Goethes Wilhelm Meister
. Die ersten , die Wilhelm Meister einen breiten Raum auf der Bühne eingeräumt haben, war das Theater Willy Praml. Schon vor sechs Jahren goss die engagierte Theatermannschaft in der Naxoshalle Goethes Roman in eine knapp 12stündige Bühnenfassung und zeigte sie in drei „Häppchen“ à rund dreiein-halb Stunden einem begeisterten Publikum. Kurz vor Ende der Aufführungen gab es dann ei-ne lange vorher ausverkaufte Mammutvorstellung mit allen drei Teilen eines Sonntags von 11 Uhr bis nach Mitternacht.
Seit 2004 gibt es immer wieder Stimmen, die darauf drängen, den Dreiteiler wieder ins Pro-gramm aufzunehmen. Aber Willy Praml zögert bis heute, weil es doch ein ganz erheblicher Aufwand wäre. Stattdessen erinnerte sich der Theatermacher an etwas fast Verdrängtes: Al-le drei Teile des Wilhelm Meister waren doch damals mit zwei Kameras und dem Theater-Originalton aufgezeichnet worden! Filmregisseur Wolf Lindner und Birgit Becker hatten sich mitten ins Theater und die Zuschauer gepirscht und „einfach“ gedreht, was da an sprühen-dem Theater wie ein Feuerwerk über Publikum und Kameras hereinbrach. Die Filmaufnah-men waren nicht technisch perfekt, aber so authentisch, wie wohl noch nie Theater im Film gezeigt wurde. Aber das war schon fast in Vergessenheit geraten.
In diesem Sommer sichteten die beiden Regisseure Praml und Lindner das gesamte Material und bekamen eine leise Ahnung, dass diese Bilderflut etwas ganz Besonderes ist. Sie suchten rund 30 Prozent der Filmaufnahmen aus, um eine „Kurzfassung“ des Praml’schen Original Wilhelm Meister herzustellen. Länge: 3 Stunden! Am 30. August gab es in der Naxoshalle ei-ne interne Premiere für die vielen Ensemble-Mitglieder und deren Angehörige. Alle waren begeistert von dieser Synthese aus rauschendem Theater und einfühlsamer Kamera. Viele waren sich einig, dass da ein eigenständiges Kunstwerk entstanden ist, mit dem vor sechs Jahren niemand gerechnet hatte. Immer wieder wechselt der Film aus der einordnenden To-tale in Groß- und Nahaufnahmen, die der Theaterbesucher so kaum wahrnehmen kann – der sieht vor allem die Totale. Das sind schon faszinierende Augenblicke, wenn Mignon in Nah-aufnahmen hoch oben zwischen den Rohren der Naxoshalle herumklettert, das Variété an der Kamera vorbei tobt und Masken wie Gesichter als Zerrbilder erscheinen oder wenn der schwer verletzte Wilhelm nach dem Überfall Bild füllend seinen blutigen Verband präsentiert.
| Drehbuch: | Willy Praml |
| Regie: | Wolf Lindner |
| Kamera: | Wolf Lindner + Birgit Becker |
| Schnitt: | Wolf Lindner |
| Format: | Kinofilm |
| Genre: | Schauspiel |
| WWW: | www.onlinefilm.de |

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