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AG DOK aktuell

AG DOK zeichnet WDR/ARTE -Redakteurin aus
Prof. Dr. Sabine Rollberg
(c) WDR
(29.10.09) Prof. Dr. Sabine Rollberg ist neue Preisträgerin des "Dicken Fells". Mit dieser ungewöhnlichen Auszeichnung ehrte die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK), Interessenverband von mehr als 850 unabhängigen Autoren, Regisseuren und Produzenten jetzt am Rande des Leipziger Dokumentarfilmfestivals die Leiterin der WDR-ARTE-Redaktion für ihr hervorragendes Bemühen um den Erhalt und die Pflege des Kino-Dokumentarfilms als Bestandteil öffentlich-rechtlicher Fernsehprogramme. Der Preis wird in zweijährlichem Abstand an deutsche Fernseh-Redakteure oder Redaktionen vergeben, deren Einsatz für das Dokumentarfilm-Genre über das redaktionelle Alltagsgeschäft hinausweist.

Denn obwohl die klassische Form des Dokumentarfilms nach Ansicht der AG DOK im Zentrum öffentlich-rechtlicher Kernkompetenz stehen müsste, wird sie immer stärker finanziell ausgezehrt und in Randbereiche des Programms abgedrängt. Darüber kann auch der nach wie vor anhaltende Boom dokumentarischer Formate nicht hinwegtäuschen: kompliziert erscheinende Stoffe und die damit verbundene Autorenhandschrift sind im quotenorientierten Sendebetrieb nicht gefragt. Sich diesem Trend zu widersetzen, verlangt nach Ansicht der AG DOK ein Dickes Fell.

Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert, die von der Preisträgerin in die Projektentwicklung eines neuen Dokumentarfilms investiert werden können. Denn auch für die sorgfältige Entwicklung neuer Dokumentarfilmprojekte stellen die Sender kaum Mittel zur Verfügung.

Die diesjährige Preisvergabe steht vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen um eine neue ARTE-Programmstruktur, die offensichtlich eine stärkere Popularisierung des Programms zum Ziel hat. Das "Dicke Fell" würdigt deshalb zugleich den Einsatz der Redaktionsleiterin für ein eigenständiges ARTE-Profil, das nicht, wie in anderen ARD-Anstalten leider üblich, ARTE nur als Appendix der eigenen Dritten Programme begreift und alle Themenvorschläge auf ihre regionale Verwertbarkeit hin zurechtstutzt. Vermeintlich "schwierige" Themen, zumal mit starken internationalen Bezügen, werden dadurch zunehmend ausgeklammert. Diese zuerst beim Norddeutschen Rundfunk verfügte Vereinnahmung der ARTE-Mittel für eigene Zwecke steht nach Ansicht der AG DOK im krassen Gegensatz zur Gründungsidee des Europäischern Kulturkanals, "Fernsehsendungen zu konzipieren, zu gestalten und ... auszustrahlen, die in einem umfassenden Sinne kulturellen und internationalen Charakter haben und geeignet sind, das Verständnis und die Annäherung der Völker in Europa zu fördern."

Sabine Rollberg hat sich solchen Vorgaben nie unterworfen. Sie ist nach wie vor von der Vision eines völlig anderen, nur dem öffentlich-rechtlichen Programmauftrag und insbesondere der Kultur verpflichteten Fernsehens erfüllt.

Mit der Wahl der diesjährigen Preisträgerin will die AG DOK den Westdeutschen Rundfunk und andere Sender zu einer intensiveren Wertschätzung des Autorenfilms ermutigen. Sie verbindet damit die Hoffnung auf Erhalt der Eigenständigkeit der WDR/ARTE-Redaktion. Herausragende Programmarbeit, wie sie in dieser Redaktion nachweislich über viele Jahre hinweg geleistet wurde, verlangt nach einem adäquaten redaktionellen Freiraum, der von äußeren Vorgaben freigehalten werden muss. Filme, die in den letzten zehn Jahren von Sabine Rollberg angestoßen und begleitet wurden, haben ihren Machern und damit auch dem WDR von Festival-Anerkennungen über den Deutschen Filmpreis bis hin zur Oscar- und Emmy-Nominierung eine Fülle kultureller Anerkennungen eingetragen.

In ihren von einer Kollegin verlesenen Dankesworten warb die Preisträgerin um Unterstützung für das Bemühen, Qualität und Güte des öffentlich-rechtlichen Fernsehens neu zu beleben. Ohne ein "besonders dickes Fell" sei dieser Kampf gegen vermeintliche Sachzwänge überhaupt nicht zu bestehen - und regelmäßig sei ihr dieses Fell in den letzten Jahren auch schon geschoren worden.
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