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"Das NRW Filmerbe // Archivierung, Digitalisierung und Veröffentlichung" - AG DOK schlägt innovative Strategien vor

vom 15.05.2017

Die AG DOK schaltet sich seit Jahren in die Filmerbe-Debatte ein und hat sich jüngst als Mitveranstalter an der Tagung „Das NRW Filmerbe // Archivierung, Digitalisierung und Veröffentlichung“ beteiligt, das vom 26. bis 27.04.2017 in Köln stattfand. Konzipiert und durchgeführt wurde das Symposium von der Dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW unter der Leitung von Petra Schmitz. Cay Wesnigk und Thorolf Lipp vertraten die AG DOK mit Impulsvorträgen in denen sie skizzierten, wie den Interessen der Filmemacher mit innovativen Konzepten weit besser entsprochen werden könnte, als das bislang der Fall ist.


Die Ausgangslage

Man mag es kaum glauben: Die mengenmäßig größte je verzeichnete Produktion von Rohfilm datiert auf das Jahr 2009. Nur zwei Jahre später brach dieser Output um 98% ein. Die Ära des analogen Films als Trägermaterial und Kulturtechnik war zu Ende gegangen.

Es überrascht nicht, dass dieser epochale Technologiewandel eine ganze Reihe von Herausforderungen mit sich gebracht hat, eine davon ist die seit einigen Jahren heftig geführte Debatte um die Digitalisierung und Langzeitsicherung unseres filmischen Erbes. Dabei stehen vor allem Fragen nach der Finanzierung und Priorisierung der Digitalisierung auf der Tagesordnung. Und auch die in Deutschland gelegentlich praktizierte Vernichtung von Originalen auf leicht entflammbarem Nitrofilm wurde kontrovers diskutiert.

Zwar wurden auch diese Themen bei der Tagung in Köln kurz angesprochen, es scheint jedoch inzwischen weitgehend Konsens zu sein, dass Kassation prinzipiell zu vermeiden ist und der Erhalt der Originale im Mittelpunkt steht. Mit der, nach zähen Verhandlungen zwischen Bund und Ländern, jetzt in Aussicht stehenden Digitalisierungsförderung von jährlich etwa 10 Mio. Euro durch Bund und Länder ab 2018 scheint auch die Frage der Priorisierung zwar noch nicht gelöst, aber doch auch nicht mehr ganz so dringend zu sein, denn alle an der Überlieferungsdebatte Beteiligten sind sich mehr oder weniger darüber einig, dass eine möglichst vollständige Digitalisierung aller analogen Bestände angestrebt wird. Uneinigkeit herrscht allerdings über das Tempo, denn auch mit den jetzt gestiegenen Mitteln würde eine vollständige Digitalisierung alleine desjenigen Materials, das in deutschen Filmarchiven erfasst ist, mehr als 50 Jahre dauern. Und das halten viele Akteure für deutlich zu lang…

Die Diskussion hat sich inzwischen erkennbar ausdifferenziert und verbreitert und es werden heute aus guten Gründen gleich mehrere, eng verwandte Problemfelder mitverhandelt: so hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Sicherung des auf bandbasierten Videoformaten vorliegenden Erbes mitunter sogar drängender ist, weil diese Materialien viel schneller zerfallen als Zelluloid. Klar ist auch, dass die Aufgaben und Zuständigkeitsbereiche der Gedächtnisinstitutionen neu justiert werden müssen und die Zugänglichmachung der Bestände für Produktion, Kunst, Wissenschaft und Allgemeinheit drastisch zu verbessern ist, um nur einige Punkte zu nennen.

Abgesehen von der Debatte dieser nach wie vor diskutablen Grundsatzfragen stellte Petra Schmitz zwei zentrale Überlegungen in den Mittelpunkt der Tagung: Erstens, gibt es überhaupt ein spezifisches NRW-Filmerbe und wenn ja, müsste das nicht auch ganz praktische Konsequenzen für die Überlieferung nach sich ziehen? Zweitens wollte Schmitz explizit auf die Perspektive der Filmemacherinnen und Filmemacher selbst eingehen, über deren Werke in diesem Kontext so gut wie immer von anderen geredet wird, meist von Archivaren, Funktionären, Lobbyisten oder Politikern.


Gibt es ein NRW Filmerbe?

Die Frage nach einem regionalen Umgang mit dem Filmerbe hat sowohl einen kulturhistorischen, als auch einen ganz pragmatischen Hintergrund. Wenn es über Jahrzehnte gewachsene regionale Strukturen gibt, einzelne Filmemacher, Filmemacherkooperativen oder Produktionsfirmen, die in einem kontinuierlichen Austausch bestimmte Themen und Dramaturgien exploriert haben, dann könnte eine Kenntnis dieser Strukturen von großem Vorteil bei der Erfassung und Sicherung dieses Erbes sein. Überdies, so Schmitz, wäre eine Wertschätzung von spezifisch regionalen Themen und Traditionen vor Ort wahrscheinlicher als auf Bundesebene.

Tatsächlich kann man, das wurde im Verlaufe des Symposiums immer wieder deutlich, durchaus von bestimmten NRW-typischen Filmtraditionen sprechen. Von Bergbauthemen im „Proletarierfilm“ war da genauso die Rede wie vom Experimentafilmoeuvre des kürzlich verstorbenen Werner Nekes. Die Liste an Themen und Zugängen liesse sich fraglos um ein Vielfaches erweitern. Insofern könnte ein auf die Region fokussiertes Sammeln und Archivieren von Filmen bestimmte Vorteile mit sich bringen. Andererseits liegen aber auch die Nachteile der ohnehin schon zersplitterten Archivlandschaft in Deutschland auf der Hand: Bis heute fehlt ein zentrales nationales Filmverzeichnis, geschweige denn, dass ein reibungsloser Austausch von (Meta-)Daten zwischen einzelnen Archiven möglich wäre. Tatsächlich kocht hierzulande praktisch jede einzelne Gedächtnisinstitution, und sei sie noch so klein, ihr eigenes Datensüppchen. Hinzu kommt, dass die Politik die Archive mit zu geringen und meist nur befristeten Fördermitteln ausstattet, die ein nachhaltiges Betreiben von komplexen Datenbanken unmöglich machen, weil sie über kurz oder lang von der rasant fortschreitenden technologischen Entwicklung abgekoppelt werden. Letztlich sind diese Strukturen zum Nachteil der Überlieferung, einfach weil eine Vielzahl an Werken kaum oder gar nicht gefunden werden können wenn der Suchende nicht ganz genau weiss, wo er suchen muss.

So sehr sinnvoll eine künftig stärker regionalisierte Überlieferungsstrategie also sein könnte, so sehr besteht auch die Gefahr, dass zwischen den einzelnen Archiven mit ihren je besonderen Schwerpunkten schwerwiegende Überlieferungslücken entstehen. Die Lösung könnte aber trotzdem darin bestehen, das Eine zu tun und das Andere nicht zu lassen. Ziel müsste es sein, dass sich alle Bewegtbildarchive auf einen einheitlichen Datenstandard einigen, um dann Datensätze problemlos untereinander austauchen zu können. Diese zentrale Datenbank für die gesamte filmische Überlieferung in Deutschland würde die Auffindbarkeit von Beständen dramatisch vereinfachen und könnte flankiert werden durch besondere kuratorische Programme, Sammeltätigkeit etc., die jeweils von Akteuren in den Regionen aufgelegt werden. In diversen Expertenpanels wurde deutlich, dass hier enorme Aufgaben warten. Die historisch gewachsenen, auf Abgrenzung und Machtansprüchen basierenden Strukturen der Gedächtnisinstitutionen sind nicht mehr zeitgemäß und erscheinen angesichts der schieren Notwendigkeiten des digitalen Zeitalters und den Erwartungen der Nutzer dringend reformbedürftig.


Was sind die Perspektiven der Filmemacher_innen?

Offenbar verhindern die chronische Unterfinanzierung und der dadurch entstehende Produktionsdruck einen bewussten und verantwortlichen Umgang von uns Filmemacher_innen hinsichtlich der Überlieferung unserer Werke. Eine Auseinandersetzung mit Fragen der Langzeitüberlieferung verdrängen wir regelmäßig genauso wie solche der Alterssicherung oder der Kontingenz der eigenen Lebenszeit insgesamt. Digitalisierung scheint für uns offenbar nur dann interessant, wenn sich dadurch möglichst schnell Erlöse erzielen lassen. Dass das Interesse von uns Filmemacher_innen an der Thematik nach wie vor kaum vorhanden ist, wurde rasch deutlich beim Blick ins Publikum: da saßen fast keine! Erfahrungsgemäß laufen moralische Forderungen hier ins Leere und so war es nur folgerichtig, dass die Vertreter der AG DOK, Cay Wesnigk und Thorolf Lipp, zwei ganz pragmatische Ansätze vorstellten:


Der Scan Bus

Thorolf Lipp führte aus, dass die hiesige Dokumentarfilmszene aufgrund der föderalen Strukturen der Bundesrepublik und der sowohl kulturell als auch zur Sicherung des Meinungspluralismus gewollten Vielfalt der Produzentenlandschaft überaus lebendig und heterogen - daher aber auch kleinteilig und unübersichtlich ist. Was gut war für die kulturelle Vielfalt in der Bundesrepublik, stellt sich nun als problematisch für die Bewahrung dieser Überlieferungen heraus. Da diesen vielen kleinen Produzenten in aller Regel die finanziellen Mittel für eine systematische Aufarbeitung ihrer Bestände fehlen, ist ein Großteil davon archivarisch nicht erfasst und lagert, oft unter ungünstigen Bedingungen, in den Privaträumen der Akteure. Inzwischen sind diese Filmemacher in die Jahre gekommen und die Frage ist meist ungelöst, was mit ihren umfangreichen Beständen geschehen soll. Aufgrund ihrer Erfahrung mit der Produzentenszene regt die AG DOK an, den Kontakt zu den vielen kleinen Produzenten aktiv herzustellen anstatt zu warten, dass diese ihre Bestände von sich aus irgendwann einmal dem Bundesarchiv übergeben. Abzuwarten hat in der Vergangenheit meist nicht funktioniert und wird auch in der Zukunft scheitern. Zu oft ist es bereits vorgekommen, dass Filmbestände nach dem Tod der Urheber von den Erben achtlos entsorgt wurden. Daher gilt es, die Bestände jetzt zu erfassen, so lange die Urheber noch leben und bei der Erfassung Einordnung und Verschlagwortung der Materialien wertvolle Hilfestellungen geben können:

Mit einer mobilen Digitalisierungs-Einheit („Scan-Bus“) sollen die Bestände dort gesichtet, ausgewählt und digitalisiert werden, wo sie gelagert sind: direkt beim Produzenten. Der Scan-Bus ist ein rollendes „Digitalisierungs-Mobil“ mit einem zweiköpfigen Team, bestehend aus Archivar und Techniker. Es bietet den Produzenten Hilfe zur Selbsthilfe an, entlastet sie damit finanziell und trägt gleichzeitig dazu bei, die Überlieferungssituation des dokumentarischen Filmerbes in Deutschland schnell, unbürokratisch und wirkungsvoll zu verbessern. Aufgrund der rasant gesunkenen Kosten der Hardware hält sich der finanzielle Aufwand für die notwenige Technologie in überschaubaren Grenzen.  Die Aufgabe, zeitgeschichtlich bedeutsame Materialien überhaupt erst einmal zu erfassen und zu bewerten, die Originale zu archivieren und relevante Bestände zu digitalisieren steht bei der gesamten Maßnahme im Vordergrund. Auf diese Weise entsteht eine Situation, von der alle Seiten profitieren:

Die kleinen Produzenten, denn sie verfügen über wenig finanzielle Mittel, sind aber gleichwohl im Besitz von wertvollen, oft ungeordneten und meist heterogenen Materialien, die einerseits ein sorgsam gehütetes Lebenswerk darstellen, andererseits aber auch eine organisatorische und finanzielle Belastung sind. Oft sind die Akteure als Produzenten, Autoren, Regisseure und Kameraleute in Personalunion aufgetreten und verfügen daher auch noch über die Verwertungsrechte, was die anschließende Sichtbar- und Nutzbarmachung der Filmwerke und Archivalien begünstigt. Die Produzenten erhalten noch vor Ort Digitalisate von hervorragender Qualität, die sie natürlich uneingeschränkt verwerten können.


Der Archiv-Ring

Parallel dazu, so regt Cay Wesnigk an, könnte die AG DOK einen Tauschring für die dann in digitaler Form vorliegenden Daten einrichten. Anstatt gewinnorientierten Vermittlern den Handel mit unseren Bewegtbildern zu überlassen, könnte ein selbstorganisierter Bewegtbild-Tauschring von Produzenten für Produzenten den Einsatz von Archivmaterialien erschwinglicher und langfristig planbarer machen. Die Produktionskosten würden einerseits sinken, die Recoupmentmöglichkeiten für Produzenten aber trotzdem steigen. Die Öffentlichkeit schließlich könnte einen vielfach ganz anderen Blick auf die Vergangenheit werfen, weil  bewegte Bilder ans Tageslicht kämen, die man so noch nie gesehen hat. Eine Win-Win Situation für alle Beteiligten.
Die AG DOK ist sich über die Bedeutung dieses oft an den Aufmerksamkeitsrand gedrängten Themas im Klaren und wird in den nächsten Monaten nach Wegen suchen, für beide Ideen das Interesse der Politik zu gewinnen. Insgesamt gesehen hat die gelungene Tagung in Köln fraglos dazu beigetragen, bestehende Problemlagen differenzierter zu betrachten und  mit frischen Ideen Wind in die Debatte zu bringen.



Fotos: Conny Beissler.


 

Hier die Ankündigung des Symposiums:

26. / 27. April 2017  Filmforum NRW/Köln

Gibt es ein NRW-Filmerbe? Reicht es nicht, wenn die Erhaltung des deutschen Filmerbes vor allem auf der Bundesebene diskutiert und organisiert wird? Die Dokumentarfilminitiative und das Filmbüro NW möchten die Diskussion um regionale und künstlerische Perspektiven erweitern, vor allem vor dem Hintergrund eines eventuell zustande kommenden Bund-Länder-Abkommens zur Filmerbe-Sicherung. Im Gespräch dafür sind ab 2018 für 10 Jahre jeweils 10 Millionen Euro.

Bis zum Symposium wird ein erstes Sample aus Dokumentar- und Experimental-filmen durch einen Online-Fragebogen erhoben, das einen Teil des NRW-Filmerbes ausmachen könnte und das zeigt, welcher Digitalisierungs- und Sanierungsbedarf im Einzelnen besteht. Damit möchten wir am Beispiel von NRW pars pro toto zeigen, dass es unterschiedliche Filmgeschichten in den Bundesländern gibt mit spezifischem Vorkommen und Relevanzen.

Zusätzlich wird im Symposium explizit die Perspektive der Filmemacher*innen und Produzent*innen berücksichtigt. Bisher haben sie aus Verwertungsinteresse Digita-lisierungen ihres Filmmaterials für Produktionen vorgenommen. Die Notwendigkeit einer zeitlich langen Filmsicherung und der langfristig öffentlichen Sichtbarkeit ihrer Filme muss auch ihnen nahe gebracht werden, denn der Produktionsdruck verdrängt häufig die historische Dimension des eigenen Filmschaffens.

Filmemacher*innen, Archivar*innen, Filmjournalist*innen und –historiker*innen sowie Vertreter*innen von Institutionen in NRW einschließlich des WDR, die sich bereits jetzt um das Filmerbe kümmern, sprechen an zwei Tagen zusammen mit der Filmbranche über Filme und was ihrer Meinung nach davon bleiben soll und welche Maßnahmen sinnvoll sein könnten.
Als Ergebnis werden eine Zusammenfassung der Tagungsdiskussion sowie Forderungen an die Politik vorgelegt.

Pressekontakt Stefanie Görtz mobil: 0170-2037198
Infos, Programm, und Anmeldung ab Anfang April unter www.dokumentarfilminitiative.de
News und Hintergrundinformationen zum Thema finden sich laufend auf facebook
Veranstaltungsort Filmforum NRW (Kino im Museum Ludwig), Köln
Veranstalter dfi dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW in Kooperation mit dem Filmbüro NW und der AG DOK sowie weiteren Partnern.