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STAAT UND LIEBE (1999-2001)Deutschland 2001 | 108 Min Im Jahr des Hauptstadtumzugs erleben Karl und Karla ihren letzten gemeinsamen Sommer. Während beide zu Plätzen und Landschaften eilen, um für das, was sie sich noch zu sagen haben, den geeigneten Ausdruck zu finden, bringt der Film auf dokumentarischer Ebene Schlaglichter aus dem Innenleben der Bundesrepublik, Bestandsaufnahmen wiederbelebter Staatsarchitektur aus untergegangenen Herrschaftsepochen und Bilder von verlassenen historischen Orten. An einer Stelle des Films dämmert das mittlerweile verfallene Gelände des Olympischen Dorfs von 1936 im Havelland, das in der Folge neun Jahre von der Deutschen Wehrmacht und 47 Jahre als Kaserne der Roten Armee genutzt wurde, friedlich-grauenhaft vor sich hin.
So sehr die Frage nach dem gemeinsamen Leben in Deutschland auch die Gespräche bestimmt, die Karl und Karla führen, wird immer stärker zur Gewissheit, dass der Abschied unabwendbar, zugleich unendlich schmerzhaft ist. Mit der Auflösung der Gegenwart entsteht aber auch neue Vergangenheit. Im suggestiv abgekehrten Milieu des Paares, das der Welt abhanden zu kommen scheint, und in der Betrachtung der geschichtlich-politischen Dimensionen, wie sie sich in der alten Hauptstadt Bonn und in dem mit Nervosität betriebenen Umbruch in Berlin abzeichnen, verdichten sich Landschaften und Städte, Nähe und Ferne, der Anblick Deutschlands um 2000 und die Musik, die junge Komponisten in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg schrieben, zu einem fragilen Bild einander überlagernder Zeitformen: der Traum von Unversehrtheit, wie ihn nur die Gezeichneten träumen können, wird zur Melancholie ihrer Hoffnungen, zum Stummfilm ihrer Besessenheit.
Der Staat will Liebe, doch Macht und Ohnmacht menschlicher Wünsche und Empfindungen funktionieren bisweilen wie ein Staat. Karl und Karlas Liebe scheitert daran, dass sich Gegenwart und Vergangenheit nicht vereinigen lassen. Was auf höherer Ebene angestrebt wird, nämlich die Vereinnahmung der ganzen Vergangenheit, um die staatliche Vereinigung als beispiellose Erfolgsstory zu präsentieren, will ganz unten im Privaten erst recht nicht gelingen. Das vorläufige Produkt des öffentlichen Geschichtsunternehmens bleibt widerspruchsvoll. Karl und Karla hingegen gewinnen nach dem Auseinanderbrechen aller Möglichkeiten sich selbst zurück. Die Beunruhigung, die sie aneinander erfahren haben, produzierte ein neues, ein befreiteres Dasein.
"Staunen machend. Im Sprachgebrauch und in seiner klaren Montage erscheint dieser Film bisweilen wie der missing link zwischen den Filmen Kluges und Straub/Huillets." (Michael Baute in: RECHERCHE FILM UND FERNSEHEN, 2/2007)
| Drehbuch: | Boris Schafgans
| | Regie: | Boris Schafgans
| | Kamera: | Hans Hermann Fink, Boris Schafgans |
| Schauspieler: | Thomas Weber-Schallauer (Karl) |
| Dieter Matzke (Herr am Fenster) |
| Mai Horlemann (Karla) |
| Kameraassistenz: | Meike Birck |
| Komponist: | Busoni, Zemlinsky, Korngold, Schreker, Hauer, Schönberg, Webern, Pärt, Hindemith, Berg, Mahler |
| Schnitt: | Boris Schafgans
| | 1. Regieassistent: | Jan Verbeek |
| Produktionsassistent: | Nina Arens, Jakob Geiger, Sebastian Schäche |
| Produktionskoordinator: | Madeleine Bernstorff |
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