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Nachruf: Peter Sempel

23. März 1954 - 20. März 2026

vom 30.03.2026

Ob viele ihm jemals in die Augen sehen konnten, weiß ich nicht. Die verbarg er in den letzten Jahren nämlich fast immer hinter einer dunklen Sonnenbrille, und die gehörte wie sein dunkles Jackett unabdingbar zu seiner Selbstinszenierung als Künstler. Peter Sempel war einfach unverwechselbar; eine Institution der Hamburger Filmkunst- und underground-Szene - aber er war weder eitel noch abgehoben, und verbittert darüber, dass in den deutschen Fernsehanstalten und im Förderbetrieb nicht alle seine Filme toll fanden, war er schon gar nicht. In der deutschen Dokumentarfilmlandschaft war er gewissermaßen „the last of the independents“, unkorrumpierbar und von einer mitreißenden Begeisterungsfähigkeit. Ja – war. Denn am 20. März 2026 ist Peter wenige Tage vor seinem 72. Geburtstag gestorben.   

Das ist aber auch das einzige, was man ihm vorwerfen kann. Denn seine Freunde -und davon hatte er viele- hätten ihn gerne noch länger um sich gehabt, seine schrägen Postkarten bekommen und seine experimentell gestalteten Filme gesehen, in denen er Musikern der Punk- und underground-Szene adäquate filmische Tableaus bereitete. „Eintrittskarte“ zu Lemmy Kilmister von Motörhead, Dieter Meier von Yello, Blixa Bargeld von den „Einstürzenden Neubauten“ – Campino, Nick Cave, Nina Hagen und anderen Größen der alternativen Musikszene war Peters ansteckender Enthusiasmus und seine unbedingte Authentizität – er interessierte sich für die Menschen hinter den klangvollen Namen und filmte sie, um ihnen gerecht zu werden – nicht, um sich damit selbst einen Namen zu machen. Gleich dreimal porträtierte er zum Beispiel den großen litauischstämmigen Avantgardefilmer und Cineasten Jonas Mekas, der noch beinahe 100-jährig vor seine Kamera trat. Große Publikumsrenner waren solche Filme nicht – sieht man einmal von dem Film „Dandy“ ab, der in den Kinos rund 100.000 Zuschauer erreichte. Die meisten seiner Filme liefen in kleinen Szene-Kinos vor wissendem Publikum - dort aber immer wieder und von der Kritik gefeiert. 

 

Entsprechend würdigt ihn die Filmpresse auch jetzt als einen der wirklich Bedeutsamen in unserer Branche – so etwa der „Spiegel“:
https://www.spiegel.de/kultur/kino/peter-sempel-ist-tot-drehte-filme-mit-lemmy-nina-hagen-nick-cave-yello-a-fd58f333-da38-445c-9f17-c25cdc9f9441

Oder die taz:
https://taz.de/Zum-Tod-von-Peter-Sempel/!6165237/

Auch Filminstitutionen und arthouse-Kinos schließen sich dem Gedenken an.

 

Und natürlich wird er uns auch in der AG DOK fehlen – als treuer Besucher unserer Mitgliedersammlungen, mit seinen lakonischen Zwischenrufen auf unserer Mailingliste, die immer Zeugnis auch von seiner ansteckenden Leidenschaft für unser Genre gaben - und in vielen anderen Zusammenhängen. 

"Euch allen GutlichtundTon, und gute Nerven, mit Humor (wenn möglich), agdokfanPeter 🎨🍀🎶🌻🎶 (sempel.com)"

 

Thomas Frickel

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