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Medienpolitik

Zensurvorwurf sprengt Filmfestival in Istanbul

vom 20.04.2015

Die türkische Regierung streicht einen Film über die PKK aus dem Programm - aus Solidarität lassen Regie-Kollegen den Wettbewerb platzen:

Nach einer Intervention des türkischen Kulturministeriums hat das Internationale Filmfestival Istanbul kurzfristig die Premiere des Wettbewerbsbeitrags BAKUR („Norden“) abgesagt; offizieller Grund ist eine fehlende Registrierungsbescheinigung. Da der Dokumentarfilm von Cayan Demirel und Ertugul Mavioglu den Alltag von PKK-Kämpfern in Nordkurdistan zeigt, und andere Filme ohne Zertifizierung im Festival gezeigt werden konnten, sprechen Kritiker von Zensur. Der Vorgang hat eine große Solidarisierungswelle ausgelöst: Dutzende RegiekollegInnen haben ihre Filme aus dem Festival zurückgezogen, Jurymitglieder ihre Arbeit niedergelegt. Der Wettbewerb und die Abschlussveranstaltung wurden durch die Festivalleitung abgesagt.

Rund hundert Filmemacher, darunter Nuri Bilge Ceylan, der Gewinner der Goldenen Palme von Cannes, protestierten in einem Offenen Brief gegen die Einmischung des Kulturministeriums: "We, the undersigned filmmakers, oppose the imposition of these registration certificates as a tool of censorship. We do not accept the requirement of these certificates for domestic productions, especially as they are not required for foreign films. We consider this to be a form of oppression and censorship."

Bereits 2007 wurde ein Film von Cayan Demirel mit einem Aufführungsverbot belegt: „38“ behandelte das Massaker von Dersim, bei dem türkische Regierungstruppen im Jahr 1938 mehrere tausend Menschen töteten. Auch in diesem Fall gaben die Behörden das Fehlen von Bescheinigungen als Grund an.


Der Trailer von „Bakur“ ist online.

Mehr Hintergrundinfos gibt es in einem englischen Artikel bei fipresci.org,
dem Verband der FilmkritikerInnen: mehr.

Pressereaktion:
Tagesspiegel vom 14.04.2015

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