besondere Erwähnung wert – die AG DOK bedankte sich bei ihrem langjährigen Vorsitzenden mit einem Jubiläums-Präsent, und dieser erinnerte daran, wie der Verband bei seiner ersten Wahl im Jahre 1986 gerade einmal 160 Mitglieder zählte und in heftig geführten Debatten um einen organisatorischen Neuanfang und um einen festen Platz innerhalb der deutschen Filmlandschaft rang.
Heute, so war den in der Versammlung vorgetragenen Rechenschaftsberichten zu entnehmen, muss die AG DOK nicht mehr um Anerkennung kämpfen – längst gilt sie in den film- und medienpolitischen Debatten dieses Landes als ernst zu nehmender Partner, und ihre Stellungnahmen haben Gewicht. Mit ARD und ZDF verhandelt die AG DOK derzeit intensiv um neue Rahmenbedingungen der Dokumentarfilmproduktion, was sie freilich nicht daran hindert, die Programmentscheidungen der Sender kritisch und öffentlichkeitswirksam zu begleiten. Ihr „offener Brief“ gegen den Wegfall dokumentarischer Sendeplätze im Zuge der letzten ARD-Programmstrukturreform wurde nicht nur von zahlreichen Journalisten aufgegriffen –auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann, der Kulturausschuss des Deutschen Bundestags und der Deutschen Kulturrat sprangen der AG DOK mit eigenen, scharf formulierten Protestbriefen zur Seite. Aufsehen erregte die Veröffentlichung eines internen NDR-Papiers zur Entwicklung öffentlich-rechtlicher „Scripted Reality“-Formate, und ganz aktuell mischt der Verband sich mit eigenen zukunftsweisenden Vorschlägen in die Diskussion um das Verhältnis zwischen Filmförderung und Fernsehen ein.
Die Debatte um die Qualität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks stand denn auch leitmotivisch über dem Gastreferat der diesjährigen AG DOK-Mitgliederversammlung: Jens Jessen, Feuilleton-Chef der Wochenzeitschrift „DIE ZEIT“ erläuterte seinen Vorwurf, das öffentlich-rechtliche Fernsehen verbanne die Kultur aus der Mitte der Gesellschaft und werde statt dessen zum Einfallstor einer zunehmenden Vulgarisierung.
Kurzporträts der einzelnen Vorstandsmitglieder
Fotos von der AG DOK-Mitgliederversammlung
Fotos von der AG DOK-Berlinale Party
Treffen mit Kulturstaatsminister Neumann
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C. Wesnigk, M. Hagemann, B. Neumann, T. Frickel
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(03.02.11) Zu einem Gespräch über Fragen der Filmförderung trafen die AG DOK-Vorstandsmitglieder Cay Wesnigk, Martin Hagemann und Thomas Frickel am 1. Februar im Berliner Kanzleramt mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann zusammen. Sie überreichten dem Minister eine im Auftrag der AG DOK erstellte Studie, die den wachsenden Einfluss des Fernsehens auf die deutsche Filmförderung belegt und erläuterten in diesem Zusammenhang die Forderung des Verbandes nach einer Reduzierung des direkten Sender-Einflusses...
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AG DOK-Studie zum Einfluss des Fernsehens auf die Filmförderung
Treffen mit Kulturstaatsminister Neumann
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C. Wesnigk, M. Hagemann, B. Neumann, T. Frickel
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(03.02.11) Zu einem Gespräch über Fragen der Filmförderung trafen die AG DOK-Vorstandsmitglieder Cay Wesnigk, Martin Hagemann und Thomas Frickel am 1. Februar im Berliner Kanzleramt mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann zusammen. Sie überreichten dem Minister eine im Auftrag der AG DOK erstellte Studie, die den wachsenden Einfluss des Fernsehens auf die deutsche Filmförderung belegt und erläuterten in diesem Zusammenhang die Forderung des Verbandes nach einer Reduzierung des direkten Sender-Einflusses auf die Fördereinrichtungen. Aus mehreren Fördertöpfen holen die Fernsehanstalten schon jetzt mehr Geld heraus, als sie einzahlen, zugleich sinken die Budgets, mit denen sich Redaktionen direkt an deutschen Kino- und insbesondere an Dokumentarfilmproduktionen beteiligen. Die AG Dokumentarfilm schlägt in diesem Zusammenhang neue Akzentsetzungen in der Filmpolitik vor und wird sich demnächst mit einem entsprechenden Papier an die film- unmd medienpolitisch interessierte Öffentlichkeit wenden.
Staatsminister Neumann betonte die Bedeutung des Dokumentarfilm-Genres, das als Spiegelbild unserer Gesellschaft einen festen Platz im Kino ebenso wie in den Fernsehprogrammen haben müsse. Deshalb habe er im Herbst vergangenen Jahres auch mit einer Stellungnahme gegen die Absicht der ARD protestiert, dokumentarische Sendungen noch weiter an den Rand des Hauptprogramms zu drängen.
Staatsminister Neumann betonte die Bedeutung des Dokumentarfilm-Genres, das als Spiegelbild unserer Gesellschaft einen festen Platz im Kino ebenso wie in den Fernsehprogrammen haben müsse. Deshalb habe er im Herbst vergangenen Jahres auch mit einer Stellungnahme gegen die Absicht der ARD protestiert, dokumentarische Sendungen noch weiter an den Rand des Hauptprogramms zu drängen.
SWR boulevardisiert "Landesschau Rheinland- Pfalz"
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die Landesschau-Zielgruppe
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(28.01.11) Erneut veröffentlicht die AG DOK ein sender-internes Papier, das die fortschreitende Trivialisierung öffentlich-rechtlicher Programme belegt. Diesmal stammt es aus der Ideenschmiede des SWR in Mainz und legt den Mitarbeitern unter anderem nahe, die Themen "zwischen Blaulicht und Rotlicht" zu suchen. Sex sells - auch dort, wo eigentlich seriöse Information mit öffentlich-rechtlichem Gebührengeld angesagt wäre.
Aus unserer Sicht hat die konsequente Umsetzung des öffentlich-rechtlichen...
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AG DOK veröffentlicht internes Sender-Papier
SWR boulevardisiert "Landesschau Rheinland- Pfalz"
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die Landesschau-Zielgruppe
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(28.01.11) Erneut veröffentlicht die AG DOK ein sender-internes Papier, das die fortschreitende Trivialisierung öffentlich-rechtlicher Programme belegt. Diesmal stammt es aus der Ideenschmiede des SWR in Mainz und legt den Mitarbeitern unter anderem nahe, die Themen "zwischen Blaulicht und Rotlicht" zu suchen. Sex sells - auch dort, wo eigentlich seriöse Information mit öffentlich-rechtlichem Gebührengeld angesagt wäre.
Aus unserer Sicht hat die konsequente Umsetzung des öffentlich-rechtlichen Boulevardisierung-Konzepts mit der Live-Schaltung aus einem Swingerclub einen neuen, schwer zu unterbietenden Tiefpunkt erreicht. Aber wir lassen uns gerne überraschen, was als Nächstes kommt. Da der auf YOUTUBE eingestellte Beitrag über den Swingerclub inzwischen entfernt wurde, erlauben wir uns, die aus unserer Sicht notwendige Öffentlichkeit wieder herzustellen:
Das Strategie-Papier im Wortlaut:
SWR Landesschau Rheinland-Pfalz Strategiepapier
Beiträge
1 Inhalt
1.1 Allgemeines
Beiträge in der Landesschau Rheinland-Pfalz sollen informieren, unterhalten, den Zuschauer mit schönen Bildern aus seinem Land verwöhnen. Ganz gleich, ob ein Beitrag informativ ist oder unterhaltend, folgende Bausteine sind immer wichtig:
Der Beitrag:
- hat eine klare Botschaft
- hat einen roten Faden
- hat eine Textperson (Eine Perspektive, die durchgehalten wird)
- hat eine Bildsprache (Kein Bilderteppich!)
- ist deutlich im Land verortet
- ist verständlich
Die Beiträge in der Landesschau Rheinland-Pfalz machen deutlich, dass sie im Land spielen. Immer wieder verorten sie ihr Thema und die Protagonisten. O-Töne in den Beiträgen tragen entweder Meinung oder Emotion; es sollen keine rein informativen O-Töne von Amtsträgern vorkommen. Menschen stehen im Mittelpunkt, sind betroffen, wir blicken auf ihr Schicksal. Oder sie erleben etwas Schönes, etwas Besonderes, was einem normalerweise nicht so oft begegnet, was schöne oder sogar überwältigende Emotionen in ihnen auslöst. Die Beiträge richten sich an eine bestimmte Zielgruppe. Sie wird durch das Arbeitsmittel „Familie Engel“ beschrieben.
Die Beiträge in der Landesschau Rheinland-Pfalz haben möglichst viele Herzpunkte. Sie sind im Folgenden beschrieben.
1.2 Die Landesschau Rheinland-Pfalz-Herzpunkte
Unsere Landesschau Rheinland-Pfalz-Herzpunkte sind sieben an der Zahl. Sie können viele Stücke stützen. Nicht nur für den Aufmacher, auch für andere Themen sind sie ein Erfolgsgarant. Je mehr Landesschau-Herzpunkte ein Film hat, umso höher seine Anziehungskraft auf den Zuschauer. Und das sind unsere Herzpunkte:
1. Sex&Crime (Filialleiterin in Boppard ersticht Aushilfe/Ladenbesitzer in Ludwigshafen wird erstochen/Tote Prostitiuierte gefesselt in Fischweiher in Bad Sobernheim gefunden/Kind mit Rotkraut in Kaiserslautern erstickt/Brandstifter hält Bad Kreuznach in Atem/Trickbetrüger in Mainz dringen bei alten Menschen in Wohnung ein)
2. Prominenz (Kardinal Lehmann wird 70/Herbert Bonewitz bekommt Karrierestern/Studiogäste aus dem fröhlichen Weinberg/Kochen mit Johann Lafer/Gesundheitsservice mit Hademar Bankhofer)
3. Schicksal (Tödliche Unfälle wie zum Beispiel Radfahrer totgefahren – steckte in Windschutzscheibe/Mädchen wird bei Jahrmarkt in Trier aus Bungee-Kugel geschleudert und stirbt/Überlebte Unfälle: 74-Jährige kommt bei Ahrweiler von Fahrbahn ab, stürzt 30 Meter in die Tiefe, überlebt unverletzt/Überlebte Krankheiten: Mann wird durch Arztfehler berufsunfähig und verliert dadurch Einkommen/Leben meistern mit Behinderung: Fast blinder Paralympics-Medaillen-Gewinner aus Mainz)
4. Katastrophe (schwere Unfälle mit vielen Toten/Unwetter verwüstet einen ganzen Ort/Sturm knickt große Waldflächen im Land um/ Hochwasser ruiniert Flussanlieger) 5. Geld (Blick in die Welt der Schönen und Reichen wie in Serie über Schlossherr/Marina Winningen an der Mosel/aber auch: Warnung vor Trickdieben während WM/Banküberfall mit Beute in Millionenhöhe, Tipps im Service zum Geld sparen im Alltag)
6. Kinder (Umfrage: woher kommt das Christkind etc./Kinder als Betroffene von Unfällen oder Katastrophen rühren noch einmal mehr an als erwachsene Opfer)
7. Tiere (Hund holt sich alleine Frühstück beim Metzger/Tierpark in der Eifel würde Bär Bruno aufnehmen/Koi-Karpfen für 20 000 Euro kommen aus Rheinland-Pfalz) Die Beitrage in der Landesschau Rheinland-Pfalz sind in der Regel zwischen 1 Minute und 3.30 lang. Ausnahmen sind möglich, siehe Formatbeschreibungen der einzelnen Beitragsplätze.
Zum Beitrag gehört eine Anmoderation. Sie ist vier bis sechs Sätze lang, nimmt keine Infos aus dem Beitrag vorweg und leitet zum ersten Bild oder ersten Satz des Beitrages über. Die Moderation erklärt dem Zuschauer, warum er sich diesen Beitrag in der Sendung ansehen soll.
1.3 Der Erzählsatz
Eine wichtig Rolle für die Entstehung eines Landesschau Rheinland-Pfalz-Beitrags spielt der Erzählsatz. Die Dramaturgie kann schon in einer frühen Phase von AutorIn und RedakteurIn vorgedacht werden. Der Erzählsatz ist hierfür ein Handwerkszeug. Er reduziert die Geschichte auf ein überschaubares Minimum und beinhaltet dennoch ihre Dramaturgie. Er gibt der Kreativität eine Richtung, in der sie sich nicht nur gestalterisch, sondern auch dramaturgisch entfalten kann. So sieht er aus:
Ich erzähle die Geschichte von einer Hauptfigur, Person, Gruppe, Abstraktum mit einer besonderen Eigenschaft, die vor einer Herausforderung, Aufgabe, Problem, Konflikt, steht. Die Lösung sieht so aus!
Beispiele:
Katze angeschossen
Katzenbesitzerin Kerstin Knirsch (Hauptfigur) musste ihren angeschossenen Kater vor dem
Tod retten (Eigenschaft). Jetzt hat sie Angst, dass der Schütze erneut zuschlägt (Problem).
Sie will den Kater trotzdem wieder nach draußen lassen und hofft, den Täter mit Hilfe der
Nachbarn und der Polizei zu finden (Lösung).
Riesenwollschlange im Kindergarten Bullay
Die Kindergartenkinder (Hauptfigur) (Eigenschaft: „Kindergarten“= sehr jung) aus Bullay an der Mosel wollten mit ihren Müttern und Erzieherinnen zusammen die längste Wollschlange der Welt (Herausforderung) stricken. Voller Spannung erwarten sie die amtliche Vermessung durch den Notar. Ergebnis 315 Meter und damit die längste Schlange der Welt. (Lösung)
Bürgerinitiative kämpft um Untersuchung
Die kleine (Eigenschaft) Bürgerinitiative Trier Pfalzel (Hauptfigur) will beweisen (Herausforderung), dass Stahlwerk und Schrotthändler am Hafen die Luft im Wohngebiet mit Blei und Cadmium vergiften. Weil sich die BI hartnäckig bei den Behörden und in der Öffentlichkeit bemerkbar macht, erreicht sie, dass das Umweltministerium eine Untersuchung in Auftrag gibt. (Lösung)
1.4 Das Landesschau Rheinland-Pfalz-Filmkonzept
Das Filmkonzept ist die Arbeitsgrundlage, die vor dem ersten Produktionsschritt die Bildsequenz-Folge, die Tonebene und die Informationsinhalte des späteren Films Dritten plausibel und verständlich beschreibt.
Diese Dritten sind Planungsredakteure ebenso wie Produktionsmitarbeiter (Kamera-Männer/Frauen, AssistentInnen, TonassistentInnen, BeleuchterInnen)
Das Filmkonzept soll in vier Rubriken in Stichworten die jeweilige Bildsequenz beschreiben und alle gewichtenden Informationen der jeweiligen Sequenz liefern (ganz gleich, ob sich dann auch alle im späteren Text wiederfinden oder nicht).
Das Filmkonzept soll nicht: einen Filmtext enthalten (auch nicht ‚ungefähr’)
Die vier Rubriken sollten sein: 1. Position, 2. Länge, 3. Bild/Ton, 4. Inhalt
Der Kopfteil enthält die Kerndaten: Autor, Sendedatum (wenn es fest steht), geplante Länge, Thema mit Erzählsatz.
1.4 Das „Filmkonzept“ findet sich als Word-Vorlage auf
....
Es kann von dort aufgerufen werden, man kann es sich auf den Desktop legen, ins eigene Word oder als Vorlage auf den Laptop kopieren.
....
1.5 Nachgestellte Szenen
Nachgestellte Szenen sind ein Element in unseren Beiträgen, auf das wir nicht verzichten wollen und an vielen Stellen auch nicht können, nämlich dann, wenn kein Bildmaterial vorhanden ist. Sie machen einen Film spannend und ermöglichen die Nacherzählung einer Geschichte. Szenen mit Waffen etc. aus dem Requisitenschrank im CvD-Büro sollen sehr vorsichtig eingesetzt werden. Szenen, in denen Menschen miteinander reden (beispielsweise Betrug bei Haustürgeschäft), sollten in der Regel übertextet werden. Grund: Wenn wir selbst nachstellen, könnte das zu laienhaft wirken.
Nachgestellte Szenen können 1.) real dargestellt werden, 2.) verfremdet werden, 3.) mit
einer Einblendung „nachgestellte Szene“ gekennzeichnet werden.
1.5.1 Reale Darstellung
Wir können Szenen in realer Darstellung nachstellen und senden, wenn wir zum Beispiel den Bericht eines Augenzeugen nachdrehen. Wichtig ist es im Text darauf einzugehen, dass das Gezeigte von uns extra noch einmal gedreht wurde. So kann man eine kurze Passage darstellen, aber auch eine längere Episode aus der Sicht eines Protagonisten zeigen.
Beispiel Aufmacher 23.5.06:
Auf einer Vandalismustour durch Worms sind zwei Jugendliche festgenommen worden. Eine 65-jährige verfolgte die beiden mit dem Auto und alarmierte die Polizei per Handy.
Anmoderation:
Wenn Zivilcourage gefragt ist, dann schauen viele Menschen einfach weg: Vor allem dann, wenn ihnen klar wird, dass sie sich bei einer Schlägerei oder einem Diebstahl, den sie gerade beobachten, selbst gefährden könnten. Ganz anders gestrickt ist offenbar eine Seniorin aus Worms: Die 65-Jährige hat zwei Jugendliche Straftäter mit ihrem Auto verfolgt, nachdem sie nachts zufällig beobachtet hat wie die beiden mehrere Autos beschädigt haben.
Szene: Blick aus dem Fenster der Frau, beschädigte Autos auf der Straße, Frau im Auto von hinten gedreht, fährt noch einmal Strecke aus der Nacht.
Text:
Von diesem Fenster aus hat sie alles beobachtet: es war drei Uhr nachts als die 65-jährige Wormserin sieht wie zwei Jugendliche Autos beschädigen. Für uns stellt sie die Situation noch mal nach. Sie packt das Handy, nimmt die Verfolgung auf und verständigt die Polizei.
1.5.2 Verfremdung
Wir zeigen ein Ereignis, von dem wir kein Filmmaterial haben, das sich aber so oder so ähnlich abgespielt haben könnte, wie wir es darstellen. Dann verfremden wir die Szene. Dazu gibt es verschiedene Mittel wie schwarz-weiß, Solarisation, Farb-Änderung. So machen wir deutlich, dass wir nachgestellt haben.
Beispiel Aufmacher 18.5.06:
Eine betagte Autofahrerin hat am Dienstag in Bad Neuenahr-Ahrweiler eine scharfe Kurve verpasst und ist 30 Meter in die Tiefe gestürzt. Die Frau überlebte leicht verletzt.
Anmoderation:
Ein spektakulärer Unfall: Eine 74-Jährige fuhr auf der Landstraße Richtung Bad Neuenahr- Ahrweiler. In einer scharfen Kurve, raste die Fahrerin einfach geradeaus und stürzte einen steilen Abhang hinunter. Doch die Dame hatte Glück und einen so außergewöhnlich guten Schutzengel dass man es kaum glauben kann - sie überlebte einen wirklich nicht alltäglichen Unfall.
Szene: Autofahrt in der Subjektive, Kamera kommt von der Straße ab, landet im Gebüsch Verfremdung: Szene geht farblich leicht ins grün-gräuliche.
Text:
Mittags kurz nach zwölf. Elisabeth G. ist auf dem Weg zu einem Krankenhaustermin. Die 74- Jährige fährt auf der Landstraße Richtung Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dann passiert es. In einer scharfen Kurve rast Elisabeth G. geradeaus, stürzt 30 Meter in die Tiefe. Sie kracht mit ihrem Kleinwagen auf diese Terrasse. Der Nachbar hört den Aufprall. Eine solche Verfremdung kann auch hilfreich sein bei der Darstellung von Tathergängen, die wir nur annähernd beschreiben können, da wir die genauen Umstände oft nicht kennen. An dieser Stelle dient die nachgestellte Szene dazu, die Phantasie des Zuschauers anzuregen, ein Bild bei ihm entstehen zu lassen davon, worüber der Film berichtet. Zusätzlich entsteht hierbei durch die Verfremdung eine gewisse Spannung. Eine bedrohliche Musik und der Text im Präsens unterstützen dies.
Beispiel Aufmacher 7.6.06:
Es geht um Trickdiebstähle während der WM.
Szene: Gleich zu Beginn des Films zeigt uns eine Szene, wie leicht ein Taschendieb in der Fußgängerzone ein Portemonnaie aus der Einkaufstasche einer Frauziehen kann. Die Szene ist durch stärkeren Kontrast verfremdet.
Text:
Sie spähen ihr Opfer in der Menschenmenge aus. Dann greifen sie zu. Haben die Taschendiebe ihre Beute, verschwinden sie unauffällig in der Masse.
1.5.3 Kennzeichnung mit der Einblendung „nachgestellte Szene“
Mit der Einblendung „nachgestellte Szene“ sollte nur im Ausnahmefall gearbeitet werden. Beispielsweise, wenn eine echte Verwechslung entstehen könnte oder wenn der Zuschauer nicht mehr zwischen real und Fiktion unterscheiden kann und es dadurch zu Verständnis- Schwierigkeiten kommt und der Film seine klare Linie verliert.
2 Formales
Zum Beitrag gehört die Dokumentation in Open Media. Das heißt: Von Beginn an wird festgehalten, was der Inhalt des Beitrages ist, wo er spielt, wann er fertig ist, mit welcher Länge er geplant ist. Diese Informationen werden während der Entstehung des Beitrages gepflegt und ggf. verändert. Nur so ist gewährleistet, dass sich aus der Fülle der Beiträge in der Planung eine einwandfreie Sendung zusammenstellen lässt und die Sendung ohne Reibungsverluste entstehen kann. Die Anmoderation muss am Morgen des Sendetags dem Moderator vorliegen.
3 Formatbeschreibungen der Rubriken
3.1 Aufmacher „Rotlicht/Blaulicht“
Der Aufmacher der Landesschau Rheinland-Pfalz will die Zuschauer in die Sendung ziehen. Die Themen kommen aus dem Bereich Boulevard. Die Stücke erzählen eine Straftat nach, einen Unfall, Themen aus dem Bereich der Polizei und Justiz. Wir gehen damit bewusst ins Milieu und wollen über kuriose Fälle von Kriminalität und über Unglücke berichten, die das Maß der Normalität überschreiten. Dabei ist es wichtig, dass der Aufmacher nicht erklären muss, warum, wann wie viele bestimmte Straftaten in Rheinland-Pfalz passiert sind. Zahlen dazu sollen aber für die Moderation recherchiert werden, damit der Moderator dem Zuschauer sagen kann, warum das Thema wichtig ist.
Herzpunkte im Aufmacher
Von den sieben Landesschau Rheinland-Pfalz Herzpunkten: Sex&Crime, Prominenz, Schicksal, Katastrophe, Geld, Kinder, Tiere – sollten diese in jedem Fall den Aufmacher stützen: Schicksal, Sex&Crime und Katastrophe. Wenn noch dazu Kinder, Prominente oder Tiere betroffen sind, erhöht das die Anziehungskraft des Aufmachers auf den Zuschauer zusätzlich. Ebenso, wenn Geld (Betrug, Bankraub, Raubmord) eine Rolle spielt.
Emotionen wecken In erster Linie soll der Aufmacher aus dem Rotlicht-Blaulicht-Milieu Emotionen wecken und über eine außergewöhnliche Geschichte im Land berichten. Damit sollen die Menschen da abgeholt werden, wo sie zu Beginn des Feierabends sind: Sie sollen eine interessante Story, einen spannenden Kriminalfall einen erschütternden Unfall im Bild sehen, von dem sie am Tag oder am Tag zuvor schon in den Radionachrichten gehört haben.
Umsetzung
Bei der Umsetzung der Themen ist die Kreativität der Reporter gefragt. Oft gibt es nur wenig Material vom Tathergang/Unfallort. Fotos können da schon eine Hilfe sein. Augenzeugen, die im O-Ton berichten, was sie erlebt haben, sind ein wichtiger Baustein. Beim Genre Boulevard spielt immer auch die Angst und das Gruseln mit. Das erzeugt Betroffenheit beim Zuschauer und auch den Gedanken: Was für eine Glück ist mir das nicht passiert (ein psychologisch wesentliches Element, warum Verbrechens- und Unfallmeldungen gerne gesehen, gehört und gelesen werden). Trotzdem soll eine zu starke Verunsicherung des Zuschauers vermieden werden. Zum Beitrag gehört daher in vielen Fällen eine Abmod, die es dem Moderator leicht macht, den Beitrag in die Sendung einzubetten. Nützlich ist eine zusätzliche Info wie: die Polizei ermittelt weiter/morgen werden weitere Zeugen vernommen/die Obduktionsergebnisse werden weiteren Aufschluss bringen/die Polizei bittet um ihre Mithilfe etc.
Länge
Der Aufmacher ist 1.30 bis 2.00 Min. lang.
3.2 LS-Thema
Das LS-Thema soll Themen aufgreifen, die im Land spielen oder die Bürgerinnen und Bürger im Land betreffen. Das LS-Thema bietet eine große und kreative Spielfläche: Es kann bis zu 8 Minuten einnehmen, wenn zum Film ein Studiogast eingeladen wird. Unterschiedlichste Varianten der Gestaltung sind möglich. Zum Beispiel Kombi Reportage und Studiogast/analytischer Hintergrund-Beitrag und Studiogast. Für die Filme gilt, was allgemein für Filme in der Landesschau Rheinland-Pfalz gilt: Wir erzählen ein Fallbeispiel mit möglichst vielen unserer Herzpunkte. In der Regel erzählen wir die Geschichte eines Rheinland- Pfälzers, der etwas Bestimmtes erlebt hat oder von etwas betroffen ist. Er kann stellvertretend für eine Gruppe von Menschen stehen, denen etwas besonders passiert ist, die für oder gegen etwas besonders kämpfen. In Ausnahmefällen kann das Thema auch einmal nicht über einen Menschen transportiert werden, nämlich dann, wenn es ohnehin von großem öffentlichen Interesse ist und sich kein Protagonist findet, der die Handlung zusammenhält (BSP: LS-Thema über die Sicherheit der Hallendächer in Rheinland-Pfalz). LS-Thema ist ein interner Titel, der sicherstellen soll, dass in jeder Sendung ein Schwerpunkt dieser Qualität gesendet wird. Er wird nicht in der Moderation kommuniziert.
Der tiefere Blick
Das LS-Thema unterscheidet sich von anderen Filmen in der Landesschau Rheinland-Pfalz, weil es einen tieferen Blick auf ein Thema zulässt. Die Beiträge zeigen Hintergründe auf. Sie müssen trotzdem immer einen neuen Aspekt haben, der über die ursprüngliche Nachrichtenmeldung zum Thema hinausgeht! Die Filme können beherzt sein, der Autor kann Position beziehen, kann seinen - durch die Recherche belegten - Standpunkt darlegen. Zur Recherche gehört, dass Themen in Bezug auf das ganze Land eingeordnet werden (durch Zahlen, Einmaligkeit/Häufigkeit eines Ereignisses o.ä.) Das LS-Thema gibt es auch in Kombination mit Aufmacher. Es ist dann Ergänzung und Hintergrund zum Aufmacher. Und es kann Teil eines Votings sein.
Selbst gesetzte Themen
LS-Thema hat großes Interesse an Themen, die Autoren aus ihrer eigenen Recherche einbringen. Nicht immer muss die Grundlage für eine LS-Thema ein Zeitungsartikel oder eine Agenturmeldung sein! Das Landesschau-Thema baut auf die Autoren und ihre Kontakte ins Land und ermöglicht ihnen selbstgefundene Themen zu entwickeln und umzusetzen. Auch aus der Redaktion heraus können selbstgesetzte Themen entwickelt werden. Zu bestimmten Terminen macht Landesschau-Thema selbstgesetzte Schwerpunkte (Beispiel: Bericht Bürgerbeauftragte, Arbeitsmarktzahlen, Rechnungshof, bestimmte Gedenktage)
Weiterdreh und Nachgefragt
Landesschau-Thema verfolgt Themen, die bereits in der Landesschau Rheinland-Pfalz gesendet wurden. Aufmacher können weitergedreht werden, aber auch andere Formate. Bestimmte Entwicklungen werden verfolgt. BSP: Hallen. Nach dem Halleneinsturz in Bad Reichenhall wurden in Rheinland-Pfalz drei Hallen geschlossen. Wir fragen einige Monate später, was ist eigentlich mit diesen Hallen? Oder das Beispiel: Haus am Hang. Das Haus war absturzgefährdet, nachdem die Stadt Trier Bauarbeiten unterhalb des Hauses durchgeführt hat. In unserem Nachgefragt-Bericht konnten wir sogar zeigen, dass die Berichterstattung in der Landesschau Rheinland-Pfalz die Sicherungsmaßnahmen der Stadt bewirkt hat, um die der Hausbesitzer zuvor vergebens gekämpft hatte.
Länge
Das LS-Thema ist als Film bis zu 3.30 lang. Es können Ausnahmen gemacht werden. Zusammen it einem Studiogast kann ein Schwerpunkt als LS-Thema inklusive Moderation bis zu 8.00 dauern.
3.3 Ende gut
Das „Ende gut“ steht als Aussteiger als versöhnlicher Schlusspunkt am Ende der Sendung. Mit ihm werden die Zuschauer mit einem Augenzwinkern aus der Landesschau Rheinland- Pfalz entlassen. In eineinhalb Minuten erzählen wir eine kuriose Geschichte aus dem Land. Sie ist nicht alltäglich und sie hat eine Pointe.
Verschiedene Formen erwünscht
Dabei sind glossierende und ironische Formen erwünscht. Es können und sollen die verschiedensten Stilmittel eingesetzt werden ebenso wie unterschiedlichste Erzählhaltungen. Hier kann beispielsweise auch mit verschiedenen rheinland-pfälzischen Dialekten gespielt werden. Ende gut kann auch ohne Text konzipiert werden. Die Pointe des „Ende guts“ in der Landesschau Rheinland-Pfalz soll immer so ausfallen, dass alle – auch die Betroffenen - mitlachen können. Bösartige Satire und beißender Spott finden im „Ende gut“ nicht statt. Die Landesschau Rheinland-Pfalz macht keine Rheinland-Pfälzer lächerlich - und auch sonst niemanden.
Herzpunkte im Ende gut
Von den sieben Landesschau Rheinland.-Pfalz-Herzpunkten (siehe oben) erhöhen folgende Klassiker die Standfestigkeit des „Ende guts“: Prominenz, Geld, Kinder und Tiere. Das „Ende gut“ ist eine Marke am Ende der Sendung, auf die sich die Zuschauer freuen.
Länge:
Das Ende gut ist 1.30 Min. lang.
*
Aus unserer Sicht hat die konsequente Umsetzung des öffentlich-rechtlichen Boulevardisierung-Konzepts mit der Live-Schaltung aus einem Swingerclub einen neuen, schwer zu unterbietenden Tiefpunkt erreicht. Aber wir lassen uns gerne überraschen, was als Nächstes kommt. Da der auf YOUTUBE eingestellte Beitrag über den Swingerclub inzwischen entfernt wurde, erlauben wir uns, die aus unserer Sicht notwendige Öffentlichkeit wieder herzustellen:

Das Strategie-Papier im Wortlaut:
SWR Landesschau Rheinland-Pfalz Strategiepapier
Beiträge
1 Inhalt
1.1 Allgemeines
Beiträge in der Landesschau Rheinland-Pfalz sollen informieren, unterhalten, den Zuschauer mit schönen Bildern aus seinem Land verwöhnen. Ganz gleich, ob ein Beitrag informativ ist oder unterhaltend, folgende Bausteine sind immer wichtig:
Der Beitrag:
- hat eine klare Botschaft
- hat einen roten Faden
- hat eine Textperson (Eine Perspektive, die durchgehalten wird)
- hat eine Bildsprache (Kein Bilderteppich!)
- ist deutlich im Land verortet
- ist verständlich
Die Beiträge in der Landesschau Rheinland-Pfalz machen deutlich, dass sie im Land spielen. Immer wieder verorten sie ihr Thema und die Protagonisten. O-Töne in den Beiträgen tragen entweder Meinung oder Emotion; es sollen keine rein informativen O-Töne von Amtsträgern vorkommen. Menschen stehen im Mittelpunkt, sind betroffen, wir blicken auf ihr Schicksal. Oder sie erleben etwas Schönes, etwas Besonderes, was einem normalerweise nicht so oft begegnet, was schöne oder sogar überwältigende Emotionen in ihnen auslöst. Die Beiträge richten sich an eine bestimmte Zielgruppe. Sie wird durch das Arbeitsmittel „Familie Engel“ beschrieben.
Die Beiträge in der Landesschau Rheinland-Pfalz haben möglichst viele Herzpunkte. Sie sind im Folgenden beschrieben.
1.2 Die Landesschau Rheinland-Pfalz-Herzpunkte
Unsere Landesschau Rheinland-Pfalz-Herzpunkte sind sieben an der Zahl. Sie können viele Stücke stützen. Nicht nur für den Aufmacher, auch für andere Themen sind sie ein Erfolgsgarant. Je mehr Landesschau-Herzpunkte ein Film hat, umso höher seine Anziehungskraft auf den Zuschauer. Und das sind unsere Herzpunkte:
1. Sex&Crime (Filialleiterin in Boppard ersticht Aushilfe/Ladenbesitzer in Ludwigshafen wird erstochen/Tote Prostitiuierte gefesselt in Fischweiher in Bad Sobernheim gefunden/Kind mit Rotkraut in Kaiserslautern erstickt/Brandstifter hält Bad Kreuznach in Atem/Trickbetrüger in Mainz dringen bei alten Menschen in Wohnung ein)
2. Prominenz (Kardinal Lehmann wird 70/Herbert Bonewitz bekommt Karrierestern/Studiogäste aus dem fröhlichen Weinberg/Kochen mit Johann Lafer/Gesundheitsservice mit Hademar Bankhofer)
3. Schicksal (Tödliche Unfälle wie zum Beispiel Radfahrer totgefahren – steckte in Windschutzscheibe/Mädchen wird bei Jahrmarkt in Trier aus Bungee-Kugel geschleudert und stirbt/Überlebte Unfälle: 74-Jährige kommt bei Ahrweiler von Fahrbahn ab, stürzt 30 Meter in die Tiefe, überlebt unverletzt/Überlebte Krankheiten: Mann wird durch Arztfehler berufsunfähig und verliert dadurch Einkommen/Leben meistern mit Behinderung: Fast blinder Paralympics-Medaillen-Gewinner aus Mainz)
4. Katastrophe (schwere Unfälle mit vielen Toten/Unwetter verwüstet einen ganzen Ort/Sturm knickt große Waldflächen im Land um/ Hochwasser ruiniert Flussanlieger) 5. Geld (Blick in die Welt der Schönen und Reichen wie in Serie über Schlossherr/Marina Winningen an der Mosel/aber auch: Warnung vor Trickdieben während WM/Banküberfall mit Beute in Millionenhöhe, Tipps im Service zum Geld sparen im Alltag)
6. Kinder (Umfrage: woher kommt das Christkind etc./Kinder als Betroffene von Unfällen oder Katastrophen rühren noch einmal mehr an als erwachsene Opfer)
7. Tiere (Hund holt sich alleine Frühstück beim Metzger/Tierpark in der Eifel würde Bär Bruno aufnehmen/Koi-Karpfen für 20 000 Euro kommen aus Rheinland-Pfalz) Die Beitrage in der Landesschau Rheinland-Pfalz sind in der Regel zwischen 1 Minute und 3.30 lang. Ausnahmen sind möglich, siehe Formatbeschreibungen der einzelnen Beitragsplätze.
Zum Beitrag gehört eine Anmoderation. Sie ist vier bis sechs Sätze lang, nimmt keine Infos aus dem Beitrag vorweg und leitet zum ersten Bild oder ersten Satz des Beitrages über. Die Moderation erklärt dem Zuschauer, warum er sich diesen Beitrag in der Sendung ansehen soll.
1.3 Der Erzählsatz
Eine wichtig Rolle für die Entstehung eines Landesschau Rheinland-Pfalz-Beitrags spielt der Erzählsatz. Die Dramaturgie kann schon in einer frühen Phase von AutorIn und RedakteurIn vorgedacht werden. Der Erzählsatz ist hierfür ein Handwerkszeug. Er reduziert die Geschichte auf ein überschaubares Minimum und beinhaltet dennoch ihre Dramaturgie. Er gibt der Kreativität eine Richtung, in der sie sich nicht nur gestalterisch, sondern auch dramaturgisch entfalten kann. So sieht er aus:
Ich erzähle die Geschichte von einer Hauptfigur, Person, Gruppe, Abstraktum mit einer besonderen Eigenschaft, die vor einer Herausforderung, Aufgabe, Problem, Konflikt, steht. Die Lösung sieht so aus!
Beispiele:
Katze angeschossen
Katzenbesitzerin Kerstin Knirsch (Hauptfigur) musste ihren angeschossenen Kater vor dem
Tod retten (Eigenschaft). Jetzt hat sie Angst, dass der Schütze erneut zuschlägt (Problem).
Sie will den Kater trotzdem wieder nach draußen lassen und hofft, den Täter mit Hilfe der
Nachbarn und der Polizei zu finden (Lösung).
Riesenwollschlange im Kindergarten Bullay
Die Kindergartenkinder (Hauptfigur) (Eigenschaft: „Kindergarten“= sehr jung) aus Bullay an der Mosel wollten mit ihren Müttern und Erzieherinnen zusammen die längste Wollschlange der Welt (Herausforderung) stricken. Voller Spannung erwarten sie die amtliche Vermessung durch den Notar. Ergebnis 315 Meter und damit die längste Schlange der Welt. (Lösung)
Bürgerinitiative kämpft um Untersuchung
Die kleine (Eigenschaft) Bürgerinitiative Trier Pfalzel (Hauptfigur) will beweisen (Herausforderung), dass Stahlwerk und Schrotthändler am Hafen die Luft im Wohngebiet mit Blei und Cadmium vergiften. Weil sich die BI hartnäckig bei den Behörden und in der Öffentlichkeit bemerkbar macht, erreicht sie, dass das Umweltministerium eine Untersuchung in Auftrag gibt. (Lösung)
1.4 Das Landesschau Rheinland-Pfalz-Filmkonzept
Das Filmkonzept ist die Arbeitsgrundlage, die vor dem ersten Produktionsschritt die Bildsequenz-Folge, die Tonebene und die Informationsinhalte des späteren Films Dritten plausibel und verständlich beschreibt.
Diese Dritten sind Planungsredakteure ebenso wie Produktionsmitarbeiter (Kamera-Männer/Frauen, AssistentInnen, TonassistentInnen, BeleuchterInnen)
Das Filmkonzept soll in vier Rubriken in Stichworten die jeweilige Bildsequenz beschreiben und alle gewichtenden Informationen der jeweiligen Sequenz liefern (ganz gleich, ob sich dann auch alle im späteren Text wiederfinden oder nicht).
Das Filmkonzept soll nicht: einen Filmtext enthalten (auch nicht ‚ungefähr’)
Die vier Rubriken sollten sein: 1. Position, 2. Länge, 3. Bild/Ton, 4. Inhalt
Der Kopfteil enthält die Kerndaten: Autor, Sendedatum (wenn es fest steht), geplante Länge, Thema mit Erzählsatz.
1.4 Das „Filmkonzept“ findet sich als Word-Vorlage auf
....
Es kann von dort aufgerufen werden, man kann es sich auf den Desktop legen, ins eigene Word oder als Vorlage auf den Laptop kopieren.
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1.5 Nachgestellte Szenen
Nachgestellte Szenen sind ein Element in unseren Beiträgen, auf das wir nicht verzichten wollen und an vielen Stellen auch nicht können, nämlich dann, wenn kein Bildmaterial vorhanden ist. Sie machen einen Film spannend und ermöglichen die Nacherzählung einer Geschichte. Szenen mit Waffen etc. aus dem Requisitenschrank im CvD-Büro sollen sehr vorsichtig eingesetzt werden. Szenen, in denen Menschen miteinander reden (beispielsweise Betrug bei Haustürgeschäft), sollten in der Regel übertextet werden. Grund: Wenn wir selbst nachstellen, könnte das zu laienhaft wirken.
Nachgestellte Szenen können 1.) real dargestellt werden, 2.) verfremdet werden, 3.) mit
einer Einblendung „nachgestellte Szene“ gekennzeichnet werden.
1.5.1 Reale Darstellung
Wir können Szenen in realer Darstellung nachstellen und senden, wenn wir zum Beispiel den Bericht eines Augenzeugen nachdrehen. Wichtig ist es im Text darauf einzugehen, dass das Gezeigte von uns extra noch einmal gedreht wurde. So kann man eine kurze Passage darstellen, aber auch eine längere Episode aus der Sicht eines Protagonisten zeigen.
Beispiel Aufmacher 23.5.06:
Auf einer Vandalismustour durch Worms sind zwei Jugendliche festgenommen worden. Eine 65-jährige verfolgte die beiden mit dem Auto und alarmierte die Polizei per Handy.
Anmoderation:
Wenn Zivilcourage gefragt ist, dann schauen viele Menschen einfach weg: Vor allem dann, wenn ihnen klar wird, dass sie sich bei einer Schlägerei oder einem Diebstahl, den sie gerade beobachten, selbst gefährden könnten. Ganz anders gestrickt ist offenbar eine Seniorin aus Worms: Die 65-Jährige hat zwei Jugendliche Straftäter mit ihrem Auto verfolgt, nachdem sie nachts zufällig beobachtet hat wie die beiden mehrere Autos beschädigt haben.
Szene: Blick aus dem Fenster der Frau, beschädigte Autos auf der Straße, Frau im Auto von hinten gedreht, fährt noch einmal Strecke aus der Nacht.
Text:
Von diesem Fenster aus hat sie alles beobachtet: es war drei Uhr nachts als die 65-jährige Wormserin sieht wie zwei Jugendliche Autos beschädigen. Für uns stellt sie die Situation noch mal nach. Sie packt das Handy, nimmt die Verfolgung auf und verständigt die Polizei.
1.5.2 Verfremdung
Wir zeigen ein Ereignis, von dem wir kein Filmmaterial haben, das sich aber so oder so ähnlich abgespielt haben könnte, wie wir es darstellen. Dann verfremden wir die Szene. Dazu gibt es verschiedene Mittel wie schwarz-weiß, Solarisation, Farb-Änderung. So machen wir deutlich, dass wir nachgestellt haben.
Beispiel Aufmacher 18.5.06:
Eine betagte Autofahrerin hat am Dienstag in Bad Neuenahr-Ahrweiler eine scharfe Kurve verpasst und ist 30 Meter in die Tiefe gestürzt. Die Frau überlebte leicht verletzt.
Anmoderation:
Ein spektakulärer Unfall: Eine 74-Jährige fuhr auf der Landstraße Richtung Bad Neuenahr- Ahrweiler. In einer scharfen Kurve, raste die Fahrerin einfach geradeaus und stürzte einen steilen Abhang hinunter. Doch die Dame hatte Glück und einen so außergewöhnlich guten Schutzengel dass man es kaum glauben kann - sie überlebte einen wirklich nicht alltäglichen Unfall.
Szene: Autofahrt in der Subjektive, Kamera kommt von der Straße ab, landet im Gebüsch Verfremdung: Szene geht farblich leicht ins grün-gräuliche.
Text:
Mittags kurz nach zwölf. Elisabeth G. ist auf dem Weg zu einem Krankenhaustermin. Die 74- Jährige fährt auf der Landstraße Richtung Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dann passiert es. In einer scharfen Kurve rast Elisabeth G. geradeaus, stürzt 30 Meter in die Tiefe. Sie kracht mit ihrem Kleinwagen auf diese Terrasse. Der Nachbar hört den Aufprall. Eine solche Verfremdung kann auch hilfreich sein bei der Darstellung von Tathergängen, die wir nur annähernd beschreiben können, da wir die genauen Umstände oft nicht kennen. An dieser Stelle dient die nachgestellte Szene dazu, die Phantasie des Zuschauers anzuregen, ein Bild bei ihm entstehen zu lassen davon, worüber der Film berichtet. Zusätzlich entsteht hierbei durch die Verfremdung eine gewisse Spannung. Eine bedrohliche Musik und der Text im Präsens unterstützen dies.
Beispiel Aufmacher 7.6.06:
Es geht um Trickdiebstähle während der WM.
Szene: Gleich zu Beginn des Films zeigt uns eine Szene, wie leicht ein Taschendieb in der Fußgängerzone ein Portemonnaie aus der Einkaufstasche einer Frauziehen kann. Die Szene ist durch stärkeren Kontrast verfremdet.
Text:
Sie spähen ihr Opfer in der Menschenmenge aus. Dann greifen sie zu. Haben die Taschendiebe ihre Beute, verschwinden sie unauffällig in der Masse.
1.5.3 Kennzeichnung mit der Einblendung „nachgestellte Szene“
Mit der Einblendung „nachgestellte Szene“ sollte nur im Ausnahmefall gearbeitet werden. Beispielsweise, wenn eine echte Verwechslung entstehen könnte oder wenn der Zuschauer nicht mehr zwischen real und Fiktion unterscheiden kann und es dadurch zu Verständnis- Schwierigkeiten kommt und der Film seine klare Linie verliert.
2 Formales
Zum Beitrag gehört die Dokumentation in Open Media. Das heißt: Von Beginn an wird festgehalten, was der Inhalt des Beitrages ist, wo er spielt, wann er fertig ist, mit welcher Länge er geplant ist. Diese Informationen werden während der Entstehung des Beitrages gepflegt und ggf. verändert. Nur so ist gewährleistet, dass sich aus der Fülle der Beiträge in der Planung eine einwandfreie Sendung zusammenstellen lässt und die Sendung ohne Reibungsverluste entstehen kann. Die Anmoderation muss am Morgen des Sendetags dem Moderator vorliegen.
3 Formatbeschreibungen der Rubriken
3.1 Aufmacher „Rotlicht/Blaulicht“
Der Aufmacher der Landesschau Rheinland-Pfalz will die Zuschauer in die Sendung ziehen. Die Themen kommen aus dem Bereich Boulevard. Die Stücke erzählen eine Straftat nach, einen Unfall, Themen aus dem Bereich der Polizei und Justiz. Wir gehen damit bewusst ins Milieu und wollen über kuriose Fälle von Kriminalität und über Unglücke berichten, die das Maß der Normalität überschreiten. Dabei ist es wichtig, dass der Aufmacher nicht erklären muss, warum, wann wie viele bestimmte Straftaten in Rheinland-Pfalz passiert sind. Zahlen dazu sollen aber für die Moderation recherchiert werden, damit der Moderator dem Zuschauer sagen kann, warum das Thema wichtig ist.
Herzpunkte im Aufmacher
Von den sieben Landesschau Rheinland-Pfalz Herzpunkten: Sex&Crime, Prominenz, Schicksal, Katastrophe, Geld, Kinder, Tiere – sollten diese in jedem Fall den Aufmacher stützen: Schicksal, Sex&Crime und Katastrophe. Wenn noch dazu Kinder, Prominente oder Tiere betroffen sind, erhöht das die Anziehungskraft des Aufmachers auf den Zuschauer zusätzlich. Ebenso, wenn Geld (Betrug, Bankraub, Raubmord) eine Rolle spielt.
Emotionen wecken In erster Linie soll der Aufmacher aus dem Rotlicht-Blaulicht-Milieu Emotionen wecken und über eine außergewöhnliche Geschichte im Land berichten. Damit sollen die Menschen da abgeholt werden, wo sie zu Beginn des Feierabends sind: Sie sollen eine interessante Story, einen spannenden Kriminalfall einen erschütternden Unfall im Bild sehen, von dem sie am Tag oder am Tag zuvor schon in den Radionachrichten gehört haben.
Umsetzung
Bei der Umsetzung der Themen ist die Kreativität der Reporter gefragt. Oft gibt es nur wenig Material vom Tathergang/Unfallort. Fotos können da schon eine Hilfe sein. Augenzeugen, die im O-Ton berichten, was sie erlebt haben, sind ein wichtiger Baustein. Beim Genre Boulevard spielt immer auch die Angst und das Gruseln mit. Das erzeugt Betroffenheit beim Zuschauer und auch den Gedanken: Was für eine Glück ist mir das nicht passiert (ein psychologisch wesentliches Element, warum Verbrechens- und Unfallmeldungen gerne gesehen, gehört und gelesen werden). Trotzdem soll eine zu starke Verunsicherung des Zuschauers vermieden werden. Zum Beitrag gehört daher in vielen Fällen eine Abmod, die es dem Moderator leicht macht, den Beitrag in die Sendung einzubetten. Nützlich ist eine zusätzliche Info wie: die Polizei ermittelt weiter/morgen werden weitere Zeugen vernommen/die Obduktionsergebnisse werden weiteren Aufschluss bringen/die Polizei bittet um ihre Mithilfe etc.
Länge
Der Aufmacher ist 1.30 bis 2.00 Min. lang.
3.2 LS-Thema
Das LS-Thema soll Themen aufgreifen, die im Land spielen oder die Bürgerinnen und Bürger im Land betreffen. Das LS-Thema bietet eine große und kreative Spielfläche: Es kann bis zu 8 Minuten einnehmen, wenn zum Film ein Studiogast eingeladen wird. Unterschiedlichste Varianten der Gestaltung sind möglich. Zum Beispiel Kombi Reportage und Studiogast/analytischer Hintergrund-Beitrag und Studiogast. Für die Filme gilt, was allgemein für Filme in der Landesschau Rheinland-Pfalz gilt: Wir erzählen ein Fallbeispiel mit möglichst vielen unserer Herzpunkte. In der Regel erzählen wir die Geschichte eines Rheinland- Pfälzers, der etwas Bestimmtes erlebt hat oder von etwas betroffen ist. Er kann stellvertretend für eine Gruppe von Menschen stehen, denen etwas besonders passiert ist, die für oder gegen etwas besonders kämpfen. In Ausnahmefällen kann das Thema auch einmal nicht über einen Menschen transportiert werden, nämlich dann, wenn es ohnehin von großem öffentlichen Interesse ist und sich kein Protagonist findet, der die Handlung zusammenhält (BSP: LS-Thema über die Sicherheit der Hallendächer in Rheinland-Pfalz). LS-Thema ist ein interner Titel, der sicherstellen soll, dass in jeder Sendung ein Schwerpunkt dieser Qualität gesendet wird. Er wird nicht in der Moderation kommuniziert.
Der tiefere Blick
Das LS-Thema unterscheidet sich von anderen Filmen in der Landesschau Rheinland-Pfalz, weil es einen tieferen Blick auf ein Thema zulässt. Die Beiträge zeigen Hintergründe auf. Sie müssen trotzdem immer einen neuen Aspekt haben, der über die ursprüngliche Nachrichtenmeldung zum Thema hinausgeht! Die Filme können beherzt sein, der Autor kann Position beziehen, kann seinen - durch die Recherche belegten - Standpunkt darlegen. Zur Recherche gehört, dass Themen in Bezug auf das ganze Land eingeordnet werden (durch Zahlen, Einmaligkeit/Häufigkeit eines Ereignisses o.ä.) Das LS-Thema gibt es auch in Kombination mit Aufmacher. Es ist dann Ergänzung und Hintergrund zum Aufmacher. Und es kann Teil eines Votings sein.
Selbst gesetzte Themen
LS-Thema hat großes Interesse an Themen, die Autoren aus ihrer eigenen Recherche einbringen. Nicht immer muss die Grundlage für eine LS-Thema ein Zeitungsartikel oder eine Agenturmeldung sein! Das Landesschau-Thema baut auf die Autoren und ihre Kontakte ins Land und ermöglicht ihnen selbstgefundene Themen zu entwickeln und umzusetzen. Auch aus der Redaktion heraus können selbstgesetzte Themen entwickelt werden. Zu bestimmten Terminen macht Landesschau-Thema selbstgesetzte Schwerpunkte (Beispiel: Bericht Bürgerbeauftragte, Arbeitsmarktzahlen, Rechnungshof, bestimmte Gedenktage)
Weiterdreh und Nachgefragt
Landesschau-Thema verfolgt Themen, die bereits in der Landesschau Rheinland-Pfalz gesendet wurden. Aufmacher können weitergedreht werden, aber auch andere Formate. Bestimmte Entwicklungen werden verfolgt. BSP: Hallen. Nach dem Halleneinsturz in Bad Reichenhall wurden in Rheinland-Pfalz drei Hallen geschlossen. Wir fragen einige Monate später, was ist eigentlich mit diesen Hallen? Oder das Beispiel: Haus am Hang. Das Haus war absturzgefährdet, nachdem die Stadt Trier Bauarbeiten unterhalb des Hauses durchgeführt hat. In unserem Nachgefragt-Bericht konnten wir sogar zeigen, dass die Berichterstattung in der Landesschau Rheinland-Pfalz die Sicherungsmaßnahmen der Stadt bewirkt hat, um die der Hausbesitzer zuvor vergebens gekämpft hatte.
Länge
Das LS-Thema ist als Film bis zu 3.30 lang. Es können Ausnahmen gemacht werden. Zusammen it einem Studiogast kann ein Schwerpunkt als LS-Thema inklusive Moderation bis zu 8.00 dauern.
3.3 Ende gut
Das „Ende gut“ steht als Aussteiger als versöhnlicher Schlusspunkt am Ende der Sendung. Mit ihm werden die Zuschauer mit einem Augenzwinkern aus der Landesschau Rheinland- Pfalz entlassen. In eineinhalb Minuten erzählen wir eine kuriose Geschichte aus dem Land. Sie ist nicht alltäglich und sie hat eine Pointe.
Verschiedene Formen erwünscht
Dabei sind glossierende und ironische Formen erwünscht. Es können und sollen die verschiedensten Stilmittel eingesetzt werden ebenso wie unterschiedlichste Erzählhaltungen. Hier kann beispielsweise auch mit verschiedenen rheinland-pfälzischen Dialekten gespielt werden. Ende gut kann auch ohne Text konzipiert werden. Die Pointe des „Ende guts“ in der Landesschau Rheinland-Pfalz soll immer so ausfallen, dass alle – auch die Betroffenen - mitlachen können. Bösartige Satire und beißender Spott finden im „Ende gut“ nicht statt. Die Landesschau Rheinland-Pfalz macht keine Rheinland-Pfälzer lächerlich - und auch sonst niemanden.
Herzpunkte im Ende gut
Von den sieben Landesschau Rheinland.-Pfalz-Herzpunkten (siehe oben) erhöhen folgende Klassiker die Standfestigkeit des „Ende guts“: Prominenz, Geld, Kinder und Tiere. Das „Ende gut“ ist eine Marke am Ende der Sendung, auf die sich die Zuschauer freuen.
Länge:
Das Ende gut ist 1.30 Min. lang.
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Einsatz für Pressefreiheit
(28.01.11) Am 31.05.10 wurde der deutsche Dokumentarfilm-Regisseur Mario Damolin auf einem für Gaza bestimmten Schiffskonvoi von israelischem Militär festgesetzt und seiner journalistischen Arbeitsmaterialien beraubt. Mario Damolin hat die Militäraktion in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung beschrieben.
Auf die wiederholte Aufforderung, das entwendete...
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AG DOK-Forderung an Westerwelle
Einsatz für Pressefreiheit
(28.01.11) Am 31.05.10 wurde der deutsche Dokumentarfilm-Regisseur Mario Damolin auf einem für Gaza bestimmten Schiffskonvoi von israelischem Militär festgesetzt und seiner journalistischen Arbeitsmaterialien beraubt. Mario Damolin hat die Militäraktion in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung beschrieben.
Auf die wiederholte Aufforderung, das entwendete Aufnahmegerät und die ebenfalls einbehaltenen Datenträger mit dokumentarischen Aufnahmen der Aktion wieder herauszugeben, hat die israelische Regierung seit mehr als einem halben Jahr nicht reagiert.
Die AG Dokumentarfilm hat deshalb jetzt den deutschen Außenminister Dr. Guido Westerwelle aufgefordert, sich bei der israelischen Regierung für unverzügliche Rückgabe des einbehaltenen fremden Eigentums, für die Pressefreiheit sowie für die Einhaltung internationaler Gepflogenheiten im Umgang mit Journalisten einzusetzen. zum Brief der AG DOK
Auf die wiederholte Aufforderung, das entwendete Aufnahmegerät und die ebenfalls einbehaltenen Datenträger mit dokumentarischen Aufnahmen der Aktion wieder herauszugeben, hat die israelische Regierung seit mehr als einem halben Jahr nicht reagiert.
Die AG Dokumentarfilm hat deshalb jetzt den deutschen Außenminister Dr. Guido Westerwelle aufgefordert, sich bei der israelischen Regierung für unverzügliche Rückgabe des einbehaltenen fremden Eigentums, für die Pressefreiheit sowie für die Einhaltung internationaler Gepflogenheiten im Umgang mit Journalisten einzusetzen. zum Brief der AG DOK
Preisgeld des „Dicken Fells“ geht an argentinische Filmemacherin
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(c) 2011/AG DOK
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(09.01.11) Wenn bolivianische Bergarbeiter in den schlecht gesicherten Erzstollen der Anden bei ihrer gefährlichen Arbeit umkommen, wenn ihre Familien in tiefster Armut zurückbleiben – was hat das alles mit dem Sendegebiet des Westdeutschen Rundfunks zu tun? Nichts!
Nicht zuletzt deshalb hat Dr. Sabine Rollberg, die ARTE-Beauftragte des WDR, das Preisgeld des im letzten Jahr von der AG DOK verliehenen Redakteurspreises „Das Dicke Fell“ der Projektentwicklung eines Films zugedacht, der...
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Weil so etwas im WDR nicht mehr möglich ist:
Preisgeld des „Dicken Fells“ geht an argentinische Filmemacherin
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(c) 2011/AG DOK
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(09.01.11) Wenn bolivianische Bergarbeiter in den schlecht gesicherten Erzstollen der Anden bei ihrer gefährlichen Arbeit umkommen, wenn ihre Familien in tiefster Armut zurückbleiben – was hat das alles mit dem Sendegebiet des Westdeutschen Rundfunks zu tun? Nichts!
Nicht zuletzt deshalb hat Dr. Sabine Rollberg, die ARTE-Beauftragte des WDR, das Preisgeld des im letzten Jahr von der AG DOK verliehenen Redakteurspreises „Das Dicke Fell“ der Projektentwicklung eines Films zugedacht, der in den meisten ARD-Sendern heute keine Chance mehr hätte. Denn Arte-Themen haben im WDR (und in den meisten anderen ARD-Sendern) nur noch dann eine Realisierungschance, wenn es eine thematische Anknüpfung an das jeweilige Sendegebiet gibt und damit auch eine Zweitverwertung im jeweiligen Regionalprogramm möglich ist. Malena Bystrowicz aus Buenos Aires bekommt die 5000 Euro für die Fortentwicklung ihres Projekts „Palliris – Sucherinnen“, in dem das Elend, aber auch der Mut bolivianischer Bergarbeiterwitwen geschildert werden soll.
Beim Kölner Regionaltreffen der AG DOK überreichten Thomas Frickel und Gunter Hanfgarn Anfang Dezember den symbolischen Scheck an Frau Dr. Rollberg - der Geldbetrag selbst wurde inzwischen durch Vermittlung des Goethe-Instituts Buenos Aires nach Argentinien transferiert. Bei dieser Gelegenheit wiederholte Thomas Frickel noch einmal einzelne Passagen aus der Preisrede, die er letztes Jahr in Leipzig gehalten hatte und erinnerte daran, welche bedeutende Rolle Frau Dr. Rollberg, die einstige Pariser ARD-Koprrespondentin und spätere Arte-Chefredakteurin, für die Entwicklung der Dokumentarfilmkultur spielte: die Referenzliste der Filme, für die sie Verantwortung trug, reicht von zahllosen Festivalauszeichnungen über den Deutschen Filmpreis bis zur Oscar-Nominierung.
Aber nicht nur ihr konsequentes Eintreten für den langen, unformatierten Dokumentarfilm und für ein von deutschen Programminteressen unabhängiges ARTE-Programm hatten 2009 zur Preisvergabe an Frau Dr. Rollberg geführt. im Zuge des Abstimmungsverfahrens hatten die beteiligten AG DOK-Mitglieder wiederholt hervorgehoben, was diese Redakteurin noch auszeichnet: "Sabine Rollberg hat sich dem allgemeinen Trend zur Mißachtung von Filmemachern nicht angeschlossen, sie respektiert sie, läßt sie nicht wochen- bis monatelang warten, bevor sie ein Exposé liest, obwohl ihr Tisch sicherlich genau so wie bei anderen unter Bergen von Exposés schwankt“, schrieb ein Kollege, und eine andere Zuschrift betont: "Sabine Rollberg wagt sich immer noch an Themen, die andere Redakteurinnen und Redakteure nicht machen wollen, weil sie vielleicht keine Quote versprechen oder im Haus nicht durchzusetzen sind, oder weil sie einfach kein Interesse an sperrigern Themen haben - während sie diese Themen, die sie wichtig findet, aber durchsetzt, auch gegen zahlreiche Widerstände."
Frau Rollberg bedankte sich für die Auszeichnung, merkte aber kurz an, dass diese Würdigung einen vergangenen Zustand beschreibt. Inzwischen sei ihr innerhalb des WDR die Zuständigkeit für die früher so erfolgreich behandelten Themen entzogen worden, mehr dürfe sie aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht sagen. Wie der WDR mit der Auszeichnung seiner herausragenden Redakteurin umgeht, wusste aber Thomas Frickel zu berichten: über die Preisverleihung des „Dicken Fells“ sei im letzten Jahr etwa zwei Stunden lang auf der homepage des WDR berichtet worden, dann sei der entsprechende Beitrag verschwunden. Warum – das zu überlegen, bleibt dem geneigten Leser selbst überlassen.
Nicht zuletzt deshalb hat Dr. Sabine Rollberg, die ARTE-Beauftragte des WDR, das Preisgeld des im letzten Jahr von der AG DOK verliehenen Redakteurspreises „Das Dicke Fell“ der Projektentwicklung eines Films zugedacht, der in den meisten ARD-Sendern heute keine Chance mehr hätte. Denn Arte-Themen haben im WDR (und in den meisten anderen ARD-Sendern) nur noch dann eine Realisierungschance, wenn es eine thematische Anknüpfung an das jeweilige Sendegebiet gibt und damit auch eine Zweitverwertung im jeweiligen Regionalprogramm möglich ist. Malena Bystrowicz aus Buenos Aires bekommt die 5000 Euro für die Fortentwicklung ihres Projekts „Palliris – Sucherinnen“, in dem das Elend, aber auch der Mut bolivianischer Bergarbeiterwitwen geschildert werden soll.
Beim Kölner Regionaltreffen der AG DOK überreichten Thomas Frickel und Gunter Hanfgarn Anfang Dezember den symbolischen Scheck an Frau Dr. Rollberg - der Geldbetrag selbst wurde inzwischen durch Vermittlung des Goethe-Instituts Buenos Aires nach Argentinien transferiert. Bei dieser Gelegenheit wiederholte Thomas Frickel noch einmal einzelne Passagen aus der Preisrede, die er letztes Jahr in Leipzig gehalten hatte und erinnerte daran, welche bedeutende Rolle Frau Dr. Rollberg, die einstige Pariser ARD-Koprrespondentin und spätere Arte-Chefredakteurin, für die Entwicklung der Dokumentarfilmkultur spielte: die Referenzliste der Filme, für die sie Verantwortung trug, reicht von zahllosen Festivalauszeichnungen über den Deutschen Filmpreis bis zur Oscar-Nominierung.
Aber nicht nur ihr konsequentes Eintreten für den langen, unformatierten Dokumentarfilm und für ein von deutschen Programminteressen unabhängiges ARTE-Programm hatten 2009 zur Preisvergabe an Frau Dr. Rollberg geführt. im Zuge des Abstimmungsverfahrens hatten die beteiligten AG DOK-Mitglieder wiederholt hervorgehoben, was diese Redakteurin noch auszeichnet: "Sabine Rollberg hat sich dem allgemeinen Trend zur Mißachtung von Filmemachern nicht angeschlossen, sie respektiert sie, läßt sie nicht wochen- bis monatelang warten, bevor sie ein Exposé liest, obwohl ihr Tisch sicherlich genau so wie bei anderen unter Bergen von Exposés schwankt“, schrieb ein Kollege, und eine andere Zuschrift betont: "Sabine Rollberg wagt sich immer noch an Themen, die andere Redakteurinnen und Redakteure nicht machen wollen, weil sie vielleicht keine Quote versprechen oder im Haus nicht durchzusetzen sind, oder weil sie einfach kein Interesse an sperrigern Themen haben - während sie diese Themen, die sie wichtig findet, aber durchsetzt, auch gegen zahlreiche Widerstände."
Frau Rollberg bedankte sich für die Auszeichnung, merkte aber kurz an, dass diese Würdigung einen vergangenen Zustand beschreibt. Inzwischen sei ihr innerhalb des WDR die Zuständigkeit für die früher so erfolgreich behandelten Themen entzogen worden, mehr dürfe sie aus arbeitsrechtlichen Gründen nicht sagen. Wie der WDR mit der Auszeichnung seiner herausragenden Redakteurin umgeht, wusste aber Thomas Frickel zu berichten: über die Preisverleihung des „Dicken Fells“ sei im letzten Jahr etwa zwei Stunden lang auf der homepage des WDR berichtet worden, dann sei der entsprechende Beitrag verschwunden. Warum – das zu überlegen, bleibt dem geneigten Leser selbst überlassen.
AG DOK-Broschüre beschreibt den internationalen Dokumentarfilm-Markt
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(14.06.10) "Wegweiser Weltvertrieb": schon der Titel verortet die neue Broschüre der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm als praxisorientierten Ratgeber: auf mehr als 100 Seiten in handlichem Format, zum Teil mit Listen, Tabellen und Grafiken veranschaulicht, will sie deutschen Dokumentarfilm-Produzenten bei der Erkundung eines nach wie vor nur teilweise erschlossenen Terrains helfen. Denn die erkennbare Strategie deutscher Fernseh-Sender, sich aus der Vollfinanzierung dokumentarischer Programme...
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Orientierungshilfe in schwierigem Gelände
AG DOK-Broschüre beschreibt den internationalen Dokumentarfilm-Markt
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(14.06.10) "Wegweiser Weltvertrieb": schon der Titel verortet die neue Broschüre der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm als praxisorientierten Ratgeber: auf mehr als 100 Seiten in handlichem Format, zum Teil mit Listen, Tabellen und Grafiken veranschaulicht, will sie deutschen Dokumentarfilm-Produzenten bei der Erkundung eines nach wie vor nur teilweise erschlossenen Terrains helfen. Denn die erkennbare Strategie deutscher Fernseh-Sender, sich aus der Vollfinanzierung dokumentarischer Programme zurückzuziehen, zwingt immer mehr Produzenten dazu, sich nach anderen Einnahmequellen umzusehen. In dieser Situation erscheint der Weltmarkt vielen als ein möglicher Ausweg.
Aber ist er das wirklich? Wie und wo präsentiere ich mein Programm am effektivsten? Was muss ich dafür investieren? Welche Rechte sind vorab zu klären? Wie sollte der Vertrag mit dem ausländischen Partner aussehen? Und, nicht zu vergessen: Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt?
Jörg Langer, einst selbst Mitinhaber eines Weltvertriebs, Produzent und seit zehn Jahren verantwortlicher Koordinator für die Auslandsaktivitäten der AG Dokumentarfilm, hat sich gemeinsam mit weiteren Experten der Beantwortung dieser Fragen angenommen, und die so entstandene Bestandsaufnahme kann sicher dazu beitragen, überzogene Erwartungen auf ein realistisches Maß zurückzustutzen. Denn trotz seines immensen Programmhungers schluckt und verdaut der Weltmarkt bei weitem nicht alles, was deutsche Dokumentarfilm-Manufakturen ihm anbieten. Rund 1000 Filmangebote lehne sie Jahr für Jahr ab, weil sie nur für den eigenen und nicht für einen internationalen Markt gemacht sind, sagt die Chefin einer bekannten Vertriebsagentur im Interview mit dem Verfasser, und ein Kollege ergänzt, dass achtzig Prozent seiner Umsätze auf ganze fünf Prozent seines Film-Angebots entfallen.
Und doch will der "Wegweiser Weltvertrieb" seine Leser nicht entmutigen – im Gegenteil. Mit einer bemerkenswerten Informationsfülle, präzise beschrieben und für Branchenkenner verständlich aufbereitet, zielt dieser Crash-Kurs in Sachen Marketing ja gerade darauf, deutsche Produzenten vor Irrwegen in der umtriebigen Welt der Programm-Messen zu bewahren. Von der elementaren Frage nach den formalen und technischen Voraussetzungen, die einen Film überhaupt erst weltmarkttauglich machen, über die inhaltlichen Vorlieben internationaler Fernsehanstalten, die Formen der Zusammenarbeit mit ausländischen Sendern und Vertriebs-Organisationen bis zur Betrachtung kniffliger Steuerprobleme arbeitet sich die Broschüre Schritt für Schritt an nahezu alle möglichen Unwägbarkeiten heran. Fragen der Vertragsgestaltung mit ausländischen Partnern fehlen ebenso wenig wie die Betrachtung denkbarer Konfliktpotentiale im sensiblen Verhältnis zwischen Produzent und Vertrieb. Erfahrungsberichte, Hinweise zu den Vor- und Nachteilen weltweiter Internet-Vermarktung. und ein Service-Teil mit Vertriebs-Adressen, Messe-Kalender und marktüblichen Lizenzpreisen runden das Themenspektrum der Broschüre ab.
Nicht nur die vorformulierten Fragen, sondern auch die Antworten folgen dem praktischen Bedürfnis der Branche und bündeln hoch spezialisiertes Fachwissen in einer Dosierung, aus der selbst Profis noch etwas lernen können. Und zwar zum Null-Tarif - Dank der finanziellen Unterstützung durch die Service- und Marketing-Organisation "German Films" kann der "Wegweiser Weltvertrieb" kostenlos bezogen werden. Schriftliche Bestellungen nimmt die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm / AG DOK, Schweizer Straße 6, 60594 Frankfurt/Main, E-Mail agdok@agdok.de gerne entgegen.
Aber ist er das wirklich? Wie und wo präsentiere ich mein Programm am effektivsten? Was muss ich dafür investieren? Welche Rechte sind vorab zu klären? Wie sollte der Vertrag mit dem ausländischen Partner aussehen? Und, nicht zu vergessen: Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt?
Jörg Langer, einst selbst Mitinhaber eines Weltvertriebs, Produzent und seit zehn Jahren verantwortlicher Koordinator für die Auslandsaktivitäten der AG Dokumentarfilm, hat sich gemeinsam mit weiteren Experten der Beantwortung dieser Fragen angenommen, und die so entstandene Bestandsaufnahme kann sicher dazu beitragen, überzogene Erwartungen auf ein realistisches Maß zurückzustutzen. Denn trotz seines immensen Programmhungers schluckt und verdaut der Weltmarkt bei weitem nicht alles, was deutsche Dokumentarfilm-Manufakturen ihm anbieten. Rund 1000 Filmangebote lehne sie Jahr für Jahr ab, weil sie nur für den eigenen und nicht für einen internationalen Markt gemacht sind, sagt die Chefin einer bekannten Vertriebsagentur im Interview mit dem Verfasser, und ein Kollege ergänzt, dass achtzig Prozent seiner Umsätze auf ganze fünf Prozent seines Film-Angebots entfallen.
Und doch will der "Wegweiser Weltvertrieb" seine Leser nicht entmutigen – im Gegenteil. Mit einer bemerkenswerten Informationsfülle, präzise beschrieben und für Branchenkenner verständlich aufbereitet, zielt dieser Crash-Kurs in Sachen Marketing ja gerade darauf, deutsche Produzenten vor Irrwegen in der umtriebigen Welt der Programm-Messen zu bewahren. Von der elementaren Frage nach den formalen und technischen Voraussetzungen, die einen Film überhaupt erst weltmarkttauglich machen, über die inhaltlichen Vorlieben internationaler Fernsehanstalten, die Formen der Zusammenarbeit mit ausländischen Sendern und Vertriebs-Organisationen bis zur Betrachtung kniffliger Steuerprobleme arbeitet sich die Broschüre Schritt für Schritt an nahezu alle möglichen Unwägbarkeiten heran. Fragen der Vertragsgestaltung mit ausländischen Partnern fehlen ebenso wenig wie die Betrachtung denkbarer Konfliktpotentiale im sensiblen Verhältnis zwischen Produzent und Vertrieb. Erfahrungsberichte, Hinweise zu den Vor- und Nachteilen weltweiter Internet-Vermarktung. und ein Service-Teil mit Vertriebs-Adressen, Messe-Kalender und marktüblichen Lizenzpreisen runden das Themenspektrum der Broschüre ab.
Nicht nur die vorformulierten Fragen, sondern auch die Antworten folgen dem praktischen Bedürfnis der Branche und bündeln hoch spezialisiertes Fachwissen in einer Dosierung, aus der selbst Profis noch etwas lernen können. Und zwar zum Null-Tarif - Dank der finanziellen Unterstützung durch die Service- und Marketing-Organisation "German Films" kann der "Wegweiser Weltvertrieb" kostenlos bezogen werden. Schriftliche Bestellungen nimmt die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm / AG DOK, Schweizer Straße 6, 60594 Frankfurt/Main, E-Mail agdok@agdok.de gerne entgegen.

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