Sunny Side of the Doc – das 20. Jubiläum

Die Organisatoren der Sunny Side haben sich mächtig ins Zeug gelegt, um dem Teilnehmerschwund der letzten Jahre entgegen zu wirken. Dies wurde mit einem Anstieg der Teilnehmerzahlen um ca. 6% belohnt. Auch die Zahl der anwesenden Redakteure stieg um 4%. Damit standen 1812 Teilnehmern lediglich 281 Redakteure zur Verfügung. Das Verhältnis von 6:1 ließ alle Hoffnung schwinden, Redakteure vor Ort mit seinen Projekten anzusprechen. Von den erfahrenen Kollegen wurden deshalb Terminabsprachen lange vorher getroffen. Der kleine German-Documentaries-Stand war mit ca. 30 Kollegen gut besetzt.

Aus der digitalen Videothek wurden mehr Sichtungen vermeldet als je zuvor. Der Erfolg für die Kollegen war eher mäßig.

Zurückgegangen sind auch die Besuche ausländischer Interessenten am Stand – ein deutliches Zeichen für die sich seit Jahren verstärkende Tendenz, dass das TV-Geschäft immer mehr das der etablierten Firmen mit jahrelang gewachsenen Kontakten wird. Die Wirtschaftskrise hat geholfen, die Glücksritter auf den Boden der eigenen Tatsachen zurückzuholen. Trotz gestiegener Teilnehmerzahlen kamen diese aus weniger Ländern. Osteuropäische und asiatischen Kleinstsender fehlten – man vermisste sie auch nicht wirklich. Es kamen wieder mehr öffentlich-rechtliche Sender an den Stand, die auf der Suche nach Programm waren. Von einer neuen Tendenz zu sprechen wäre verfrüht, suchen die Sender doch wenig, so aber sehr gezielt.

Hauptthema war die Anbahnung von möglichen Koproduktionen – heute die einzige Chance für viele Produzenten, im internationalen Maßstab dabei zu sein. Die Verkaufszahlen für fertige Produktionen sinken seit Jahren. Am Rande der Sunny Side wurde die Insolvenz der etablierten Kölner Vertriebsfirma Media Luna bekannt – sicher auch ein Zeichen für ein schrumpfendes Vertriebsgeschäft.

Zum ersten Mal tauchte youtube auf, vor einiger Zeit initiierte man dort eine Plattform für Profis.

Höhepunkt aus unserer Sicht war das Treffen deutscher und französischer Produzenten mit den Senderverantwortlichen von arte. Von diesen als nette Plauderei gedacht drehte sich der Wind schnell und die deutschen Produzenten legten den Finger auf die arte-Wunde: Abschaffung einiger Doku-Plätze durch die neue Programmreform, Ungleichheit der Produktionsbedingungen zwischen deutschen und französischen Produzenten, Verflachung der Hauptsendeschienen, Einkauf amerikanischer Billigserien etc. Die Diskussion dauerte bis spät in die Nacht. Das positive Ergebnis: endlich haben die Senderverantwortlichen verstanden, dass die Produzenten sich nicht mehr alles gefallen lassen wollen, und sich zur Wehr setzen. So wurde ein Gespräch mit der Arte-Direktion in Straßbourg vereinbart, in dem diese Dinge noch einmal dezidiert auf den Tisch kommen. Auch mit den französischen Kollegen wurden Gespräche vereinbart, um die Bedingungen in beiden Ländern abzufragen.

Man wird sehen, wohin die Reise geht - am 22.7.2010 jedenfalls wieder nach LaRochelle zur 21. Sunny Side of the Doc.

Jörg Langer
joerglanger@agdok.de

 
Ruekerst.TeilnGebuehr.doc Anleitung zur Teilrückerstattung
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