zurückdrucken
Protokoll AG Dok Sitzung mit ARTE Redakteuren
Straßburger Redakteure zu Gast in München am 5.5.09
(c)
Das Maitreffen der bayerischen Dokumentarfilmer fand anlässlich des DOK-FEST leicht modifiziert statt. Am 5.5. um 15 Uhr trafen wir uns im Ignaz-Günther-Haus zu einer Veranstaltung mit Catherine Le Goff, ARTE Strasbourg, Unité Documentaires et Magazines und Peter Gottschalk, ARTE Strasbourg, Unité Documentaires.

Beide Gäste wurden durch den Vorstand Susanne Petz und Klaus Dexel begrüßt und vorgestellt. Anschließend verteilte Peter Gottschalk eine recht umfangreiche Infobroschüre über Arte, die Sendeplätze und das Programmschema. Peter Gottschalk erklärte kurz, dass Catherine Le Goff die Dokumentationen und Magazine betreut und somit alle ihre Programmplätze im Programmschema gelb sind und seine Plätze im Schema orange dargestellt werden.

Catherine Le Goff, ARTE Strasbourg, Unité Documentaires et Magazines
Catherine Le Goff stellte ihre Abteilung näher vor. Sie betreut vor allem „Arte Entdeckungen“ – eine Reihe, die sich mit unterschiedlichsten Themen auseinander setzt – aber immer unter dem Aspekt „So hab ich das noch nie gesehen“ – Eine nähere Sendeplatzbeschreibung lässt sie uns zukommen. Früher waren auf diesem Sendeplatz Tierfilme verpönt, dass hat sich geändert. Wichtig ist aber, dass die Filme qualitativ hochwertig sind und dem Zuschauer in den ersten fünf Minuten klar wird, was den Zuschauer erwartet und wohin ihn der Film mitnimmt. Prinzipiell kommt das Programm gut an. ZDF, NDR und SWR machen viele Produktionen, der BR ist nur sehr schwach vertreten.

Der zweite Programmplatz, der von ihrer Redaktion bestückt wird, ist der Platz um 20.15Uhr. Dieser wurde stark verändert, ist aber nach wie vor ein Platz mit starken Einschränkungen und Problemen, da es in Deutschland der Beginn der „Primetime“ ist, in Frankreich aber mitten in die Hauptnachrichten fällt. Im Moment laufen auf der 20.15Uhr Schiene die besten Filme aus „Arte Entdeckungen“ – was zur Folge hat, dass um 19Uhr die Quote absinkt. Weiterhin laufen z.Zt. die Geo-Reportagen auf diesem Platz, die aber ausschließlich von Medienkontor Berlin produziert werden.

Frau Le Goff schilderte, dass sie im Moment versuchen, in diesem Bereich kreativ und innovativ zu denken und gab als Beispiel die Serie mit Sarah Wiener an, die die beste Quote aller Zeiten auf diesem Programmplatz hatte. (Die Serie wird fortgesetzt).

Weiterhin berichtete sie von dem Projekt „Spurensuche“ – das von Zero One entwickelt wird (wie die meisten neuen Formate bei ihr) und bei dem sich Zuschauer bewerben können, um ihre Familiengeschichte erforschen zu lassen.

Auch sind Serien mit einem „Host“ stark im Trend und im September wird es eine „Rankingshow“ zum Thema „Wer ist der größte Dramaturg“ geben.

Es gibt aber auch immer wieder Schwierigkeiten bei der Arbeit, so wurde eine Serie zum Thema „Die 70er“ produziert, die eine sehr lange Vorlaufzeit hatte, weil die Vorstellungen von Frankreich und Deutschland bei diesem Thema grundverschieden waren. Weiterhin sind die Wissenschaftsdokus sehr schwach.

Peter Gottschalk, ARTE Strasbourg, Unité Documentaires.
Nach Catherine Le Goff stellte Peter Gottschalk ebenfalls seine Sendeplätze vor. Vorher betonte er, was für ihn besonders wichtig ist und was sich verändert hat. Dabei im wesentlichen die leidige Frage der Quote, die nicht nur bei ihm, sondern bei Arte insgesamt immer wichtiger wird. Eine gute Quote ist dabei alles, was in Frankreich über vier Prozent und in Deutschland über einem Prozent liegt.

Das Image von Arte als „Gutmenschen TV“ und „Intellektuellensender“ soll nicht aufrecht erhalten werden. (Es wurde aber nicht ganz klar, was dann das neue Image ist) Das Arte Publikum ist 50+ und Kriegsthemen sind nach wie vor stark gefragt.

Ferner hatte Peter Gottschalk eine ganz praktische Bitte für die Projektvorschläge: In einem Satz – warum ist genau dieses Projekt gut für Arte. Und bitte mit den Themenvorschlägen erst an die jeweiligen Fachredaktionen der einzelnen Sender gehen, denn Peter Gottschalk und Catherine Le Goff sind vor allem koordinierend tätig. In Einzelfällen können sie aber durchaus telefonisch mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Nach dieser Einführung ging es um die Änderungen seiner Programmplätze seit der letzten Überarbeitung des Programmschemas. Zum einen hatte er die gute Nachricht, dass sowohl der Sendeplatz „Abenteuer Arte“, samstags um 21Uhr sowie der Geschichtsplatz am Mittwoch in der Länge verdoppelt wurden und es somit mehr Programm zu füllen gibt. Daraus ergeben sich auch weitere Vorteile. Zum einen können auf dem Platz 2x52Minuten Programme gespielt werden, es können aber auch 90Minuten Dokumentarfilme laufen, was er als ein „Revival“ des „Grand Format“ bezeichnete. Es gibt somit auf diesen Plätzen eine neue Flexibilität, die er an einem Beispiel festmachte: Ein Film über die Deutsche Bahn im dritten Reich, der als 52Minuten Film geplant war, wurde nach ersten Sichtungen zu einem 90Minuten Film erweitert. Und auch das Budget wurde damit aufgestockt. Über die konkreten Etats wollte er dann aber doch nicht sprechen und verwies auf die Erfahrungen der einzelnen Produzenten mit ihren Haussendern.

Nach einer kurzen Diskussion zu den Etats die wenig konkret war (sollten wir da mal wieder versuchen unsere Erfahrungen anonymisiert zu bündeln?) zeigte er Ausschnitte aus der Serie „The War“ von Ken Burns aus den USA, bei der Arte als Koproduzent dabei war. Wichtig war ihm dabei zu zeigen, dass es einen Art „zurück“ zu den Erzählformen des klassischen Dokumentarfilms gibt (Archiv, Fotos, Zeitzeugen erzählen ihre Geschichte – kein Reenactment, dafür aber aufwendige Soundeffekte und Musik) Die Dramaturgie wie die Zeitzeugen ihre Geschichte erzählen, war wie bei einer Soap aufgebaut.
Die Quote bei dieser sehr aufwendigen Produktion, die auf dem schwierigen Mittwochsplatz lief, war sehr gut.

Für den Samstagabend sieht Peter Gottschalk die Produktionen aber ganz klar mit Reenactment.

Wichtig, erfolgreich und gewollt für den Mittwoch ist Folgendes:
Themen: zweiter Weltkrieg, Kalter Krieg (kaum noch Bedarf), Mauerfall usw. Dabei sollte der Film aber z.B. neue wissenschaftliche Erkenntnisse bringen oder/und neues „unverbrauchtes“ Archivmaterial zeigen. Intellektuellengeschichten a la 68er läuft hier hingegen nur sehr schlecht.

Für den Samstag wünscht Peter Gottschalk sich Themen aus der Geschichte vor 1945 (Alles was mit Archäologie, Napoleon, Jeanne D´Arc usw zu tun hat – aber auch Wissenschaftsthemen wo die Protagonisten konkret was machen z.B. der Film „Tora“, wo sich eine Crew mit einem Segelschiff im arktischen Eis einfrieren lässt und dann mit der Eisscholle treibt) Für diesen Platz müssen die Produktionen sehr aufwändig gemacht sein und er fügte auch gleich an, dass dafür die „Arte-Pauschale“ nicht ausreichend ist.

Neben diesen beiden wöchentlichen Sendeplätzen gibt es aber nach wie vor auch noch das „Grand Format“, welches zwölf Mal im Jahr jeweils dienstags ausgestrahlt wird. Hier werden starke Geschichten mit großem Quotenpotential von erfahrenen Regisseuren gesucht.

Neu ist die Gesellschaftsdoku am Samstagnachmittag um 18Uhr, die in Straßburg von Nadin Zwick betreut wird.

Für alle vorgestellten Formate wollte uns Peter Gottschalk die Sendeplatzbeschreibungen zukommen lassen. Es gibt sie aber auch in verkürzter Form unter www.artepro.com, wenn man sich registriert.

Im Anschluss an die Vorstellung der Sendeplätze gab es noch eine kurze Diskussion über verschiedene weitere Formate (Thema „Tod“ ist in Frankreich tabu & alles zum Thema Afrika, Armut, Aids ist ein Quotenkiller), sowie einen kurzen Ausblick, was bereits für 2009-10 geplant wird. Bei Peter Gottschalk wird es viel zum Thema Deutschland/DDR, Gründung, Mauerfall, Wiedervereinigung geben, Catherine Le Goff probiert verschieden neue „innovative“ Formate aus. Z.B. wird es im September 2009 eine 24Stunden Dokumentation (die auch wirklich 24Stdunden lang ist) über Berlin geben, die 2008 ebenfalls an einem Tag von Zerofilm produziert wird.

Im Anschluss an die Veranstaltung zogen alle gemeinsam zum Arte-Empfang ins Stadtcafe um.

Protokoll: Magnus Froböse