DER SCHLAG ANS HOFTOR (1996)
in: ''Kino im Kopf'' von Michael Glawogger
Österreich 1996 | 6 Min
"DER SCHLAG ANS HOFTOR ist die kurze Geschichte einer Gefangennahme. Kafka notierte sie im März 1917. Die Isolation, von der die Rede ist, vermittelt sich über die chronologische Beschreibung ihrer Entwicklung. Unweigerlich schließt man daraus, dass sie stattgefunden hat. Für knapp eineinhalb Seiten wird der Leser zum Augenzeugen eines Vorgangs, der vom letzten in Freiheit erlebten Moment in die lebenslängliche Gefangenschaft führt, und allerdings im Text schon als ein für alle Zeiten vergangener deklariert wird.
Wenn eine Literatur so stark ist, dass sie Bilder erzeugt, dann muss ihr bereits ein Bild zugrunde liegen. Dieses Bild aber, das dem Schriftsteller vorschwebte, ist von anderer Art als das, was seine sprachliche Übermittlung im Leser hervorruft. Sich vorzustellen, woher das Bild seinen Anfang nahm, wird zum Beispiel dann interessant, wenn man - wie ich - die Idee hat, einen Text zu verfilmen. Um auf etwas Sichtbares zu kommen, hantiert man in einem unsichtbaren Bereich im Vorfeld der Sprache oder jenseits von ihr und weit entfernt von Bildern, die sich zeigen.
Die Situation, die wir im Sommer auf dem Land in Südmähren herstellten, war alles andere als unsichtbar. Doch nichts sollte dem sprachlichen Bild genommen werden dadurch, dass jetzt ein fotografiertes hinzukommt. Die Kraft des Textes in den filmischen Raum hineinwirken zu lassen, war die Absicht der Inszenierung." (Boris Schafgans, 1996)
| Drehbuch: | Boris Schafgans
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| Regie: | Boris Schafgans
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| Kamera: | Michael Glawogger |
| Schauspieler: | Mai Horlemann |
| Dieter Matzke |
| Matthias Bundschuh |
| Komponist: | Paul Hindemith: In einer Nacht... Träume und Erlebnisse, op. 15, Nr. 1 - Müdigkeiten (1917/19) |
| Schnitt: | Christof Schertenleib, Boris Schafgans |
| Literarische Vorlage: | Franz Kafka: Der Schlag ans Hoftor (1917) |
| Erzähler: | Thomas Weber-Schallauer |
| Produktionsfirma: | DOR FILM, Wien |