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Filmpolitik

Qualität und / statt / mit / ohne / durch / neben / trotz Quote
von Thomas Frickel
Wie? Was soll das heißen - die Überschrift ist nicht eindeutig? Dabei spiegelt sie doch ziemlich genau die Diskussion, die unvermittelt losbrach, nachdem wir auf unserer internen Mailingliste für den 30. März zur Flugblattaktion anläßlich der Grimmepreis-Verleihung in Marl aufgerufen hatten. Sollte da eine halbgare Idee völlig unvermittelt in die Öffentlichkeit getragen werden? Wurden da irgendwelche kontroversen Meinungen innerhalb unseres Verbandes nicht ausdiskutiert oder schnöde übergangen?
Nichts von alledem. Das Papier „Qualität statt Quote“ gibt es seit zwei Jahren, es ist das Resultat eines langen Diskussionsprozesses, an dem auch Vertreter des DGB, von ver.di, attac und der Frankfurter Hörer-Initiative „Rette Dein Radio“ beteiligt waren. Als Bestandteil des Mitglieder-Rundbriefs war es bereits 2004 allen Mitgliedern zur Kenntnis gebracht worden – und zwar ohne daß ein Sturm der Entrüstung ausgebrochen wäre. Warum auch? Die Thesen fassen nur zusammen, was innerhalb der AG DOK seit Jahren unumstrittene Grundlage der Verbandspolitik ist: unsere Kritik an der Kommerzialisierung und Banalisierung öffentlich-rechtlicher Fernsehprogramme als Ursache des schleichenden Qualitätsverlusts.
Nun ging es in der AG DOK-internen Diskussion ja auch gar nicht um die Thesen selbst, sondern immer nur um die Überschrift „Qualität statt Quote“, die, wie jede Verkürzung eines komplizierten Sachverhalts auf drei Worte, natürlich Widersprüche hervorrief. Solche Provokationen waren durchaus beabsichtigt – wenngleich, wie ich gerne zugeben will, eher in der Außenwirkung als nach innen. Die Grundaussage freilich sollte dadurch weder beschädigt noch verhandelbar werden. Denn „Qualität statt Quote“ meint nun einmal etwas dezidiert anderes als „Quote für Qualität“, „Qualität und Quote“, „Qualität durch Quote“ oder welche gut gemeinten Vorschläge uns in diesem Zusammenhang ereilten.
Am deutlichsten wurde dieser feine Unterschied in der 2004 geführten Debatte um „18 Leitsätze des WDR-Fernsehens“. Eine Arbeitsgruppe unter Mitwirkung des „Story“-Redakteurs Gert Monheim hatte den Leit-Satz „Die Qualität hat der Quote vorauszugehen“ vorgeschlagen, scheiterte damit jedoch am Veto des damaligen Programmchefs Ulrich Deppendorf. Am Ende stand eine weichgespülte Variante, die freilich auch etwas anderes meint: „Wir machen Qualitätsprogramme. Mit ihnen erreichen und überzeugen wir möglichst viele Zuschauer.“ Anders gesagt: Qualität gleich Quote. Dieser Deppendorfschen Logik wollten wir uns bei der Formulierung unserer Kritik allerdings nicht unterwerfen.
Deutschlands Vereinfachungs-Meister, die BILD-Zeitung, („Wir sind Papst“) wollte das auch nicht. Sie berichtete seinerzeit unter der Überschrift „Qualität statt Quote“ über den WDR-Konflikt, doch finden sich für den Slogan durchaus auch reputierlichere Referenzen: „Qualität statt Quote“ heißt eine von Deutschlandfunk-Intendant Ernst Elitz herausgegebene Publikation der Konrad-Adenauer-Stiftung, und unter der gleichen Überschrift informierte „Spiegel online“ erst kürzlich über den gemeinsamen Qualitätsappell von „33 Medienprofis“, unter ihnen auch Bundestagspräsident Lammers. „Unsere Medienpoplitik steht unter dem Motto ‚Qualität statt Quote‘“, verkündete Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Rüttgers, und seit sogar NDR-Intendant Jobst Plog in einem Interview mit der FAZ die gleiche Devise ausgegeben hat, sollte die AG DOK mit ihren Forderungen nicht dahinter zurückbleiben.
Will sagen: es gab und es gibt gute Gründe, unsere Thesen auch unter diesem Slogan offensiv nach außen zu vertreten. Genau das haben wir am 30. März in Marl getan. Denn wo ließen sich diese Forderungen besser plazieren als im großen Wallfahrtszentrum der deutschen Fernsehwelt - dort, wo Deutschlands Fernsehgewaltige sich bei ihrer alljährlichen Pilgerfahrt mit der Auszeichnung einiger weniger Qualitätsprogramme die Absolution der Medien-Päpste für die Programm-Sünden des ganzen übrigen Fernsehjahres abholen.
Auch, wenn es zum Schluß nur vier Dokumentarfilmer waren, die im Eingangs-Gedränge der Stadthalle von Marl den Mächtigen, den Schönen und den (Erfolg-)Reichen des deutschen Fernsehgeschäfts das AG DOK-Flugblatt in die Hand drückten, (für mehr Verteiler wäre gar kein Platz gewesen) hat die Aktion doch eine erstaunliche Resonanz gefunden. Spiegel online, Zeitungen und Mediendienste berichteten über unsere Forderungen, und Interviews gaben Gelegenheit, die Kritikpunkte an der Programmpolitik des öffentlich-rechtlichen Fernsehens noch zu vertiefen.
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